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Protest gegen "Tag der Heimattreue":
400 gegen den „Dritten Weg“

Laut und mit aggressivem Ton, aber friedlich und ohne Zwischenfälle verlief am Samstag die Demonstration gegen die Aktion der rechtsextremen Kleinpartei „Der dritte Weg“ durch die Olper Innenstadt. Fotos: kay
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  • Laut und mit aggressivem Ton, aber friedlich und ohne Zwischenfälle verlief am Samstag die Demonstration gegen die Aktion der rechtsextremen Kleinpartei „Der dritte Weg“ durch die Olper Innenstadt. Fotos: kay
  • Foto: Kay-Helge Hercher
  • hochgeladen von Jörg Winkel (Redakteur)

win Olpe. Gefühlt war die Polizei überall. An jeder Straßenecke von Olpe waren im Lauf des heutigen Samstags unterschiedliche Einsatzfahrzeuge zu sehen. Uniformierte Beamte mit Schutzweste und voller Ausrüstung patrouillierten zwischen den friedlichen Einkäufern auf dem samstäglichen Wochenmarkt, den bei sommerlicher Hitze entlang der Schaufenster flanierenden Gästen und den vollbesetzten Außentischen der Marktplatz-Gastronomie. Der Grund war auf dem Kurkölner Platz zu finden: Hier hatte die rechtsextreme Kleinpartei „Der dritte Weg“ zum dritten Mal in Folge zu einer Veranstaltung eingeladen, die sie selbst „Tag der Heimattreue“ nennen.

win Olpe. Gefühlt war die Polizei überall. An jeder Straßenecke von Olpe waren im Lauf des heutigen Samstags unterschiedliche Einsatzfahrzeuge zu sehen. Uniformierte Beamte mit Schutzweste und voller Ausrüstung patrouillierten zwischen den friedlichen Einkäufern auf dem samstäglichen Wochenmarkt, den bei sommerlicher Hitze entlang der Schaufenster flanierenden Gästen und den vollbesetzten Außentischen der Marktplatz-Gastronomie. Der Grund war auf dem Kurkölner Platz zu finden: Hier hatte die rechtsextreme Kleinpartei „Der dritte Weg“ zum dritten Mal in Folge zu einer Veranstaltung eingeladen, die sie selbst „Tag der Heimattreue“ nennen.

Was im Internet und den sozialen Medien mit großem Rummel angekündigt war, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als quasi internes Treffen mit Grillfest-Charakter. Mehrere Faltpavillons standen auf der Wiese am Kurkölner Platz, ein in Bad Dürkheim zugelassener VW-Transporter mit Rednerpult auf der Ladefläche bildete den Hintergrund. Zwischen Werbeplaketen der Grünen, der Linken und der SPD hatten die meist in militärisch wirkende Hemden gekleideten Parteimitglieder ihre Stände und Sitzecken aufgebaut, boten Speisen und Getränke an. T-Shirts mit rechten Parolen und Motiven wurden angeboten, an mehreren Ständen lag gedrucktes Werbematerial aus, an einem wurden Schnitzereien und anderes Kunstgewerbe feilgeboten. Publikum: praktisch null. Die Olper, die am Kurkölner Platz vorbeikamen, wechselten fast sämtlich die Straßenseite. Ab und an blieben kleine Gruppen stehen, sahen sich die Versammlung kurz an und gingen dann weiter. Kontakt zwischen „Drittem Weg“ und Passanten fand praktisch nicht statt.

