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Leben im Denkmal
Altes Pfarrhaus mit "Charme und Charakter"

Das alte Pfarrhaus ist ortsbildprägend. Die Andreaskreuze zur Straßenseite müssen nachträglich angebracht worden sein, da sie auf dem ältesten Foto des Gebäudes nicht zu sehen sind. Das Fachwerk war bis Mitte der 1980er-Jahre unter Schieferplatten verborgen.
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  • Das alte Pfarrhaus ist ortsbildprägend. Die Andreaskreuze zur Straßenseite müssen nachträglich angebracht worden sein, da sie auf dem ältesten Foto des Gebäudes nicht zu sehen sind. Das Fachwerk war bis Mitte der 1980er-Jahre unter Schieferplatten verborgen.
  • Foto: Yvonne Clemens
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

yve Rhode. „Es musste alles ganz schnell gehen“, blickt Rüdiger Horn auf eine turbulente Phase seines Lebens zurück. Im Mai 2014 beschließt der Kirchenvorstand der Pfarrei St. Cyriakus Rhode, ihm und seiner Lebensgefährtin Conny Ruegenberg das örtliche Pfarrhaus zu verkaufen. Bis in den September hinein ziehen sich die formellen Angelegenheiten. Mit dem Schlüssel in der Hand, beschreitet das Paar Neuland. Das Gebäude muss renoviert werden. Die Zeit drängt, der Auszug aus ihrem früheren Haus Auf der Mauer in Olpe ist beschlossene Sache.

In einer Hauruck-Aktion ist die Sanierung nicht zu stemmen, Rüdiger Horn und Conny Ruegenberg quartieren sich zwischenzeitlich getrennt bei Familienmitgliedern ein.

yve Rhode. „Es musste alles ganz schnell gehen“, blickt Rüdiger Horn auf eine turbulente Phase seines Lebens zurück. Im Mai 2014 beschließt der Kirchenvorstand der Pfarrei St. Cyriakus Rhode, ihm und seiner Lebensgefährtin Conny Ruegenberg das örtliche Pfarrhaus zu verkaufen. Bis in den September hinein ziehen sich die formellen Angelegenheiten. Mit dem Schlüssel in der Hand, beschreitet das Paar Neuland. Das Gebäude muss renoviert werden. Die Zeit drängt, der Auszug aus ihrem früheren Haus Auf der Mauer in Olpe ist beschlossene Sache.

In einer Hauruck-Aktion ist die Sanierung nicht zu stemmen, Rüdiger Horn und Conny Ruegenberg quartieren sich zwischenzeitlich getrennt bei Familienmitgliedern ein. Heiligabend 2014 sind die heute 64-Jährige und der 59-Jährige sowie Janine Hess, die Tochter von Conny Ruegenberg, erstmals wieder vereint, feiern im alten Pfarrhaus am Frankenhagen auf Apfelsinenkisten. „Ich hätte gerne mehr Zeit für die Renovierung gehabt“, erzählt Horn, der als Lektor tätig ist. Er führt durch das Haus, dessen Historie er aktuell aus verschiedenen Quellen zusammengestellt hat, fast eine Sisyphusarbeit.

Kirchturm aus dem 11. oder 12. Jahrhundert

Die Geschichte des Pfarrhauses sei eng mit der Kirche verbunden. Über den Erbauer des Gotteshauses fehle jegliche Urkunde. „Es wird vermutet, dass der romanische Kirchturm aus dem 11. bis 12. Jahrhundert stammt.“ Als 1621 Rhode eine selbstständige Pfarrei wird, sollen die Dorfbewohner versprochen haben, ihrem Pfarrer ein Wohnhaus zu bauen. Zu welchem Zeitpunkt dies geschehen sei, „ist nicht aktenkundig“. Es müsse aber ein armseliges Haus gewesen sein.

Aus Aufzeichnungen von 1733 gehe ein dringender Erneuerungsbedarf hervor, 1751 sei sogar angeordnet worden, dass Schlamm nicht in Keller, Stall und Feuerkammer fließen solle. 50 Jahre später soll dem Pfarrhaus aber ein guter Zustand bescheinigt worden sein.

Pfarrer vom Blitz getroffen

Ein einschneidenes Jahr für die Rhoder markiert das Jahr 1879. Während der damalige Pfarrer, Joseph Cordes, im Beichtstuhl sitzt, schlägt ein Blitz in die Kirche ein. Cordes kommt ums Leben, das Gotteshaus ist stark beschädigt. Es ist die Zeit des Kulturkampfes. Der neue Pfarrer, Ludwig Huckestein, agiert in stellungsloser Funktion, verstößt gegen das Gesetz, indem er heimlich Messen in Kapellen hält. „Der Pfarrer erhielt kein Gehalt“, weiß Horn. „Er ist von Familien des Dorfes durchgefüttert worden.“

Aus dem Jahr 1882 sei ein Dokument erhalten, in dem um Spenden für die kirchlichen Bauten in Rhode gebeten werde. Nicht nur die Kirche habe sich in einem desaströsen Zustand befunden, sondern auch das Pfarrhaus. Horn berichtet, dass es Michael Born gewesen sei, der 1883 den Plan für ein neues Gebäude entwarf. „Offenbar ein Multitalent.“ Bis 1866 sei er zum Beispiel der Verwalter der Wendener Hütte gewesen, Landvermesser und Mitgründer einer Strumpfwirkerei. „Die Baukosten betrugen 12 300 Mark“, sagt Horn und zeigt auf die Wände im Pfarrhaus.

