An der Ponywiese in die Falle getappt

Junger Drogenhändler bei Scheingeschäft aufgeflogen / Bewährungsstrafe und Sozialstunden

win Olpe. Die Falle schnappte an der Ponywiese zu: Am Verbindungsweg zwischen Erzbergerstraße und Papenschlade übergab im März ein 20 Jahre alter Russlanddeutscher einem Türken rund 40 Gramm Heroin, bekam dafür 450e – und dann schnappten die Handschellen zu. Der Türke hatte im Auftrag der Polizei ein Scheingeschäft mit dem jungen Dealer abgewickelt, und die Ordnungshüter standen bereit, um den Russlanddeutschen auf frischer Tat festzunehmen. Seitdem saß der junge Mann in Untersuchungshaft. Gestern fand die Verhandlung vor der Jugendkammer des Olper Amtsgerichts statt.

Der Angeklagte, im sibirischen Omsk geboren und aufgewachsen, lebt seit 1995 in Deutschland. Über Auffanglager in Kiel und Unna-Massen kam die Familie zunächst nach Bad Laasphe, dann nach Finnentrop. Der junge Mann legte sich ins Zeug, absolvierte trotz großer Sprachschwierigkeiten den Hauptschulabschluss Typ B und begann eine Lehre. Diese brach er ab, arbeitete als Hilfsarbeiter und meldete sich dann in Hagen an einer Abendschule an, um die Fachhochschulreife zu erlangen.

Doch anstatt sparsam zu sein, lebte er auf großem Fuß. Zuerst fuhr er einen BMW, dann einen Mercedes. Mit seiner in einer Qualifizierungsmaßnahme für wenig Geld arbeitenden Freundin zog er zusammen in eine Wohnung. Ein Mobiltelefon genügte nicht: Als Geräte auf den Markt kamen, mit denen man für viel Geld Fotos verschicken kann, musste ein solches Gerät ebenfalls her. Da verfiel der junge Mann auf die Idee, sein Leben durch Drogenverkäufe zu finanzieren.

Er fuhr in seinem Mercedes in die Niederlande. Dort kaufte er rund 40 Gramm reines Heroin und knapp 100 Gramm Streckmittel. Er nahm es mit nach Hause und nutzte eine Kaffeemühle, um die beiden Substanzen zu vermischen. Das fertige Rauschmittel verkaufte er.

Vor der Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Richard Sondermann zeigte sich der Angeklagte voll geständig. Er präzisierte einzelne Angaben, die er zuvor beim Polizeiverhör abgegeben hatte. Er habe das Geld genutzt, um Benzin und die Schulden zu bezahlen, die er für sein Auto aufgenommen habe, so der Angeklagte. Richter Sondermann war zwar skeptisch: »Es ist schon seltsam, wenn man in Ihrer wirtschaftlichen Situation gleich zwei Handys und einen Mercedes besitzt und eine neue Wohnung unterhält – oder gab es da mehr Drogengeschäfte?«–Der junge Mann erklärte, bei einem unverschuldeten Unfall durch Selbstreparatur des Autos an eine gewisse Summe Geld gekommen zu sein. Das habe er für die Mobiltelefone verwendet.

Staatsanwalt Rainer Hoppmann forderte, den Angeklagten wie von der Jugendgerichtshilfe vorgeschlagen nach Jugendrecht zu verurteilen. Der Umgang mit Geld zeige, dass dem Angeklagten die Reife eines Erwachsenen fehlen.

Besonders schwer wiege die Tatsache, dass der junge Mann selbst nicht drogensüchtig sei, also aus reiner Gewinnsucht gehandelt habe. Da er voll geständig sei und zudem fünf Monate Untersuchungshaft hinter sich habe, könne die Tat mit einem Jahr und acht Monaten Haft gesühnt werden, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Zudem solle der Angeklagte 150 Sozialstunden leisten und sieben Monate lang ohne Führerschein auskommen müssen.

Der Pflichtverteidiger schloss sich den Argumenten des Staatsanwalts an, bat aber um ein milderes Urteil. Doch das Gericht folgte Staatsanwalt Hoppmann in vollem Umfang. Richter Sondermann: »Der Angeklagte hat Probleme, sich in unserer Konsumgesellschaft zurechtzufinden. Er kann vielen Verlockungen nicht widerstehen.« Um dies einzudämmen, gab Sondermann von den beiden asservierten Mobiltelefonen nur eines frei, und zwar das ohne Kamerafunktion: »Zum Telefonieren reicht das.«–Sowohl Staatsanwalt als auch Angeklagter erklärten, auf Rechtsmittel zu verzichten, so dass das Urteil rechtskräftig ist. Der junge Mann kam noch gestern auf freien Fuß.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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