»Bürgermeister, Rath und Gemein«

Agatha-Gelübde von 1665 feierlich erneuert / St.-Martinus-Chor sang Krönungsmesse

win Olpe. Feierlich zogen gestern Ratsmitglieder durch den Mittelgang in die Olper St.-Martinus-Kirche ein. Sie nahmen vor dem Altar Aufstellung und sprachen Worte, die schon Hundertemal vor ihnen von Ratsvertretern gesprochen wurden.

»Wir, Bürgermeister, Rath und ganze Gemein hiesiger Stadt Olpe erscheinen vor dem hochwürdigen Sakrament des Altars, darin wir Christum Jesum unsern Heiland und Seligmacher wahrhaftig und gegenwärtig zu sein glauben und geloben vor uns und unsere Nachkommen, nun und zu den ewigen Tagen und Zeiten zu Ehr der allerheiligsten Dreifaltigkeit der heiligen Jungfrauen Mariae, Sanctae Agathae und aller Heiligen Gottes zur Abwendung aller wohlverdienten Strafen, vornehmlich aber der Feuerbrünsten halber, diesen Tag Sanctae Agathae zu feiern, Almosen zu geben und des Fleischessens zu enthalten, so wahr uns Gott helfe und sein heiliges Evangelium«: 1665 wurden diese Worte erstmals in Olpe gesprochen. Das Gelübde soll die Stadt vor dem beschützen, was sie bis dato viermal fast ausgelöscht hatte. Zuerst 1311, dann 1373, 1529 und dann 1634 zerstörten Stadtbrände einen Großteil der Häuser, die damals zum großen Teil aus Holz gebaut und mit Stroh gedeckt waren. Auch die Kirche fiel damals dem Feuer zum Opfer.

Seit etwa 1800 wird auch eine abendliche Lichterprozession veranstaltet. Bis 1865 und während des Kulturkampfs wurde das Gelübde im Rathaus abgelegt. Zwischen 1938 und 1945 waren es nicht die Ratsherren, die sich aufgrund der politischen Verhältnisse außer Stande sahen, das Gelübde zu sprechen. In diesen Jahren übernahmen es die Mitglieder des Kirchenvorstands, das Gelübde abzulegen.

Die Wiederholung des alten Gelübdes, vorgesprochen von Pfarrer Clemens Steiling, traditionell am ersten Sonntag nach dem Agatha-Tag, bildete gestern den Auftakt zum Agatha-Fest. In seinen einleitenden Worten zog Steiling Parallelen zu den Bedrohungen von damals und heute. Was früher ein Stadtbrand gewesen sei, könne heute mit den Gefahren etwa durch den Terrorismus verglichen werden. Insofern behalte eine Tradition wie das Agatha-Gelübde ihre Berechtigung und Aktualität.

Der Kirchenchor von St. Martinus sang während der Messe die Krönungsmesse von Mozart. Um 12 Uhr begannen Betstunden, denen sich ab 18 Uhr die Festpredigt anschloss, diesmal von Michael Rademacher gesprochen. Der gebürtige Olper ist heute Pfarrer in Rietberg.

Die feierliche Prozession schloss sich an und bildete den Abschluss des diesjährigen Agatha-Fests. Zahlreiche Olper blieben der Tradition treu und gaben ihr Agatha-Opfer. Dieses Geld fließt in einen Sonderfonds, der von der Stadt Olpe verwaltet wird und aus dem in Not gekommenen Bürgern unbürokratisch Hilfe geleistet werden kann.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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