Angeklagter vermutet Verschwörung

Wie gelangte der Laptop in die Zelle? / Beweisantrag führt zu neuem Prozesstermin

mik Olpe. Der Angeklagte weinte. Richter Jochen Schneider stöhnte. Und Rechtsanwalt Stefan Hesse stellte einen Beweisantrag nach dem anderen. Doch ein Urteil wurde gestern vor dem Schöffengericht nicht gesprochen.

Zum Fall: Robert J. (alle Namen von der Red. geändert) aus Köln soll seinem früheren Arbeitgeber einen Laptop (Wert: 3000 DM) gestohlen haben. Der 31-jährige Kölner hat zwölf Vorstrafen wegen Diebstahls. Und sitzt zurzeit eine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Attendorn ab.

Dort hatte er im Dezember 2001 ein freies Betätigungsverhältnis bei einer Elektro-Firma angenommen. Und die war mit dem gelernten Energie-Elektroniker zufrieden. Das sagte gestern der ehemalige Chef von Robert J. vor dem Schöffengericht. Alles lief bestens.

Bis zu dem Tag als der Laptop aus dem Firmenwagen verschwand. Zwei Tage lang suchten Roberts Kollegen und dessen Chef den Computer. Dazu der Chef Hartmut K.: »Ich hatte keinen Grund, Robert zu verdächtigen.« Gemeinsam suchten Robert und Kollegen an der Baustelle nach dem Gerät. Vergeblich. Schließlich rief Hartmut K. doch bei der JVA Attendorn an. Dort durchsuchten Beamte die Einzelzelle von Robert J. Und entdeckten den Laptop.

Zum Fund präsentierte der Angeklagte gestern eine Verschwörungstheorie. Deren Kurzversion: Ein anderer JVA-Insasse, der zur gleichen Zeit für denselben Auftraggeber arbeitete, soll ihm den Laptop in die Zelle geschmuggelt haben.

Richter Schneider schlug dem Angeklagten vor, die Sache noch einmal in Ruhe mit seinen Anwälten zu besprechen: »Wenn sie die Tat zugeben, können wir milde Maßnahmen ergreifen.« Mit anderen Worten: Zu seiner Freiheitsstrafe bis zum Juli 2003 kämen einige Monate dazu. Sollte allerdings weiter verhandelt werden und Robert J. überführt werden, drohe ihm ein Jahr zusätzliche Haft.

Es wurde weiter verhandelt. Vier ehemalige Mitarbeiter von Robert J. bestätigten die Anklage: Am Dienstag, 4. Dezember 2001, hätten die Elektriker den Computer vermisst. Dann habe man am Mittwoch den Laptop gesucht. Und am Donnerstag sei das Gerät in der Zelle des 31-Jährigen gefunden worden. Zumindest den Ablauf bestritt der Angeklagte unter Tränen.

Erst am Mittwoch sei das Gerät verschwunden. Und ein Stift der Elektro-Firma soll ihn an diesem Tag gewarnt haben, dass er wegen des verschwundene Laptops Ärger gebe. Daran konnte sich der angehende Elektriker gestern nicht erinnern.

Den Schlusspunkt setzte Rechtsanwalt Stefan Hesse aus Bad Honnef. Für ihn sei nicht bewiesen, wann sein Mandant tatsächlich gearbeitete habe. Er stellte den Beweisantrag, Hartmut K. solle die Arbeitsstundenzettel dem Gericht vorlegen. Außerdem beantragte er, den Fahrer vorzuladen, der Robert J. zur Arbeit gefahren und wieder abgeholt habe. Der Grund: Der Fahrer könnte Angaben dazu machen, ob es Robert J. überhaupt möglich gewesen wäre, einen Laptop auf das JVA-Gelände zu bringen.

Richter Schneider gab dem Beweisantrag statt. Der Prozess wird im nächsten Jahr fortgesetzt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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