Sauerländer Schützenbund wartet nicht auf die Landesregierung
Absage aller Schützenfeste in diesem Jahr empfohlen

Musiker und Besucher auf Schützenfesten dicht aneinander gedrängt – was sonst während der Sommermonate zum gesellschaftlichen Leben im Kreis Olpe fest dazu gehört, wird in diesem Jahr ausfallen müssen.
  • Musiker und Besucher auf Schützenfesten dicht aneinander gedrängt – was sonst während der Sommermonate zum gesellschaftlichen Leben im Kreis Olpe fest dazu gehört, wird in diesem Jahr ausfallen müssen.
  • Foto: SZ-Archivfoto: mari
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

soph/sz Kreisgebiet. Ab wann ist eine Veranstaltung eine Großveranstaltung und darf damit nicht stattfinden? Auf die finale Klärung dieser Frage seitens der Landesregierung will der Sauerländer Schützenbund (SSB) nicht warten und empfiehlt schon heute eine Absage aller Schützenfeste in diesem Jahr. Darauf haben sich Bundesoberst Martin Tillmann und die Vorsitzenden der Kreisschützenbünde gestern Abend im Rahmen einer Videokonferenz geeinigt.„Wir haben uns zu dieser Empfehlung entschlossen, um den Vereinen eine Orientierungshilfe zu geben“, so Martin Tillmann im Gespräch mit der SZ. Diese dürfte wohl sehr gelegen kommen, denn obwohl es sich, wie Tillmann erneut betonte, ausdrücklich nur um eine Empfehlung handelt, sei ein einheitliches Vorgehen an dieser Stelle sicherlich die sinnvollste Lösung. Auch die Größe der Schützenfeste, vom beschaulichen Scheiderwald bis zu den „Fierdahe“ auf dem Olper „Ümmerich“, dürfte kaum mehr eine Rolle spielen. „Das ist überhaupt nicht steuerbar“, so Martin Tillmann. Wenn größere Feste abgesagt werden, könnten kleinere dadurch schließlich durch feierfreudige Besucher schnell wachsen.

Auf schnelles offizielles Verbot gehofft

Kreisoberst Markus Bröcher vom Kreisschützenbund Olpe hatte auf ein schnelles offizielles Verbot der Landesregierung gehofft, wie er im Gespräch mit der SZ betonte. „Die Absage eines Schützenfestes hat auch rechtliche Aspekte, die mit einem solchen Verbot ganz anders gelöst werden können, weil die Absagen dann nicht in der Verantwortung der Schützenvereine liegen würden.“ Auch er begrüßt die Empfehlung und eine einheitliche Vorgehensweise der im SSB organisierten Vereine.
Die Olper St.-Sebastianus-Schützen hatten sich bereits in der vergangenen Woche dazu entschieden, ihr Schützenfest abzusagen (die SZ berichtete). Bei den tausenden Besuchern, die an den Festtagen in der Kreisstadt erwartet werden, war diese Entscheidung nach dem prinzipiellen Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August nur logisch. Aber auch die weniger großen Vereine müssen sich teilweise bald entscheiden, denn schließlich will auch ein Schützenfest im kleineren Rahmen gut geplant sein – oder eben auch nicht mehr.

Einzelne Vereine haben Entscheidung bereits getroffen

Der Schützenverein 1921 Römershagen hat die Entscheidung bereits getroffen und sich dazu entschlossen, das für den 5. bis 7. Juni geplante Schützenfest abzusagen. In ihrer Absage weisen die Organisatoren ebenfalls darauf hin, dass es noch keine konkrete Definition für eine Großveranstaltung gebe, aber „dass bereits ein Schützenfest wie unseres in Römershagen ausreichen kann, um mit Blick auf die Infektionsverbreitung gigantische Schäden anzurichten“. Das habe schließlich auch das Beispiel der eher kleinen Karnevalsveranstaltung im Kreis Heinsberg gezeigt. Im Rahmen des diesjährigen Schützenfestes wäre die neue Fahne der Jungschützenabteilung geweiht worden. „Es schmerzt uns an dieser Stelle, dass wir dem Engagement unserer jüngeren Schützenbrüder im Sammeln von Spenden für diese Fahne und ihrem Einsatz für den Verein erst später die Würdigung zukommen lassen können. Aber ihr Wahlspruch der neuen Fahne könnte nicht passender sein: ,Zukunft prägt, wer Gegenwart gestaltet.’“ Der Verein blickt vorsichtig in die nahe und fernere Zukunft und hofft, im September dieses Jahres gemeinsam mit den befreundeten Vereinen der 7er-Gemeinschaft in der Schützenhalle Römershagen das 25-jährige Bestehen und im nächsten Jahr – wie auch der St.-Antonius-Schützenverein Heid – das 100-jährige Jubiläum feiern zu können. „Lasst uns gemeinsam aus der jetzigen Krise selbst im Schlechten die Möglichkeit zum Guten erkennen und das Beste daraus machen“, so der Wunsch des Vereins.Auch die St.-Hubertus-Schützen in Wegeringhausen haben sich dazu entschlossen, ihre Festtage abzusagen. Seitens des Oberbergischen Schützenbundes gibt es bereits eine offizielle Empfehlung (die SZ berichtete). Und da der Wegeringhauser Schützenverein mit der erste ist, der vom 8. bis 10. Mai gefeiert hätte, sei die Absage nur eine logische Konsequenz aus den Entwicklungen gewesen, wie Vorsitzender Dieter Vollmer im Gespräch mit der SZ sagte. „Das gesundheitliche Wohlergehen aller steht im Vordergrund.“ Er bezweifelte außerdem, dass unter den gegebenen Umständen überhaupt jemand in Feierlaune sei – ob in drei Wochen oder zu einem anderen Zeitpunkt in der Saison.

„Alle Dinge haben ihre Zeit“

Dieser Aspekt ist auch für Martin Tillmann ein wichtiger. „Selbst wenn die Veranstaltungen nach dem 31. August wieder erlaubt sein sollten, glaube ich, dass viele Besucher wegbleiben würden.“ Ebenso wie die Absage freiwillig passieren muss, liegt auch das weitere Vorgehen in der Entscheidungshoheit der Vereine. „Manche denken wohl darüber nach, ihr Schützenfest nachzuholen“, so Martin Tillmann. Aber ob eine Verschiebung in den Herbst sinnvoll ist, sei aus seiner Sicht fraglich, die Schützenfeste lebten schließlich vom guten Wetter. „Alle Dinge haben ihre Zeit“, ist sich der Bundesoberst sicher. Und die Zeit der Schützenfeste sei aus seiner Sicht nun mal der Sommer.

Autor:

Katja Fünfsinn (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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