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Bewährungsstrafe für 100.000 Euro Schaden:
Brennende Eifersucht

win Olpe/Maumke. Es war wohl glücklicher Zufall, dass in der Nacht zum 24. August ein Maumker sehr spät nach Hause kam und trotz vorgerückter Stunde noch Hunger und Durst verspürte. Denn so kam es, dass er sich nicht sofort ins Bett legte und schlief, sondern nach dem Verspeisen zweier Hamburger und dem Genuss eines Getränks einen Blick aus dem Fenster aufs Nachbarhaus warf und so feststellte, dass dort ein Schuppen in hellen Flammen stand. Sein Anruf bei der Feuerwehr und viel mehr noch sein Spurt zum Nachbarhaus, verbunden mit dem Betätigen aller Haustürklingeln, sorgten vermutlich dafür, dass der Brand nur Sachschaden hervorrief. Im Haus hielten sich zum Brandzeitpunkt wohl elf Menschen auf, die meisten im Tiefschlaf.

win Olpe/Maumke. Es war wohl glücklicher Zufall, dass in der Nacht zum 24. August ein Maumker sehr spät nach Hause kam und trotz vorgerückter Stunde noch Hunger und Durst verspürte. Denn so kam es, dass er sich nicht sofort ins Bett legte und schlief, sondern nach dem Verspeisen zweier Hamburger und dem Genuss eines Getränks einen Blick aus dem Fenster aufs Nachbarhaus warf und so feststellte, dass dort ein Schuppen in hellen Flammen stand. Sein Anruf bei der Feuerwehr und viel mehr noch sein Spurt zum Nachbarhaus, verbunden mit dem Betätigen aller Haustürklingeln, sorgten vermutlich dafür, dass der Brand nur Sachschaden hervorrief. Im Haus hielten sich zum Brandzeitpunkt wohl elf Menschen auf, die meisten im Tiefschlaf.

Heute hatte sich ein 37-jähriger Lennestädter für die Tat vor Gericht zu verantworten. Angeklagt war „schwere Brandstiftung“. Der Angeklagte zeigte sich geständig und schilderte die Begleitumstände seiner Tat umfassend.

Hintergrund waren Beziehungsprobleme. Seine damalige Freundin und heutige Verlobte, die vor wenigen Wochen einem gemeinsamen Sohn das Leben geschenkt hat, sei zornig auf ihn gewesen: Ein vereinbartes Treffen sei ausgefallen, weil sich sein Mobiltelefon unbemerkt abgeschaltet habe, sodass er ihre Nachfragen nicht las. „Ich hatte verpasst, mich bei ihr abzumelden“, so der Angeklagte gestern vor dem Olper Schöffengericht. Als ihm aufgefallen sei, dass das Telefon ausgeschaltet war, sei er rasch in seine Wohnung und habe es aufgeladen und wieder eingeschaltet. Nach dem Abhören der wenig freundlichen Botschaften und dem Absenden entsprechender Antworten („Ich habe sie wohl echt genervt“) sei viel hochgekommen. Vor allem die Tatsache, dass sie sich mit einem weiteren Bekannten bei einem ehemaligen guten Freund des Angeklagten aufhielt, hatte den 37-Jährigen erzürnt. Dieser sei in seine Freundin verliebt gewesen: „Er hat sogar mal heulend bei meinen Eltern vorgesprochen und sie gebeten, auf mich einzuwirken, damit ich sie freigebe.“ Er war gegen 3 Uhr zu dem nur wenige hundert Meter von seinem Elternhaus entfernten Mehrfamilienhaus des vermeintlichen Nebenbuhlers gegangen. „Ich habe den Spaß gehört, den sie drinnen hatten“, so der Angeklagte: Die drei hatten nach Aussage des Wohnungsinhabers zusammen Musik gehört und gefeiert.

Der Angeklagte war in einen Schuppen gegangen, der sich hinter dem Haus befand. „Ich habe erst geguckt, ob im Kühlschrank noch eines der Biere war, die ich eine Woche vorher mitgebracht hatte“, so der Angeklagte. Doch sei keines mehr dagewesen. Er habe sich dann eine Zigarette angezündet und eine fatale Idee entwickelt. Besagter Schuppen war vollgestapelt mit Kisten und Kästen, die überwiegend dem Gastgeber seiner Freundin gehörten. Diesem habe er es heimzahlen wollen, indem er einen Papierschnipsel angezündet und in eine Kunststoffkiste geworfen habe. „Ich sah in der Kiste Kunststoffteile von einem Pocketbike. Ich wollte, dass die verschröggeln.“ Doch das Pocketbike, ein fahrfähiges Mini-Motorrad, „verschröggelte“ nicht nur, sondern fing Feuer. Ebenso wie die Kunststoffkiste, in der das Gerät untergebracht war. Und die daneben stehenden papiergefüllten Pappkartons. Und schließlich der gesamte Schuppen, der so lichterloh brannte, dass die Flammen auf das direkt daneben stehende Haus übergriffen und ein Gesamtschaden von 100 000 Euro entstand.

Bemerkt habe er die Folgen seines Handelns erst eine Viertelstunde später, als er wieder im elterlichen Haus angekommen war. „Ich hörte lautes Knallen, wie von kleinen Explosionen, und die Feuerwehr. Da wurde mir erst klar, was ich gemacht hatte.“

Staatsanwalt Waldemar Gomer schenkte dem keinen Glauben. „Haben Sie als Kind mal eine Plastiktüte angezündet?“ Der Angeklagte bejahte. „Dann müssen Sie einfach gewusst haben, was passiert, wenn man brennendes Papier in eine Kunststoffkiste wirft. Das nehme ich Ihnen nicht ab.“ Doch der Angeklagte blieb bei dieser Aussage. Ein Brandgutachter hatte ausgesagt, dass in Fachkreisen der Kunststoff, aus dem solche Lagerkisten gefertigt werden, im Scherz „Stangenbenzin“ genannt werden, einmal angezündet, sei die Wirkung fast wie bei einem flüssigen Brandbeschleuniger.

Am Ende mit Erfolg: Das Gericht unter Vorsitz von Richter Richard Sondermann verurteilte ihn nicht wegen der angeklagten schweren, sondern lediglich wegen fahrlässiger Brandstiftung zu einem Jahr und zwei Monaten Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr und acht Monate Bewährungsstrafe wegen schwerer Brandstiftung verlangt. Doch das Gericht folgte der Verteidigung insofern, dass zu Gunsten des Angeklagten dessen Aussage geglaubt werden könne, dass er die Folgen seines Zündelns nicht bedacht habe. Weiterhin muss der Mann sich der Führung und Weisung eines Bewährungshelfers unterstellen, sechs Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Zu seinen Gunsten wertete das Gericht, dass er nach mehreren Wochen Untersuchungshaft einen glaubwürdigen Neustart hingelegt habe. Der Mann hat eine unbefristete Arbeitsstelle, zahlt Unterhalt für seinen Sohn und plant Hochzeit und Zusammenleben mit seiner Verlobten.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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