"Das neue Pfarrhaus sollte etwas Repräsentatives darstellen."
- Rüdiger Horn, Pfarrhausbesitzer

Die sind ungewöhnlich hoch für einen Fachwerkbau. „Das neue Pfarrhaus sollte etwas Repräsentatives darstellen“, erklärt der 59-Jährige. Die 200 Quadratmeter große Immobilie habe nach dem Weggang von Pfarrer Wilhelm Schaberger im Jahr 2002 als Wohnraum gedient, in zwei Räumen sei bis zum Verkauf das Pfarrbüro und das Archiv untergebracht gewesen. Ein separater und abschließbarer Bereich im vorderen Teil des Hauses. „Wir können uns gut vorstellen, diesen als Büro an Freiberufler zu vermieten.“

Wandertag bleibt im Gedächtnis

Als Horn sein heutiges Zuhause zum ersten Mal erblickt, ist er in der fünften oder sechsten Klasse. Der Wandertag der Schule habe durch Rhode geführt. „Das Haus hat mir damals schon gefallen.“ Ende der 1970er-Jahre ziehen seine Eltern in das Olper Dorf. „Ich habe hier meine Jugend verbracht.“ Im Anbau des Pfarrhauses befindet sich seinerzeit das Jugendheim. Horn organisiert bis Anfang der 1980er-Jahre Discoabende mit, kachelt für diesen Zweck sogar den Sanitärbereich.

Rüdiger Horn und Conny Ruegenberg leben seit 2014 im alten Pfarrhaus, das dem heute 59-Jährigen bereits bei einem Wandertag zu Schulzeiten aufgefallen ist.
  • Rüdiger Horn und Conny Ruegenberg leben seit 2014 im alten Pfarrhaus, das dem heute 59-Jährigen bereits bei einem Wandertag zu Schulzeiten aufgefallen ist.
  • Foto: Yvonne Clemens
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

Der Anbau, vor Jugendheimzeiten Stall und Ökonomiegebäude, muss 1984 nach einem Brand abgerissen werden. Anfang des 19. Jahrhunderts habe der damalige Pfarrer, Anton Sievering, noch selbst Landwirtschaft betrieben. Er sei es auch gewesen, der das elektrische Licht nach Rhode geholt habe, vermutlich 1913 und damit früher, als es sich auf Knopfdruck in Häusern in Olpe erhellte.

Heute ein echtes Schmuckstück

Nach dem Abbruch des Anbaus folgt eine umfassende Renovierung mit Freilegung des seit 50 Jahren von Schieferplatten verborgenen Fachwerks mit Andreaskreuzen – an der Straßenseite offenbar nachträglich angebracht, wie das älteste Foto des Pfarrhauses dokumentiert. Es ist auch das auffällige Fachwerkgerüst, mit dem 1992 der Denkmalschutz begründet wird, neben der Orts- sowie Bau- und Siedlungsgeschichte des Gebäudes. Heute ist es ein Schmuckstück, auch wenn Rüdiger Horn und Conny Ruegenberg viel Zeit mit Arbeit im und am alten Pfarrhaus verbringen. „Ich war von Anfang an fasziniert von dem Haus, es hat Charakter und Charme.“

Beim Abreißen der Tapeten seien Jahrzehnte in Schichten sichtbar geworden – Zeitungen, Bibeltexte bis hin zum Lack. Im Obergeschoss hat Horn gerade alte Dekorationen freigelegt. „Die möchten wir erhalten.“ Auch die Verbindung zur Kirche bleibt bestehen. Conny Ruegenberg zeigt stolz auf ihre gesetzten Rosen, die den Weg zum Gotteshaus säumen. Das Paar nutzt ihn täglich, um das Gotteshaus auf- und abzuschließen. „Mit dem Kauf eines Fachwerkhauses hätten wir auch auf die Nase fallen können“, resümiert Horn. Grundvertrauen sei hier wohl ein gutes Fundament gewesen. „Und dieses Haus steht schließlich schon seit weit über 100 Jahren hier.“

Das alte Pfarrhaus ist ortsbildprägend. Die Andreaskreuze zur Straßenseite müssen nachträglich angebracht worden sein, da sie auf dem ältesten Foto des Gebäudes nicht zu sehen sind. Das Fachwerk war bis Mitte der 1980er-Jahre unter Schieferplatten verborgen.
Rüdiger Horn und Conny Ruegenberg leben seit 2014 im alten Pfarrhaus, das dem heute 59-Jährigen bereits bei einem Wandertag zu Schulzeiten aufgefallen ist.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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