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Radweg bis Rothemühle und Abwasserleitung unter Bach
Ausnahmen in Olpe genehmigt

Die Bahntrasse wurde inzwischen weitgehend von der Natur zurückerobert. Gemeinde Wenden und Verbandsgemeinde Kirchen wollen hier einen Radweg bauen.	Archivfoto: SZ
  • Die Bahntrasse wurde inzwischen weitgehend von der Natur zurückerobert. Gemeinde Wenden und Verbandsgemeinde Kirchen wollen hier einen Radweg bauen. Archivfoto: SZ
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

win Olpe. Früher hieß er einfach „Landschaftsbeirat“. Inzwischen ist daraus der „Beirat bei der unteren Naturschutzbehörde“ geworden. Seine Aufgaben bleiben gleich: Die in „Nutzer“ und „Schützer“ unterteilten Mitglieder befassen sich mit Natur- und Landschaftsschutz, expressis verbis entscheiden sie über Ausnahmen von den strengen Regeln, die die heimische Flora und Fauna beschützen sollen. Am Dienstag tagte das Gremium letztmals in dieser Wahlperiode und damit auch letztmals in alter Besetzung. Unter Vorsitz von Franz-Josef Göddecke vom Naturschutzbund Deutschland ging es vor allem um vier Anträge auf Befreiung von Auflagen.

win Olpe. Früher hieß er einfach „Landschaftsbeirat“. Inzwischen ist daraus der „Beirat bei der unteren Naturschutzbehörde“ geworden. Seine Aufgaben bleiben gleich: Die in „Nutzer“ und „Schützer“ unterteilten Mitglieder befassen sich mit Natur- und Landschaftsschutz, expressis verbis entscheiden sie über Ausnahmen von den strengen Regeln, die die heimische Flora und Fauna beschützen sollen. Am Dienstag tagte das Gremium letztmals in dieser Wahlperiode und damit auch letztmals in alter Besetzung. Unter Vorsitz von Franz-Josef Göddecke vom Naturschutzbund Deutschland ging es vor allem um vier Anträge auf Befreiung von Auflagen.

Arbeit außerhalb der Brutzeit

Im ersten beantragte der Landesbetrieb Straßenbau, für Zwecke einer Baugrunduntersuchung im Naturschutzgebiet „Großmicketal“ bei Ottfingen und dem angrenzenden Landschaftsschutzgebiet im Zusammenhang mit dem geplanten sechsspurigen Ausbau der Autobahn 45 vornehmen zu können. Am Rande der heutigen Trasse sollen Kernbohrungen, Kleinrammbohrungen oder schwere Rammsondierungen ausgeführt werden. „Die Inanspruchnahme erstreckt sich über lediglich zwei Arbeitstage und erfolgt außerhalb der Vegetations- und Brutzeit (Oktober 2020 bis Februar 2021)“, heißt es in der Vorlage. Die Löcher reichen fünf Meter tief und durchmessen wenige Zentimeter. Nach Bewertung der Kreisverwaltung kann hier „nach Art und jahreszeitlicher Ausführung der Untersuchungen ausgeschlossen werden, dass eine erhebliche Beeinträchtigung gesetzlich geschützter Biotope erfolgt“. Weil die Eingriffe nur klein seien, überwiege das öffentliche Interesse an der Standorterkundung gegenüber dem Interesse an der umfassenden Durchsetzung der Verbote.

