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Leiterin des Olper Mutter-Kind-Hauses geht in Ruhestand
Abschied von „Aline“

Annette Sawitza verabschiedet sich als Leiterin des Mutter-Kind-Hauses in Olpe in den Ruhestand.
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  • Annette Sawitza verabschiedet sich als Leiterin des Mutter-Kind-Hauses in Olpe in den Ruhestand.
  • Foto: Yvonne Clemens
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

yve Olpe. Auf dem Schreibtisch sieht es nach Arbeit aus, das Telefon klingelt, Annette Sawitza ist geschäftig. An der Pinnwand hängen Fotos, Bilder – gemalt von kleinen Händen und viele Erinnerungen. Nichts deutet auf Ruhestand hin. Seit 24 Jahren ist das Mutter-Kind-Haus „Aline“ das zweite Zuhause für die 66-Jährige. „Ein Stück lebe ich hier, viele Nächte war ich im Einsatz.“ Am Kimicker Berg in Olpe, nur 300 Meter entfernt von dem Haus, in dem Annette Sawitza wohnt. „Die Nähe hat es mir leicht gemacht.“ Am Freitag verabschiedet sie sich als Leiterin vom Mutter-Kind-Haus.
Im August vor 31 Jahren nimmt die gebürtige Münsteranerin ihre Tätigkeit in der Pflegevorschule mit Internat bei den Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung zu Olpe auf. Nach einer fünfmonatigen Umbauzeit wird am 17.

yve Olpe. Auf dem Schreibtisch sieht es nach Arbeit aus, das Telefon klingelt, Annette Sawitza ist geschäftig. An der Pinnwand hängen Fotos, Bilder – gemalt von kleinen Händen und viele Erinnerungen. Nichts deutet auf Ruhestand hin. Seit 24 Jahren ist das Mutter-Kind-Haus „Aline“ das zweite Zuhause für die 66-Jährige. „Ein Stück lebe ich hier, viele Nächte war ich im Einsatz.“ Am Kimicker Berg in Olpe, nur 300 Meter entfernt von dem Haus, in dem Annette Sawitza wohnt. „Die Nähe hat es mir leicht gemacht.“ Am Freitag verabschiedet sie sich als Leiterin vom Mutter-Kind-Haus.
Im August vor 31 Jahren nimmt die gebürtige Münsteranerin ihre Tätigkeit in der Pflegevorschule mit Internat bei den Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung zu Olpe auf. Nach einer fünfmonatigen Umbauzeit wird am 17. Januar 1997 aus der Schule das Mutter-Kind-Haus „Aline“, heute in der Trägerschaft der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franzikanerinnen (GFO). Vom ersten Tag an ist Annette Sawitza Leiterin des damals noch einzigen Standortes, einer Heimat auf Zeit für meist junge Mütter und Kinder gleich neben weiteren Einrichtungen der GFO wie Kindergarten, Kinder- und Jugendhospiz „Balthasar“ oder Josefshaus.

„Aline“ um fünf Außenstellen gewachsen

Im Laufe der Jahre ist „Aline“ um fünf Außenstellen gewachsen. Verwaltet von Annette Sawitza und ihrem Team vom Zentralhaus in Olpe aus, wo 17 Mütter und 27 Kinder leben. Der ambulante Dienst existiert bereits seit 20 Jahren, im April 2011 öffnet das Haus am Imberg. In Kleingruppen leben dort acht Mütter und acht Kinder in einer Jugendstilvilla, seinerzeit erworben von der Stadt Olpe durch die GFO.

Aufbau einer stabilen Mutter-Kind-Beziehung

Ein engmaschiges Betreuungsangebot ist in zwei Klärungsgruppen gewährleistet – eine vor sechs Jahren am Kimicker Berg errichtet, die andere frisch bezogen im Januar in Drolshagen. Und seit vier Jahren bietet die GFO in einem ehemaligen Kloster, zuletzt Geriatrie, in Bornheim-Merten Unterstützung und Begleitung an, um Müttern Chance und Lebensperspektive auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu geben – das Kindeswohl steht dabei im Vordergrund. Der Aufbau einer stabilen Mutter-Kind-Beziehung ist Ziel, aber auch die Begleitung von Müttern, die ihr Kind zeitweise in Pflege geben, bis eine schwierige Lebensphase überwunden ist. Im besten Fall, so Annette Sawitza, arbeite eine junge Mutter an ihrem Schulabschluss, während der Nachwuchs betreut werde, und lerne nach und nach, den Alltag mit einem Kind zu meistern.

