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Zentrum auf der Griesemert
ADAC-Fahrsicherheitstraining: Hörspiele können tödlich sein

Insbesondere auf dem besonders glatten Terrain gelingt ein Ausweichmanöver nicht immer. Das schafft Respekt vor den physikalischen Kräften.
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  • Insbesondere auf dem besonders glatten Terrain gelingt ein Ausweichmanöver nicht immer. Das schafft Respekt vor den physikalischen Kräften.
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hobö Griesemert. „Ich bin voller Adrenalin, hoffentlich nehmen die mir hiernach nicht den Führerschein weg.“ Irene, Mitfünfzigerin und Krankenschwester, schaut am regnerischen Montagmorgen auf ihr neues Auto und ist nervös. Das bevorstehende ADAC-Fahrsicherheitstraining im Verkehrssicherheitszentrum auf der Griesemert hat sie selbst und aus freien Stücken gebucht, doch jetzt, so unmittelbar vor dem Beginn, kommen Zweifel auf. Was wird passieren? Welche Anforderungen werden gestellt? Bin ich all dem gewachsen? Fragen, die an diesem Morgen zwölf Teilnehmer des Trainings beschäftigen. Vorweg: Die Gedankenwelt beim Verlassen des Geländes ist bei allen eine völlig andere als bei der Ankunft.

hobö Griesemert. „Ich bin voller Adrenalin, hoffentlich nehmen die mir hiernach nicht den Führerschein weg.“ Irene, Mitfünfzigerin und Krankenschwester, schaut am regnerischen Montagmorgen auf ihr neues Auto und ist nervös. Das bevorstehende ADAC-Fahrsicherheitstraining im Verkehrssicherheitszentrum auf der Griesemert hat sie selbst und aus freien Stücken gebucht, doch jetzt, so unmittelbar vor dem Beginn, kommen Zweifel auf. Was wird passieren? Welche Anforderungen werden gestellt? Bin ich all dem gewachsen? Fragen, die an diesem Morgen zwölf Teilnehmer des Trainings beschäftigen. Vorweg: Die Gedankenwelt beim Verlassen des Geländes ist bei allen eine völlig andere als bei der Ankunft.

Autofahrer von 18 bis über 60 Jahren im Verkehrssicherheitszentrum auf der Griesemert

Um über das Training zu berichten, wollte ich nicht nur zuschauen und mir die Erfahrungen der Teilnehmer in den Block diktieren lassen. Ich wollte selbst erleben, was das Training beinhaltet, welche Erfahrungen es mit sich bringt und schlichtweg eine Antwort auf die Frage erhalten, welche Fähigkeiten hinter dem Steuer in mir selbst stecken. Inmitten einer Gruppe höchst unterschiedlicher, interessanter und sympathischer Personen im Alter von 18 bis über 60 Jahren wurde ich in den nächsten acht Stunden ein anderer Autofahrer – erheblich mehr sensibilisiert für das Spiel der Kräfte, das mit jeder Fahrzeugbewegung einhergeht.

Über mehr als 20 Jahre Erfahrung besitzt Fahrtrainer Michael, der bei der morgendlichen Begrüßung nach den jeweiligen Beweggründen für die Teilnahme fragt. Krankenschwester Irene will ihr neues Auto besser kennenlernen, zwei 18-jährige Fahranfängerinnen möchten ihre frisch erworbenen Kenntnisse ausbauen. Sanaz hat trotz Fahrerlaubnis 20 Jahre kein Auto mehr gesteuert und initiiert im Südsauerland sozusagen einen Neustart am Lenkrad.

Fahrtrainer Michael (l.) gelingt es, sachlich und zugleich humorvoll die Aufmerksamkeit auf elementare Dinge der Verkehrssicherheit zu lenken.
  • Fahrtrainer Michael (l.) gelingt es, sachlich und zugleich humorvoll die Aufmerksamkeit auf elementare Dinge der Verkehrssicherheit zu lenken.
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Auf die richtige Sitzposition kommt es an

Zusammen mit Jan Philipp, der derzeit seine Ausbildung zum Fahrtrainer absolviert, führt Fahrtrainer Michael die Truppe einfühlsam, gut verständlich und stets mit einer Prise Humor versehen durch den Tag und die zahlreichen Übungen auf dem Gelände des Olper Verkehrssicherheitszentrums.

