Kölner sucht die Abgeschiedenheit
Autor Thomas Kiehl beendet Thriller am Biggesee

Thomas Kiehl aus Köln suchte einen Ort, der ein Gefühl für Schweden vermittelt. Am Biggesee hat er ihn gefunden und dort sein drittes Buch beendet.
  • Thomas Kiehl aus Köln suchte einen Ort, der ein Gefühl für Schweden vermittelt. Am Biggesee hat er ihn gefunden und dort sein drittes Buch beendet.
  • Foto: yve
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

yve Kirchesohl. Es ist noch ruhig auf dem ehemaligen Campingplatz in Kirchesohl, nur wenige Gäste haben die urigen Spitzdach-Hütten direkt am Biggesee bezogen. Kreisförmig sind sie angeordnet, schließlich dreht sich hier alles um Kommunikation, Teamgeist und Abenteuer. Vor einem Holzhaus steht ein Töpfchen mit Basilikum. „Ich werde schon belächelt“, zeigt Thomas Kiehl auf das Königskraut. „Jeden Tag trage ich es in die Gemeinschaftsküche, um es zu bewässern. Ich komme mir vor wie Jean Reno im Film ,Leon – der Profi’“, der seine Pflanze auf seiner Flucht überall mit hinnehme.

Autor Thomas Kiehl lebt mit seiner Familie in Köln

„Eigentlich wollte ich das Basilikum essen, in der Hütte sind auch noch die Tomaten. Ich habe mich aber belohnt und die Außengastronomie in Olpe getestet“, erzählt mir Kiehl. Er ist alleine hier, nach Ruhe und einer naturnahen Umgebung habe er gesucht. Sein Paddleboard liegt unten am See. „Gleich gehe ich noch einmal aufs Wasser, das muss ich ausnutzen.“ Ich treffe Thomas Kiehl einen Tag vor seiner Abreise. Eine Woche war er auf dem Gelände der Firma Bigge-Elements, die Aktionen rund um Feuer, Wasser, Erde, Luft anbietet. „Jetzt kann ich aufatmen“, erzählt mir der Schriftsteller. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern lebt er in Köln.

„Gestern habe ich mein Buch beendet, das war mein Wunsch für eine Woche in Abgeschiedenheit. Ich bin total glücklich.“ Was hat den Autor ausgerechnet ins Sauerland verschlagen? „Es hätte auch die Eifel sein können, ich wollte in der Nähe etwas finden.“ Schauplatz seines neuen Thrillers sei Schweden. Hier in der Holzhütte – gebettet zwischen Wald und Wasser – fühle er sich dem skandinavischem Land nahe. Corona geschuldet seien auch noch keine Gruppen vor Ort. „Ich höre zwar die Straße, aber das kann ich ausblenden.“

Autor Thomas Kiehl schreibt Buch in Kirchesohl fort

In Kirchesohl hat Kiehl die rasanten und packenden Entwicklungen um Forschungsprojekte von Lena Brondoit fortgeschrieben. „Über die Ferien lege ich das neue Buch beiseite, dann habe ich den nötigen Abstand, um es noch einmal durchzugehen.“ Erscheinungstermin ist frühestens im Frühjahr, spätestens im Herbst 2022.
In Kiehls drittem Werk geht es um Epigenetik, eine Lehre, die die Vererbung von genetischen Effekten des Lebensstils erforscht. „Soviel darf ich verraten“, macht es der Kölner spannend. Epigenetik sei ein äußerst spannendes Feld. „Wenn ich ein Buch lese, dann möchte ich etwas mitnehmen.“ Wissen müsse in fesselnden Geschichten verpackt sein. Biologische Phänomene ziehen Kiehl schon in der Kindheit in den Bann. Ursprünglich ist er Jurist, arbeitet einige Zeit in verschiedenen Positionen bei der Telekom. „Irgendwann habe ich mich gefragt, ist es das gewesen?“

Thomas Kiehl wird vom Banker zum Schriftsteller

Der Gedanke an eine berufliche Umorientierung habe ihn nicht mehr losgelassen. „Dann war ich mit meiner Frau in Kambodscha, das ist eigentlich eine Episode wie sie im Buche steht“, lacht der Autor und erzählt mir von der Begegnung mit einem Mönch. „Der rauchte eine Kippe, das passte nicht ins Bild. Ich hatte eine völlig falsche Vorstellung von dem Leben in einem asiatischen Kloster, ich dachte, dort sei man unwiderruflich für immer.“ Der Mönch habe ihm erzählt, er sei nur übergangsweise im Konvent. „Er ist ITler, er wollte herausfinden, wo ihn sein Weg hinführt.“

Das Gespräch hat den Autor tief beeindruckt. „Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. In Deutschland sind alle so sicherheitsbewusst.“ Der Mönch habe einfach alles hinter sich gelassen. „Und ich wollte schon immer ein Buch schreiben, aber neben dem Job geht das nicht.“

Nach seiner Rückkehr aus Asien kündigt Kiehl. „An meinem ersten Buch habe ich lange rumgedoktert. Die Buchwelt war so übersättigt.“ Er wendet sich an eine Agentur. „Plötzlich ging alles ganz schnell“, ein Verlag habe angebissen. „,Die Ameisenfrau’ hat polarisiert, dabei viele begeistert.“ Für die 3sat-Kulturzeit schürt Kiehl die Angst vor der Angst und regt zum Nachdenken an. Warum bilden Menschen Staaten, was macht das mit ihnen? Kiehl setzt in seinem literarischen Debüt auf Systemtheorie, spart nicht mit Gesellschaftkritik, lässt Lena Brondoit dabei ins Visier von undurchsichtigen Organisationen geraten.

Thomas Kiehl tauscht Köln gegen Schweden im Sauerland

Jungen Forschungsfeldern der Biologie bleibt der Schriftsteller auch in seinem zweiten Werk „Homo Lupus“ treu, in dem Lena Brondoit mit ihrem Wissen aus der Wolfsforschung helfen soll, einen Clan zu stoppen, während ein Männerbund nach absoluter Macht strebt. „Ein packender Politthriller um den gnadenlosen Kampf der Alpha-Tiere und das Recht des Stärkeren“, verrät der Buchdeckel.
Thomas Kiehl schenkt mir ein Exemplar, in der Signatur wünscht er mir „viel Spaß am Wolf in dir“. Während der Autor morgen seine Hütte räumt, Köln gegen Schweden im Sauerland tauscht, tauche ich ein in die Welt seiner Protagonistin, freue mich auf dubiose Spiele und auf faszinierende Interaktionen der Stammväter unserer Hunde.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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