Nicht alle kommen freiwillig in die Einrichtung

Nicht selten hört die Einrichtungsleiterin, wie es denn heutzutage noch passieren könne, so jung schwanger zu werden. „Viele Frauen kennen keinen familiären Zusammenhalt“, weiß die 66-Jährige. Keine Liebe, keine Nähe. „Aber das erhoffen sich junge Frauen mit der Geburt eines Kindes.“ Doch plötzlich sei da kein System, das sie auffange. „Die Problematik ist vielschichtig.“

Angekommen: eine junge Mutter mit ihren drei Kindern im Garten des Hauses am Imberg, einer von fünf Außenstellen des Olper Mutter-Kind-Hauses „Aline“, von dem sich Annette Sawitza nach 24 Jahren als Leiterin verabschiedet.
  • Angekommen: eine junge Mutter mit ihren drei Kindern im Garten des Hauses am Imberg, einer von fünf Außenstellen des Olper Mutter-Kind-Hauses „Aline“, von dem sich Annette Sawitza nach 24 Jahren als Leiterin verabschiedet.
  • Foto: Mutter-Kind-Haus
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

Nicht alle kommen freiwillig ins Mutter-Kind-Haus. Das entscheiden die Jugendämter. „Nach den ersten vier Wochen haben sich die Mädchen und Frauen eingelebt“, weiß die 66-Jährige. Durchschnittlich zwei Jahre bleiben sie. Der Faktor Zeit sei unumgänglich. „Wir müssen zunächst klären, was braucht genau diese Mutter, was braucht das Kind? Dann heißt es, erstmal Fuß fassen – ankommen.“ Überwiegend sind die Bewohnerinnen zwischen 16 und 25 Jahren alt, die jüngste war 13, die älteste 39 Jahre alt. Der Bedarf an Plätzen in einem Mutter-Kind-Haus wachse stetig. In Olpe und den anderen Standorten werden auch Kindesväter aufgenommen und Mütter, die bereits ein Kind oder mehrere haben. Dann, wenn Mauern unüberbrückbar werden. Die Corona-Pandemie vergrößere diese Nöte. „Das spüren wir hier ganz deutlich“, betont Annette Sawitza.

Marion Weidlich übernimmt Leitung

Auswirkungen, mit denen sich Marion Weidlich in Zukunft befassen wird. Die 52-Jährige ist die Stellvertreterin von Annette Sawitza, am Freitag übernimmt sie die Leitung. Seit fast 20 Jahren ist die Siegerländerin bereits Teil von „Aline“ und in Kürze zuständig für 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 63 Erwachsene und deren Kinder. Annette Sawitza gibt also sehr große Verantwortung ab, legt sie vertrauensvoll in die Hände ihrer Nachfolgerin.
Ob die 66-Jährige sich auf ihren Ruhestand freut, kann sie im Gespräch mit der SZ nicht ad hoc beantworten. „Ich werde auf jeden Fall mehr Freizeit haben, und damit auch mehr Zeit für Familie und Sport.“ Annette Sawitza hat zwei erwachsene Kinder und eine sechsjährige Enkeltochter. „Aline“ ist ihr drittes „Kind“, mit dem sie untrennbar verbunden bleiben wird.

Große Dankbarkeit für 31 Dienstjahre

„Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf 31 Jahre zurück.“ Sie schätze das hohe Engagement aller Mitarbeiter. In allen Belangen sei sie von ihrer Familie und nicht zuletzt von der Geschäftsführung der GFO unterstützt worden – „hier hatte ich Gestaltungsfreiräume“. Sie könne wirklich behaupten, bis heute das Mutter-Kind-Haus gerne zu betreten – Tag für Tag! „Einzig störend ist das morgendliche Klingeln des Weckers“, lacht die 66-Jährige.
Sie gehe mit einem guten Gefühl. „,Aline’ ist mittlerweile etabliert und anerkannt.“ Das war nicht immer so. „Früher mussten wir uns rechtfertigen.“ Dabei sollte jungen Müttern doch mit Wertschätzung begegnet werden. „Sie entscheiden sich schließlich für das Leben eines Kindes.“ Vielen dieser Kinder wird Annette Sawitza weiterhin begegnen, nicht mehr täglich im Mutter-Kind-Haus, doch hin und wieder in der Nachbarschaft.

Annette Sawitza verabschiedet sich als Leiterin des Mutter-Kind-Hauses in Olpe in den Ruhestand.
Angekommen: eine junge Mutter mit ihren drei Kindern im Garten des Hauses am Imberg, einer von fünf Außenstellen des Olper Mutter-Kind-Hauses „Aline“, von dem sich Annette Sawitza nach 24 Jahren als Leiterin verabschiedet.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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