Anpacken statt Achselzucken

Stadtmarketingprozess motiviert zum Mitmachen / Arbeitskreise stellten Schwerpunkte vor

mik Olpe. So könnte es aussehen: Der weiße Bigge-Dampfer legt im Vorstaubecken an. Dort verlassen rund 200 Holländer die Panorama-Terrasse des Restaurants. Und gehen an Bord. Zeitgleich entdecken Autofahrer an der A45 das Schild »Olpe, Perle am Biggesee«. Und fahren ab. Sie folgen den großmotorigen Limousinen aus Köln und Düsseldorf.

Die Rheinländer haben Olpe ins Navigationssystem getippt, weil die Frauen hier Fummel finden und die Herren einen Parkplatz. Außerdem waren die Kinder im vergangenen Winter beim straffen Halfpipe-Snowboard-Contest am Fahlenscheid… Nur geträumt?

Stadtmarketing heißt das zusammengesetzte Hauptwort. Und die es aussprechen, suchen in Dörfern und Städten Potenziale, entdecken Fehler und feilen am zukunftsfähigen Auftritt. In Olpe feilt seit 2001 die Gesellschaft für Markt und Absatzforschung (GMA).

Deren Mitarbeiterin, Dipl.-Volkswirtin Angelina Sobotta, interviewte Rentnerinnen, Jugendliche, Einzelhändler, Ärztinnen. Einfach alle. Gemeinsam mit Olper Einzelhändlern, Gastronomen und Verbandsvertretern entwickelte sie eine Marketing-Strategie. Und am Dienstagabend präsentierten Lenkungsgruppe, GMA und Bürgermeister Horst Müller ihr Konzept in der Stadthalle. Dort hatten gut 300 Bürgerinnen und Bürger Platz genommen. Und lauschten ihrem Bürgermeister.

»Wir sind in einer Zeit, in der es sich lohnt, Stadtmarketing zu machen.« Alle Teilnehmer der Lenkungsgruppe seien »wild entschlossen«, der Stadt zu geben, was sie dringend benötigt. Olpe sei eine von vielen Städten in Deutschland, die im Moment einige Probleme habe, so der Verwaltungschef. Doch diese Probleme Achsel zuckend zur Kenntnis zu nehmen, sei eine »Katastrophe«. Angelina Sobotta spendete Trost: »Wir haben den Handlungsbedarf erkannt.« Und ging zum Beweis ins Detail. Die Projektleiterin nannte Stärken und Schwächen der Kreisstadt. Pluspunkte verteilte sie für die Lage Olpes: mitten in Deutschland, eine knappe Stunde von den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf entfernt. Und ein »einzigartiges« Angebot an Gratisparkplätzen. Nur wiesen zu wenig Schilder auf dieses Angebot hin, so Sobotta.

Erfreuliches ergab auch die Analyse der Wirtschaftsstruktur Olpes: starker Mittelstand, wenig Arbeitslose, Unternehmen, die sich mit dem Standort Olpe identifizieren. Allerdings müsse die Wirtschaftsförderung koordinierter laufen, sagte Angelina Sobotta.

Thema Innenstadt, Versorgung, Handel: Die GMA-Mitarbeiterin empfindet Olpe als »pulsierenden Standort«. Es gebe Fachmärkte, Fachärzte, freundlichen Service und gute Beratung. Allerdings kritisierten die Interviewpartner der Projektleiterin das fehlende Angebot. »Es fehlt ein Fachhandel für Elektrowaren, und manch einer wünscht sich Hennes und Mauritz, C&A oder ,Peek & Cloppenburg’«, so Angelina Sobotta.

Schlechte Noten gab es beim Thema Tourismus und Freizeit. Die touristische Struktur um den Biggesee sei veraltet (Sondern). Einige Hotelbetreiber hätten lange nicht mehr renoviert. Außerdem fehle eine Verbindung zwischen Biggesee und Innenstadt. So viel zur Analyse. Anschließend warben die Moderatoren der Arbeitskreise um Teilnehmer: »Wir benötigen Sie«, riefen Heinrich-Peter Gummersbach (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) und Markus Kögel (IHK) den Bürgerinnen und Bürgern zu. Im Stil von Hauser und Kienzle stellten sie den Arbeitskreis Ansiedlung, Innovation, Wirtschaftsförderung vor. Peter Enders und Peter Quast moderieren den Arbeitskreis Innenstadt und Einzelhandel. Enders bat die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam gegen Leerstände, Betriebsschließungen und Sortimentslücken zu arbeiten.

Raphaele Voß (Arbeitskreis Sport, Kultur, Veranstaltungen) will gemeinsam mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern ein »Alleinstellungsmerkmal« Olpes finden. Und die Veranstaltungen auf dem Marktplatz, dem Kreuzberg und in der Stadthalle besser koordinieren. Am Dienstag, 8. April, treffen sich alle, die mitarbeiten wollen.

Hermann Koch vom Wirteverein und Nicole Keseberg leiten den Arbeitskreis Tourismus und Gastgewerbe. »Wir wollen Ergebnisse, die umsetzbar und effizient sind«, so Koch. Bereits am Montag, 24. März, starten Koch und Keseberg den Arbeitskreis mit Interessierten.

Und damit die nicht sofort die Lust verlieren, erhalten sie Einladungen, Protokolle und Materialien zu den Sitzungen von der Stadt Olpe. Die Bürgerinnen und Bürger liefern Ideen. Die Arbeitskreise tagen circa drei bis fünf Mal bis zu den Sommerferien.

Bis dahin sollen auch schon die ersten »Korrekturen« am Stadtbild sichtbar sein. Denn parallel zur Arbeit der Arbeitskreise soll ein »Sofortprogramm« umgesetzt werden (siehe gesonderten Artikel).

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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