70 Muslime und Christen in der St.-Martinus-Kirche

Interessiert lauschten die Mitglieder der Türkisch-islamischen Gemeinde den Ausführungen in der St.-Martinus-Kirche. Johannes Haarmann, Vorsitzender des Vereins „Miteinander in Olpe“, freute sich über die großartige Resonanz.  Foto: mari
  • Interessiert lauschten die Mitglieder der Türkisch-islamischen Gemeinde den Ausführungen in der St.-Martinus-Kirche. Johannes Haarmann, Vorsitzender des Vereins „Miteinander in Olpe“, freute sich über die großartige Resonanz. Foto: mari
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mari Olpe. Vor vier Wochen nahmen etwa 40 Interessierte an der Moscheebesichtigung der Türkisch-islamischen Gemeinde teil (die SZ berichtete). Der Gegenbesuch beim „Religiösen Doppelpass“ in der St.-Martinus-Kirche, zu der der Verein „Miteinander in Olpe“ für Samstag eingeladen hatte, stieß auf noch größere Resonanz. Etwa 70 Muslime und Christen fanden sich ein. Ein sichtbarer Beleg für eine wirklich gute Idee des Vereins, der mit Veranstaltungen dieser Art das Interesse und das Verständnis der beiden Religionen und Kulturen fördern will.

Es war keine kunsthistorische oder architektonische Führung, zu der Gerd Schreiner vom Verein „Miteinander“ und Mitglied des Pfarrgemeinderats von St. Martinus die überwiegend türkischen Gäste einlud. Er vermittelte ihnen vielmehr einen Eindruck, was in einer Kirche geschieht. Er erklärte, dass das Wort Kirche aus der griechischen Sprache kommt und vom Ausdruck „Kyrius“, was „der Herr“ heiße, abgeleitet sei. „Kirche bedeutet die Gemeinde derer, die zum Herrn gehört, Menschen, die Jesus nachfolgen und sein Lebenswerk mittragen wollen“, sagte Schreiner den Besuchern. Erst in zweiter Linie sei unter Kirche das Bauwerk zu verstehen. Solche Gotteshausbauten würden entstehen, weil die Menschen gemeinsam beten wollten, in einer Gemeinde. So wie die Muslime in Moscheen zusammenkämen.

Auch zur Begrifflichkeit Gottesdienst lieferte Schreiner eine Erklärung. Bereits vor dem Christentum und dem Islam habe es Religionen gegeben, wo die Menschen dachten, sie müssten Gott dienen und ihn mit Opfern günstig stimmen. Doch das sei ein großes Missverständnis. Der Blick in das Christentum würde zeigen, dass in erster Linie Gott den Menschen diene. Das habe Jesus in seinem Leben und durch die Hinrichtung am Kreuz gezeigt. Und die Christen würden auf diese Liebe Gottes antworten, indem sie ihm danken und ihn wegen seiner Liebe zu den Menschen loben. Organist Thomas Grütz spielte dazu das bekannte Kirchenlied „Großer Gott wir loben dich“. Beim Rundgang durch die Kirche erfuhren die Gäste außerdem Wissenswertes über die Fenster und Figuren und das Evangelium.

Im Anschluss fand im Alten Pastorat ein gemeinsames Kaffeetrinken statt, bei dem sich ein reger Austausch entwickelte. Unter den muslimischen Besuchern war auch Tabe Tekin. Die 20-jährige Türkin studiert in Siegen Lehramt für Englisch und Französisch. Sie besuchte zuerst die Realschule in Olpe und später das Städtische Gymnasium und nahm durch den Schulbesuch schon einige Male an christlichen Gottesdiensten teil. „Inhaltlich ist es ähnlich. Die Christen denken, dass Jesus Gottes Sohn ist und wir denken, dass er ein Prophet ist.“ Die junge Frau ist sehr gläubig und nimmt zum Ramadan- oder Opferfest regelmäßig an den Gebeten in der Moschee teil. Auch ansonsten versucht sie, jeden Tag zu beten. „Ich habe gelernt, meinen Glauben und das Leben ernst zu nehmen.“

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