Messstellen einrichten und betreiben

Den zweiten Befreiungsantrag stellte die Firma Rheinkalk Grevenbrück. Sie will im Bereich des Landschaftsplans „Elsper Senke – Lennebergland“ (LP 2) zwei Grundwassermessstellen im Naturschutzgebiet „Melbecke und Rübenkamp“ bohren und unbefristet betreiben. „Die während der Arbeiten jeweils in Anspruch zu nehmende Fläche umfasst 100 bis 150 Quadratmeter, im anschließenden Dauerbetrieb ist lediglich eine Fläche von fünf Quadratmetern erforderlich“, schreibt dazu die Verwaltung. Da diese Bohrungen eine geplante Steinbrucherweiterung vorbereite und an „der Ausbeutung dieses Vorkommens grundsätzlich ein regionalplanerisches und insoweit öffentliches Interesse“ bestehe, könne auch hier eine Befreiung von den Auflagen und damit ein Ermöglichen der Bohrungen genehmigt werden. Gleichwohl sei dies „keine Vorfestlegung“ hinsichtlich der eigentlichen Frage einer Erweiterung. Alle Arbeiten würden außerhalb der Brutzeit erfolgen und die Eingriffe für Mensch und Natur kaum wahrnehmbar sein.

Abwasserrohr im Landschaftsschutzgebiet

Antrag Nummer drei kam von einem Landwirt nahe des Drolshagener Weilers Feldmannshof: Er will eine Befreiung von Verboten des Landschaftsplans „Wenden – Drolshagen“ (LP 4), um im Landschaftsschutzgebiet ein Abwasserrohr verlegen zu können. Dieses wird nötig, um seine geplante Hofmolkerei mit einer Druckleitung an das vorhandene Kanalsystem anzuschließen. Dazu muss der Attenbach unterquert werden. Da es dort weder besonders geschützte Biotope noch seltene Arten gibt und die Verlegung nach Abschluss der Arbeiten nicht mehr sichtbar sein wird, sei eine Genehmigung sinnvoll und vertretbar, so die Verwaltung.

Bau eines Radwegs

Den letzten Befreiungsantrag hatte die Gemeinde Wenden gestellt. Ihr geht es um den Bau eines Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse Olpe-Freudenberg, genauer: den Streckenteil zwischen Wildenburg Bahnhof und Rothemühle. „Hier stellt der lückig mit Pioniergehölzen (Aspe, Birke, Eberesche) bewachsene Schotterkörper eine Biotopverbundstruktur am Rand der Biggeaue dar“, lässt die Kreisverwaltung wissen. „Aufgrund der Förderbestimmungen muss der Fahrbahnbelag als Schwarzdecke ausgeführt werden. Für den Unterbau soll der oberste Teil des Schotterbettes ausgebaut, durch Zuschlagsstoffe ertüchtigt und wieder eingebaut werden.“ Weil der Schotter ehemaliger Gleiskörper sich in besonderer Weise als Habitat für Reptilien und Amphibien eigne, seien umfangreiche Kartierungen erfolgt.

Genug Platz für Eidechsen

„Zwar konnten Blindschleiche, Waldeidechse und Ringelnatter nachgewiesen werden, nicht jedoch die streng geschützte Schlingnatter.“ Der Eintritt eines artenschutzrechtlichen Verbotstatbestandes könne durch die im landschaftspflegerischen Begleitplan beschriebenen Maßnahmen mit der nötigen Sicherheit ausgeschlossen werden. „Wenngleich die Gehölzstrukturen in Gestalt des Lichtraumprofils eine substanzielle Schmälerung erfahren, so verbleibt auf beiden Schultern dennoch ein ausreichend breites Gehölzband, um die das Schutzinteresse tragende Vernetzungsfunktion weiterhin zu gewährleisten. Der Eingriffsregelung wird umfassend Rechnung getragen, und es finden gezielte Habitatoptimierungen für Reptilien statt, sodass die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts keine Einbußen erfährt“, so die Kreisverwaltung.
Durch die Erhaltung der Gehölzbänder an den Damm-Schultern erfahre der ästhetische Charakter der Landschaft zudem keine dauerhaft wahrnehmbare Veränderung. „Vor diesem Hintergrund liegen die Voraussetzungen für die Erteilung einer Befreiung aus überwiegenden Gründen des öffentlichen Interesses in der gebotenen Eindeutigkeit vor.“
In allen Fällen folgten die Mitglieder des Beirats den Empfehlungen der Verwaltung, sodass die Planungen für die Vorhaben weitergehen können.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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