Beute in Frauenunterhose versteckt

Trio ging in sechs Geschäften auf Diebestour / Zu Geldstrafen verurteilt

win Olpe. »In den Olper Geschäften geht heute wohl gar nichts«, witzelte gestern Amtsrichter Jochen Schneider, als bei einem Prozess Verkäuferinnen und Verkäufer aus sechs Olper Einzelhandelsgeschäften vor dem Gerichtssaal ausharrten, um als Zeugen vernommen zu werden. Sie hatten aber nicht lange zu warten, denn der Prozess ging rasch zu Ende. Die Zeugen wurden entlassen, nachdem die beiden Angeklagten alle Vorwürfe eingeräumt hatten.

Dabei ging es um nicht alltägliche Straftaten. Zusammen mit der noch minderjährigen, gesondert verfolgten Tochter der 35-jährigen Angeklagten hatten diese und der 27-jährige Mitangeklagte im März eine Diebestour der besonderen Art unternommen. Die drei Ruhrpöttler waren nach Olpe gefahren. Der Mann hatte eine übergroße Damenunterhose über seine Beinkleider gezogen und trug darüber einen langen Mantel. In sechs Geschäften lenkten die beiden Frauen das Personal ab, während der Mann sich im Laden bediente und die Beute in die Damenunterhose steckte. Allerdings gingen die drei nicht allzu geschickt vor: In allen Geschäften fielen die drei auf, unter anderem, weil der Mann so viel Beute eingesteckte, dass diese sich deutlich durch den Mantel abzeichnete. Die Diebe waren aber in fünf Fällen zu schnell und türmten, bevor sie festgehalten werden konnten. In einem Lederwarengeschäft aber waren die Verkäuferinnen aufmerksamer: Sie schlossen den Laden ab und verfolgten das Trio, das zwei wertvolle Handtaschen eingesteckt hatte. Sie stellten die drei Täter und informierten die Polizei.

Zwar hatten die Seriendiebe die Beute in einem Schneehaufen verscharrt, wurden aber gestellt und überführt. Sie räumten die Taten ein. Und auch gestern vor Gericht zeigten sich der Mann und die Frau geständig. Zwar sagten die beiden kein Wort, ließen aber über ihre Verteidiger erklären, sie gäben alle Vorwürfe zu. Der Anwalt des 27-Jährigen erklärte die Tat so: »Mein Mandant hatte zum ersten Mal im Leben eine Freundin« – die Tochter der Mitangeklagten. Dieser habe der Mann imponieren wollen. Es sei kein gewerbsmäßiger Diebstahl gewesen.

Das sah auch Staatsanwalt Ulrich Hettwer: »Ich war überrascht, als ich sah, dass beide eine weiße Weste haben.«–Er sei eigentlich nach dem Tatvorwurf von gewerbsmäßiger Kriminalität ausgegangen, doch habe es den Anschein, die Diebestour in Olpe sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen, denn davor und danach hätten sich die Angeklagten nichts zu Schulden kommen lassen. Daher könne seiner Meinung auch »so gerade noch« eine Geldstrafe verhängt werden, »aber so erheblich, dass sie im Führungszeugnis erscheint.«–Er beantragte je 120 Tagessätze, die er beim Mann, der als Friseur arbeitet, auf 30e taxierte, bei der von »Hartz IV« lebenden Frau auf 10e.

Das Gericht folgte den Forderungen des Staatsanwalts. Vorsitzender Richter Jochen Schneider erklärte, die Taten seien »eine Unverfrorenheit und Dreistigkeit«–gewesen. Aufgrund der leeren Strafregisterauszüge und der Geständnisse seien aber die erheblichen Geldstrafen noch vertretbar. Staatsanwaltschaft wie Angeklagte akzeptierten das Urteil umgehend, so dass es rechtskräftig ist.

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