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Sami Geberemariam erzählt Streetart-Geschichten
Buntes statt Tristesse

Während der Corona-Pandemie ist Streetart für Sami zu einer neuen Leidenschaft geworden. Doch der 35-Jährige möchte nicht einfach „nur“ malen, sondern die Menschen in seiner Umgebung mit kleinen Geschichten glücklich machen.
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  • Während der Corona-Pandemie ist Streetart für Sami zu einer neuen Leidenschaft geworden. Doch der 35-Jährige möchte nicht einfach „nur“ malen, sondern die Menschen in seiner Umgebung mit kleinen Geschichten glücklich machen.
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yve Altenhundem/Siegen. Wer ist eigentlich die Person, die derzeit Spuren auf tristem Beton, Treppen und Mauern hinterlässt? Kleine Zeichnungen im urbanen Raum, die entdeckt werden sollen oder sich augenfällig an exponierten Plätzen befinden. Es ist Sami Geberemariam, der sich im Kreis Olpe und darüber hinaus unter der Signatur „Sami Art“ bereits einen Namen gemacht hat.
Jetzt hat der 35-Jährige Streetart – also Kunst an öffentlichen Plätzen – für sich entdeckt. Einen Rucksack gefüllt mit Kreide – mehr braucht Sami nicht, um Menschen lächeln zu lassen. Genau das möchte er bewirken. „Ich bin kein Freund der großen Worte, ich drücke mich lieber in meinen Bildern aus“, sagt Sami über sich selbst.

yve Altenhundem/Siegen. Wer ist eigentlich die Person, die derzeit Spuren auf tristem Beton, Treppen und Mauern hinterlässt? Kleine Zeichnungen im urbanen Raum, die entdeckt werden sollen oder sich augenfällig an exponierten Plätzen befinden. Es ist Sami Geberemariam, der sich im Kreis Olpe und darüber hinaus unter der Signatur „Sami Art“ bereits einen Namen gemacht hat.
Jetzt hat der 35-Jährige Streetart – also Kunst an öffentlichen Plätzen – für sich entdeckt. Einen Rucksack gefüllt mit Kreide – mehr braucht Sami nicht, um Menschen lächeln zu lassen. Genau das möchte er bewirken. „Ich bin kein Freund der großen Worte, ich drücke mich lieber in meinen Bildern aus“, sagt Sami über sich selbst. Seine ruhige und bescheidene Persönlichkeit ist beim Interviewtermin in einem Café am Marktplatz in Altenhundem spürbar.
Künstlerisch neue Wege zu gehen – dazu habe ihn die Corona-Pandemie bewegt. Die nötige Inspiration kam beim Betrachten der Streetart-Bilder von David Zinn auf Instagram. „Zunächst habe ich seine Zeichnungen nachgemalt“, erzählt Sami. Nach und nach entwickelte er seinen eigenen Stil. „Mach weiter“ – die Worte von Zinn, dem er seine ersten Eigenkreationen zukommen ließ, schickten ihn schließlich ins Outdoor-Atelier.
„Malen ist mein Leben“, so der 35-Jährige, der in Eritrea geboren und in Äthiopien aufgewachsen ist. Doch Streetart ist für ihn weit mehr als reine Kunst. „Ich zeichne kleine Geschichten, über die sich die Menschen freuen sollen. Viele warten gespannt auf neue Werke.“ Wenn Sami Buntes auf Tristesse bringt, bleiben die Passanten stehen – ja, und sie lächeln. „Eine Katze am Klavier – wie geil“, freut sich ein Mann, während der Meggener nach dem Gespräch mit der SZ das Bild an einer Mauer zeichnet.
Nicht jeder aber sieht es gerne, wenn der Künstler zur Kreide greift. In Siegen im Rathaus sei ihm ein eindeutiges Malverbot erteilt worden. Doch eine Frau vom Ordnungsamt, die er am Bahnhof traf, gab sofort grünes Licht. Schließlich richten Samis Skizzen keine Schäden an und sind alles andere als bloße Schmierereien, die in Städten für Unmut sorgen. So plötzlich wie seine Kunstwerke auftauchen, lässt Regen sie wieder weichen. Sami: „Nur schwarze Kreide hält etwas länger.“
Im Jahr 2011 flüchtete der 35-Jährige aus Äthiopien über den Sudan, die Türkei und Griechenland nach Deutschland. „Ein langer und harter Weg“, erinnert sich Sami. In seinen ersten Jahren in Lennestadt hat er das Trauma seiner Flucht in seinen Werken verarbeitet. Nach und nach wirkten sie unbeschwerter, weniger bedrückend. „Heute male ich sehr oft fröhliche, bunte Portraits im afrikanischen Stil.“
Seit Kindheitstagen zeichnet Sami mit Leidenschaft. „Du wirst einmal ein großer Künstler werden“, habe ihm damals ein Lehrer gesagt. „Daran erinnere ich mich immer.“ Ein kleines Atelier und hauptberuflich seiner Leidenschaft nachgehen können – davon träumt Sami. Und die Arbeit mit Kindern möchte er weiter forcieren. So ist er ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig, entwickelt Projekte, experimentiert mit verschiedenen Techniken und zeichnet dabei Seite an Seite mit dem Nachwuchs. Im Jahr 2015 startete seine Zusammenarbeit mit dem Künstlerbund Südsauerland. Nur wenig später fand seine erste Ausstellung unter dem Titel „Weg der Hoffnung“ große Beachtung. Zahlreiche folgten in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein, aber auch in Wuppertal und Köln. 2018 und 2019 absolvierte Sami bei der Stadt Lennestadt einen Bundesfreiwilligendienst und initiiert immer wieder Wanderausstellungen mit dem Katholischen Sozialdienst des Caritasverbandes. Ein Kunstcollege in Äthiopien hat der Meggener für ganze drei Tage besucht. Strikte Vorgaben widersprechen seiner Lebensart – „ich möchte meine Freiheit“.
Dauerhaft von seiner Begabung überzeugen können sich Kunstinteressierte in der Schreinerei Ridder in Gerlingen. Mit Inhaber Burkhard Ridder verbindet den 35-Jährigen eine tiefe Freundschaft. Bei einer Ausstellung in Grevenbrück entstand die Idee der Zusammenarbeit. Auch Ridder ist ambitionierter Künstler, der Holzskulpturen herstellt. Einige von diesen tragen Samis Handschrift. Er hat den Objekten mit leuchtenden Farben einen einzigartigen Ausdruck verliehen. In dem Atelier der Schreinerei sind auch regelmäßig wechselnde Arbeiten von Sami zu besichtigen.
Und was kommt als nächstes? Ein großes Streetart-Projekt auf dem Marktplatz in seiner neuen Heimat Altenhundem. Wer den Künstler mit grünem Rucksack und meist mit Kappe dort oder anderswo entdeckt, sollte ihm bis zum nächsten Mauervorsprung folgen, in seiner Nähe bleiben und beobachten, wie kleine, liebevolle Sreetart-Geschichten wachsen.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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