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SZ-Selbstversuch
90 Minuten Entspannung beim Online-Yoga

Silke Bonzel-Friedrich in ihrem Atelier in Olpe. Yoga praktiziert sie hier derzeit alleine. Ihre Schülerinnen und Schüler trifft sie online, auch zum Austausch nach den
Einheiten.
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  • Silke Bonzel-Friedrich in ihrem Atelier in Olpe. Yoga praktiziert sie hier derzeit alleine. Ihre Schülerinnen und Schüler trifft sie online, auch zum Austausch nach den
    Einheiten.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

yve Olpe. Gefühlt dreht sich die Welt immer schneller, daran ändert auch die Pandemie nichts – zumindest bei mir nicht. Gefühlt war gestern Weihnachten, gefühlt kann es gar nicht sein, dass ich die 40 schon längst überschritten habe. Zeit nur für mich selbst bleibt oft auf der Strecke, nicht weil die Zeit nicht da wäre. Ich bin einfach nicht der Mensch, der gerne alleine ist, irgendwie brauche ich immer Unterhaltung. Einen Ausgleich finde ich im Wald beim Spaziergang mit unseren Hunden, Achtsamkeit schenke ich in diesen Momenten den Tieren, nicht mir.
In den Tag mit Yoga zu starten kann ich mir nicht vorstellen. Natürlich habe ich den Satz „Ich sollte mal zum Yoga gehen“ schon ausgesprochen, aber ebenso schnell wieder verworfen – „das ist nichts für mich“.

yve Olpe. Gefühlt dreht sich die Welt immer schneller, daran ändert auch die Pandemie nichts – zumindest bei mir nicht. Gefühlt war gestern Weihnachten, gefühlt kann es gar nicht sein, dass ich die 40 schon längst überschritten habe. Zeit nur für mich selbst bleibt oft auf der Strecke, nicht weil die Zeit nicht da wäre. Ich bin einfach nicht der Mensch, der gerne alleine ist, irgendwie brauche ich immer Unterhaltung. Einen Ausgleich finde ich im Wald beim Spaziergang mit unseren Hunden, Achtsamkeit schenke ich in diesen Momenten den Tieren, nicht mir.
In den Tag mit Yoga zu starten kann ich mir nicht vorstellen. Natürlich habe ich den Satz „Ich sollte mal zum Yoga gehen“ schon ausgesprochen, aber ebenso schnell wieder verworfen – „das ist nichts für mich“. Kürzlich lese ich in einem Bericht, wie Yoga, Meditation und Co. helfen, gestärkt durch die Corona-Krise zu kommen. Das Virus bestimmt unseren Alltag, die Welt dreht sich nicht nur schneller, sie ändert sich – verbunden mit sozialer Isolation, den einen trifft es mehr, den anderen weniger.

Eine Yoga-Verabredung mit mir selbst

Über dieses Thema spreche ich mit Silke Bonzel-Friedrich, 47-jährige Yogalehrerin sowie Tanz- und Bewegungspädagogin aus Olpe. Sie lädt mich aber zunächst ein – zu einer Verabredung mit mir selbst. Zum Online-Yin-Yoga, was mir als Neuling zunächst einmal gar nichts sagt. Ich lasse mich überraschen.
Alles, was ich benötige, steht in dem Link, den ich erhalte. Laptop und eine Registrierung beim Onlinekonferenz-Dienstleister „Zoom“, eine Matte, eine Decke, die sich gut zu einer Rolle formen lässt, bequeme Kleidung und zwei Yogablöcke, die ich nicht habe. Alternativ dienen mir zwei gleich dicke Bücher.
„Mach es dir gemütlich, bereite dir einen Tee zu und zünde eine Kerze an“, gibt mir Silke Bonzel-Friedrich in ihrer Einladungs-Mail mit auf den Weg zum Selbstversuch.
Dann sitze ich schon auf der Matte, nach und nach schalten sich weitere Teilnehmer hinzu. Wir sind 16. „Die Nachfrage nach Online-Yoga ist derzeit hoch“, erzählt mir die 47-Jährige. Nicht nur Entspannungssuchende aus Olpe und Umgebung sind dabei. Das macht das neue Format möglich. Dann sollen wir die Schwerkraft für uns arbeiten lassen, Yin-Yoga beginnt. „Namasté“, heißt uns die Bewegungspädagogin in ihrem Atelier an der Biggestraße willkommen.
Unsere Faszien, die netzartig angelegten Faserbänder in unserem Bindegewebe, sollen heute geschmeidig werden bzw. bleiben. Sie ummanteln schließlich Gelenke, Sehnen, Muskeln, Bänder und Organe.