Kurz nach 12 folgte eine erste Tonprobe: Ein junger Mann versuchte sich mit einem Sprechgesang zu hartem Beat, der im ersten Anlauf unverständlich blieb, nach Korrektur der Einstellungen dann gelang die Beschallung. Julian Bender, laut Homepage „Gebietsverbandsleiter“ der Partei, begrüßte seine Gäste mit „Liebe Landsleute“. Es folgte das Verlesen einer langen Reihe von Auflagen. So herrschte Alkoholverbot, die Corona-Regeln mussten streng eingehalten werden. Angemeldet hatte der „Dritte Weg“ 50 Teilnehmer, zu zählen waren zunächst rund 30. Später trat auch Matthias Fischer ans Mikrofon, der früher unter anderem Landesvorsitzender der „Jungen Nationaldemokraten“, der Jugendorganisation der NPD, in Bayern war und nun stellv. Vorsitzender des „Dritten Wegs“ ist. Fischer wie Bender kündeten an, der „Dritte Weg“ wolle einen Gegenpol zum „BRD-Zeitgeist“ anbieten. Es sei „Zeit, dass es Widerstand gibt“. Der „Dritte Weg“ wolle politische Heimat sein für die, die die „sogenannte Bundesrepublik“ nicht annehmen wollten. Bender: „So ein Fest wie heute hier hätte sich vor ein paar Jahren hier im Westen niemand vorstellen können.“ Fischer erklärte, der „Dritte Weg“ sei die Partei für „die, die noch Deutsche sein wollen“, die sich dem politischen Vakuum annehmen wolle, das die etablierten Parteien entstehen ließen. Beide gaben ihrer Freude Ausdruck, dass es dem „Dritten Weg“ nun gelungen sei, in Siegen die erste Geschäftsstelle der Partei in Westdeutschland zu eröffnen.

Nach den kurzen Reden war der offizielle Teil vorbei. Währenddessen liefen auf dem Vorplatz des alten Bahnhofs immer mehr Menschen zusammen, die wegen des „Tags der Heimattreue“ gekommen waren – allerdings nicht, um ihn zu feiern, sondern, um dagegen zu protestieren. Rund 400 waren es, die sich trotz schier unerträglicher Hitze sammelten und dann in einem langen Demonstrationszug durch Olpe zogen. Organisiert hatten die Demonstration Linke und Jusos, angeschlossen hatten sich unter anderem der DGB, die SPD, verschiedene Siegener Gruppen aus dem linken politischen Spektrum sowie der Studentenschaft, der Kreisverband der Olper Grünen und mehrere antifaschistische Gruppen. Über die Martinstraße über Friedrich-, Kolping- und Günsestraße zurück auf die Martinstraße und wieder an den alten Bahnhof folgte der lange Zug, der von lautem Skandieren begleitet wurde. Überwiegend alte Kampfrufe der linken und der antifaschistischen Bewegung, aber auch „Ganz Olpe hasst den Dritten Weg“, „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ und immer wieder „Nazis raus“ war zu hören. Mancher Passant, manche Passantin blieb verblüfft stehen und staunte über die laute, aber friedliche Demo, wie Olpe wohl seit 50 Jahren keine gesehen hat.

Zweimal passierten die Demonstration den Kurkölner Platz, sodass knapp 40 Meter die „Aktivisten“ des „Dritten Wegs“ und ihre Gegner trennte – und eine Hundertschaft Polizei, die entlang des Kurkölner Platzes Aufstellung bezogen hatte, um einen Kontakt zwischen beiden Gruppen zu verhindern. Auf dem Bahnhofsplatz endete die Demonstration mit einer Kundgebung, an der allerdings nur noch wenige Demonstranten teilnahmen – auf dem komplett in der Sonne liegenden Platz ohne jeden Schatten war der Aufenthalt eine echte Herausforderung. Unter den Rednern waren unter anderem der Olper IG-Metall-Bevollmächtigte und DGB-Kreisvorsitzende André Arenz, Pfarrer Martin Eckey von der Evangelischen Kirchengemeinde Olpe, die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmayer aus Gummersbach, Peter Mußler von der SPD Attendorn und Jan Wichterich, Bürgermeisterkandidat der Olper SPD. Sie alle warnten davor, das Treiben der stärker werdenden politischen Rechtsextremen zu verharmlosen und aufzustehen für Protest gegen die Nazis.

Während die Kundgebung zu Ende ging, packten die „Aktivisten“ des „Dritten Wegs“ auf dem Kurkölner Platz ihre Stände ein und waren pünktlich zur von der Polizei vorgegebenen Zeit um 16 Uhr verschwunden – streng kontrolliert von Ordnungsamt und Polizei, die beide Veranstaltungen nicht aus den Augen gelassen hatten, immer mit dem Hauptgedanken, keinen Kontakt zwischen beiden Seiten zuzulassen, was ihnen gelang.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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