Blick in die SZ von vor 25 Jahren
Als der Mobilfunk Protest im Kreis Olpe mobilisierte

Bis heute beispiellos: der Hünsborner Protest im Wendener Ratssaal gegen einen Mobilfunkmasten. Nach dieser Aktion wurde der Einsatz von Plakaten bei Sitzungen untersagt.
  • Bis heute beispiellos: der Hünsborner Protest im Wendener Ratssaal gegen einen Mobilfunkmasten. Nach dieser Aktion wurde der Einsatz von Plakaten bei Sitzungen untersagt.
  • Foto: hobö (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

win Olpe/Hünsborn. Vor 25 Jahren bewegten Themen die Menschen im Kreis Olpe, die zum Teil heute noch aktuell, zum Teil schon fast vergessen sind. Ein Blick ins digitalisierte SZ-Archiv holt zahlreiche Erinnerungen zurück. So ist es 25 Jahre her, dass die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein eine Vereinbarung zu Notarzteinsätzen in Grenzgebieten schlossen. „Gerade für Hünsborn heißt das, daß die Rettungswagen seit Anfang des Jahres nicht mehr aus Olpe anfahren, sondern aus Freudenberg“, so die SZ im Januar 1996. Der Grund: Die Helfer aus Freudenberg waren je nach Verkehrslage deutlich schneller in Hünsborn als die aus Olpe. Diese Regelung hielt viele Jahre, letztlich ist sie seit dem vergangenen Jahr überflüssig, als die Rettungs-Nebenwache Gerlingen eröffnet wurde.

Ampeln erst seit 1996 an der Autobahnauffahrt Olpe

25 Jahre später ist heute kaum noch vorstellbar, dass erst 1996 Ampeln an der Autobahnauffahrt Olpe errichtet wurden. „Die Anlagen wurden zur Verbesserung des Verkehrsflusses und zur Beseitigung der Unfallhäufungsstelle im Bereich der südwestlichen und nordöstlichen Arme der Anschlußstelle Olpe vom Landesstraßen- und Autobahnamt Bochum errichtet. Die Baukosten für dieses Projekt betrugen rund 390.000 DM“, hielt die SZ seinerzeit fest.
Ebenfalls im Januar 1996 erhielt Franz Becker aus Welschen Ennest, „der sich seit Jahrzehnten in vielfältiger Weise ehrenamtlich für die Belange seiner Mitmenschen einsetzt“, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Moderne Zeiten brachen in Sachen Telefonie in der Kreisstadt an: „In dieser Woche wurde die Ortsvermittlungsstelle ,Olpe-Nord’ auf die neue digitale Technik umgestellt. Insgesamt 3200 Telefonanschlüsse, deren Rufnummern mit 6 beginnen, wurden während dieser Aktion umgeschaltet. Wer seit Mittwoch zum Hörer greift, hört ganz neue Töne. Aber der Klang von Rufton und Freizeichen ist nicht das einzige, was sich verändert hat. Die Deutsche Telekom kann ab sofort dem Kunden weitere neue Telefondienstleistungsmerkmale anbieten. Anklopfen bei einem besetzten Anschluß, Dreierkonferenz, Sperren bestimmter Telefonnummern und der Einzelverbindungsnachweis ist mit Hilfe der Digitaltechnik möglich“, ließ die SZ damals ihre Leserinnen und Leser wissen.

Dr. Joachim Grünewald referierte über die neuen Bundesländer

Der ehemalige Olper Oberkreisdirektor, Parlamentarische Staatssekretär und „jetzige Verwaltungsratsvorsitzende der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BVS)“, Dr. Joachim Grünewald, referierte im Januar 1996 in der Olper DRK-Altentagesstätte über die wirtschaftliche Situation in den neuen Bundesländern. „Eingehend auf Umfragen in der ehemaligen DDR, die eine große Unzufriedenheit mit dem Zustand nach der Wiedervereinigung festgestellt haben, warb Grünewald um Verständnis. Es sei unglaublich, was man den Menschen dort nach so langer Zeit Diktatur zugemutet habe. Ihre Hoffnungen seien teilweise enttäuscht worden.“
Ebenfalls viele Zuhörer zog ein anderer Referent an: Jesuitenpater Prof. Dr. Werner Löser dozierte im ev. Gemeindehaus zum Thema „Die Bibel verstehen – Auch als Laie?“ Der gebürtige Olper, damals Rektor der Theologischen Hochschule des Jesuitenordens St. Georgen in Frankfurt, „ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, daß sein Vortrag für viele sicherlich schwer zu verstehen sei“, so die SZ damals.

Mobilfunk-Sendemast bereitete den Menschen in Hünsborn Sorge

Andere, handfestere Themen beschäftigten indes die Menschen im Wendener Land: „Geplanter Mobilfunk-Sendemast bereitet Sorgen“ hieß es aus Hünsborn. „Die geplante Errichtung eines 40 Meter hohen Stahlgittermastens und einer Funkstation für den ,e plus’-Mobilfunk in direkter Nähe zur Ortschaft bereitet dem Gros der fast 3000 Dorfbewohner größte Sorgen.“
Neben Angst vor gesundheitlichen Auswirkungen durch die Strahlung ging es auch um Befürchtungen, der Funkverkehr zum Flugplatz könne gefährdet werden. Mehr als 250 Hünsborner Bürger kamen zur Sitzung des Bau- und Planungsausschusses, um gegen die geplante Errichtung des Mastens zu demonstrieren. „Die Zuhörertribünen waren dem Ansturm nicht gewachsen, so daß selbst die Tische und Stühle der Politiker im Sitzungssaal von den Gästen vereinnahmt bzw. dicht umlagert wurden“, berichtete damals die SZ. „Unter diesen Bedingungen entwickelte sich eine nicht alltägliche, turbulente und teilweise hitzige Diskussion, die schließlich mit einem Teilerfolg für die Hünsborner Bürger endete: Der Ausschuß versagte nämlich dem Vorhaben das gemeindliche Einvernehmen.“ Am Ende brachte der Protest Erfolg: Der Mast wurde nicht am ursprünglich vorgesehenen Ort, sondern weiter abseits am Steimel errichtet.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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