Schnell wird allen Teilnehmern die Bedeutung der richtigen Sitzposition klar. Schließlich ist die für das Lenken und insbesondere den kräftigen Tritt auf die Bremse von enormer Bedeutung. Denn die zentralen Themen dieses Trainings am Montag bestanden darin, auf plötzliche Hindernisse richtig zu reagieren sowie das Auto im rutschenden Grenzbereich zu erfahren und zu beherrschen. In immer höheren Tempi galt es, auf ein Hindernis zuzufahren, mit voller Kraft zu bremsen und zeitgleich ein Ausweichmanöver mit der richtigen Lenkbewegung zu meistern. Leichter gesagt als getan, zumal das Trainingsgelände normalen Asphalt, aber auch sehr rutschige Oberflächen vorhält.

Auch Hörspiele können im Auto tödlich sein

Der Kreisverkehr des Trainingsareals fordert in besonderer Weise. Denn nach der „Wohlfühlrunde“ in einem Tempo, das Sicherheit vermittelt, geht es sodann darum, den Wagen an die Grenze des Machbaren zu beschleunigen. Auch hier bekunden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlussendlich einen Gewinn an Sicherheit, denn jeder hat sein Vehikel, dessen Grenzbereich und die richtige Reaktion auf ein Ausbrechen kennen und anwenden gelernt.

Nachhaltig wirkt die Demonstration des Bremswegs mit einsekündiger Reaktionszeit aus Tempo 30, 50 und 70. Dort, wo der Wagen aus 30 km/h zum Stehen kommt, rast er aus 50 km/h kommend mit eben diesen 50 noch vorbei, ehe der Fahrer nach der Reaktionszeit die Bremse durchtritt. Noch drastischer die Vorstellung, hier stünde eine Person auf der Fahrbahn, wenn sich ein Auto mit Tempo 70 nähert.

Beim Tempo 30 endet das Bremsmanöver an dieser Pylone, aus 70 km/h heraus erst dort, wo das weiße Auto nun steht. Die Folgen einer Karambolage werden so sehr anschaulich.
  • Beim Tempo 30 endet das Bremsmanöver an dieser Pylone, aus 70 km/h heraus erst dort, wo das weiße Auto nun steht. Die Folgen einer Karambolage werden so sehr anschaulich.
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Diesbezüglich mahnt Fahrtrainer Michael, sich die Verzögerung vorzustellen, sollte der Fahrzeugführer ein Handy benutzen, am Display des Autos hantieren oder einen anderen Gegenstand im Auto suchen. Selbst Hörspiele seien buchstäblich tödlich, weil der Fahrer sich in eine Traumwelt begebe, die mit dem Verkehr nichts zu tun habe. „Mit jeder Ablenkung beginnt die Überforderung, den Verkehr wahrzunehmen.“

Jeder sollte das Fahrsicherheitstraining absolvieren

Fahranfängerin Friederike bilanziert am Ende des Trainings: „Ich fand den Tag total cool, vor allem die Kreisbahn.“ Anke, deren Mann und Tochter jeweils mit eigenen Autos ebenfalls teilnahmen, bescheinigte den Trainern, „auf schöne, lehrreiche und sympathische Weise“ viel Wissenswertes vermittelt zu haben. „Aber eine Rennfahrerin“, ergänzt sie lachend, „werde ich niemals.“ Annette spricht derweil „von einem guten Gefühl, jetzt zu wissen, ich kann bremsen und ausweichen. Ich hoffe aber, ich brauche es nie.“
Sanaz hatte nach 20 Jahren Fahrpause „ziemlich Panik“. Der Kurs aber habe ihr Sicherheit und Lust gegeben, wieder Auto zu fahren. Anfänglich zitierte Krankenschwester Irene konnte ihre Angst abschütteln: „Ich bin total beseelt. Ich habe mein Auto kennengelernt, habe mich angenommen gefühlt, gut abgeholt – und jetzt habe ich riesige Lust auf mehr.“

Und mein persönliches Fazit: Jeder sollte mindestens die Basis-Version des ADAC-Fahrsicherheitstrainings absolvieren, um die eigenen Grenzen zu erfahren, die des eigenen Gefährts und die der Physik schlechthin – kurzum das Spiel der Kräften unter professioneller Anleitung in sicherem Umfeld erleben, reflektieren und mitnehmen in den Verkehr. Dort wünscht sich Fahrtrainer Michael im Übrigen von allen mehr Rücksicht, „also mehr wir statt ich“.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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