Mit dem Atem verbinden

Ich folge der beruhigenden Stimme, die aus meinem Laptop kommt. „Diese 90 Minuten gehören dir ganz allein, nichts tun müssen, nicht denken.“ Yin-Yoga bedeutet auch, dass ich mich mit dem Atem verbinde, mich auf ihn konzentriere – loslasse. Ein Häkchen hinter den Tag machen und nicht dem nachhängen, was am nächsten noch zu tun ist.
Silke Bonzel-Friedrich leitet uns an. „Tief einatmen – lass – , dann tief ausatmen – los.“ Das Lass-Los-Mantra soll ins Jetzt führen, nicht in die Vergangenheit, nicht in die Zukunft. Dabei immer tief in den Bauch einatmen, „fühlen“ wie der Nabel nach unten sinkt. Das Wirrwarr im Kopf sozusagen auf den Boden abgeben. „Ein gewisser Atem-Flow sollte sich einstellen“, erzählt mir die 47-Jährige während wir später im Telefongespräch auf die Einheit zurückblicken. „So bekommen wir uns eingefangen.“ Gleichmäßig tief ein- und ausatmen, das machten Babys ganz automatisch. Wir hingegen hielten bei Stress und Konfliksituationen eher die Luft an.

Ins Schwitzen geraten soll man beim Yoga nicht

Eineinhalb Stunden sind meine Augen geschlossen, hin und wieder schaue ich auf den Bildschirm, prüfe, ob ich die richtige Haltung einnehme. Ich gerate nicht ins Schwitzen, das soll auch nicht sein. Es geht einzig und allein um das Entspannen, völlig ohne Kraftaufwand. „Es muss sich einfach gut anfühlen“, sagt die 47-Jährige. Yoga müsse sich den Teilnehmern anpassen, nicht umgekehrt. Ich habe mich auf das Experiment eingelassen, ganz bewusst. Ich erlebe, dass sanfte Bewegungen intensiv auf den Körper wirken und das Gedankenkarussell tatsächlich zum Stehen bringen können. Daran geglaubt habe ich nicht wirklich, aber ich fühle mich irgendwie befreit. Von der Matte hätte ich theoretisch sofort ins Bett wechseln können. Eine Heimreise mit dem Auto musste ich ja auch nicht antreten.
„Das ist der Vorteil von Online-Yoga“, so die Bewegungspädagogin. „Beim ersten Lockdown habe ich mich gefragt, wer will das denn schon? Wie soll der persönliche Austausch stattfinden?“ Doch die regelmäßigen Stunden hätten gefehlt, ihr und auch ihren Schülerinnen und Schülern. „Jeder Tag stellt uns derzeit vor neue Herausforderungen, Ansprüche und Situationen. Ich persönlich finde es gerade jetzt sehr schwierig, bei mir selbst zu bleiben und mich nicht zu sehr von all den Nachrichten und Informationen aus der Ruhe bringen zu lassen.“ Die tägliche Yogapraxis ist für Silke Bonzel-Friedrich „ein fester Ankerpunkt, sie erdet mich, lässt mich spüren, was mir wichtig ist und hilft mir gerade abends, den Tag in Ruhe abschließen zu können“.

"Der Hammer, herrlich entspannt"

Die Rückmeldungen via Whatsapp aus ihren Online-Kursen bestätigen das. „Der Hammer, ich habe nach der Einheit zehn Stunden geschlafen und bin herrlich entspannt“ oder „Ich bin nun ein neuer Mensch – erholt und geerdet“. Viren lassen sich mit Online-Yoga natürlich nicht besiegen. Aber bei vielen Teilnehmer die Angst vor ihnen und vor dem, was sie vielleicht auslösen.

Silke Bonzel-Friedrich in ihrem Atelier in Olpe. Yoga praktiziert sie hier derzeit alleine. Ihre Schülerinnen und Schüler trifft sie online, auch zum Austausch nach den
Einheiten.
Meine erste Yoga-Einheit. Ganz bewusst habe ich mich auf das Experiment eingelassen und fühle mich nach eineinhalb Stunden gelöst und irgendwie befreit.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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