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Arbeitgeberverband Kreis Olpe
Corona-Lockdown sorgt für miese Stimmung

Die Corona-Pandemie hat heftige Auswirkungen auch auf die Industrie – das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in der Produktion ist inzwischen selbstverständlich, wie hier im Kirchhoff-Werk Ungarn.
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  • Die Corona-Pandemie hat heftige Auswirkungen auch auf die Industrie – das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in der Produktion ist inzwischen selbstverständlich, wie hier im Kirchhoff-Werk Ungarn.
  • Foto: Kirchhoff
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

win Olpe. „Es wird Sie nicht wundern, dass die Stimmung in der Branche ziemlich schlecht ist.“ Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands für den Kreis Olpe, ist kein Freund von Schönfärberei, daher redete er beim Jahrespressegespräch auch nicht groß „um den heißen Brei“ herum. Bei der jährlichen Umfrage zu Jahresbeginn, die der Verband schon fast traditionell bei seinen Mitgliedsbetrieben durchführt, sagt jede vierte Antwort, dass die Unternehmer die Lage „ganz schwierig“ sehen. „Was viele vergessen: Wir haben ja seit Sommer 2018 eine Rezession. Dass dann da noch eine Pandemie draufkam, das konnte niemand wissen“, so Kirchhoff. Daher werde die Lage als so schlecht empfunden wie seit der globalen Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr.

win Olpe. „Es wird Sie nicht wundern, dass die Stimmung in der Branche ziemlich schlecht ist.“ Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands für den Kreis Olpe, ist kein Freund von Schönfärberei, daher redete er beim Jahrespressegespräch auch nicht groß „um den heißen Brei“ herum. Bei der jährlichen Umfrage zu Jahresbeginn, die der Verband schon fast traditionell bei seinen Mitgliedsbetrieben durchführt, sagt jede vierte Antwort, dass die Unternehmer die Lage „ganz schwierig“ sehen. „Was viele vergessen: Wir haben ja seit Sommer 2018 eine Rezession. Dass dann da noch eine Pandemie draufkam, das konnte niemand wissen“, so Kirchhoff. Daher werde die Lage als so schlecht empfunden wie seit der globalen Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr. Die Teilnehmer sprechen für fast 6000 Beschäftigte und 320 Auszubildende.

Arbeitsplätze im Kreis Olpe bleiben im Wesentlichen erhalten

Er empfehle daher, vorsichtig zu sein mit Vorwürfen an die Politik, die eine noch nie dagewesene Lage zu meistern habe. „Und dafür finde ich, dass wir das Ganze eigentlich cool abwettern“, meint Kirchhoff: Denn trotz der faktischen Krise hätten die Unternehmen ihre Arbeitsplätze im Wesentlichen erhalten. „Klar gibt es Fälle, wo auch das gute Instrument der Kurzarbeit nicht helfen konnte, aber in der Regel ist das nicht in der Industrie passiert, denn wir wissen: Sobald es wieder aufwärts geht, haben wir gleich wieder den Facharbeitermangel.“ 
Gerade deshalb sei es auch wichtig, die Ausgaben im Blick zu behalten. Für Kirchhoff steht daher fest, dass es in der derzeitigen Tarifrunde bei einer Null bleiben müsse. „Zumindest, wenn wir für zwölf Monate verhandeln. Es gibt praktisch keine Inflation, die Lohnstückkosten sind gestiegen, die Produktivität gesunken, was auch den Anforderungen an den Infektionsschutz geschuldet ist. Da gibt es keinen Grund für Lohnerhöhungen.“

Lage bei den Auszubildenden als zweite Krise

Wenn über ein Plus gesprochen werden könne, dann nur, wenn gleichzeitig eine längere Laufzeit dabei herumkomme, „damit wir planen können“. Ebenso wichtig sei, dass die Energie nicht noch teurer werde. Deutschland führe jetzt schon weltweit bei den Energiepreisen, „bei allem, was mit warmen Prozessen zu tun hat oder Papier, wird ja schon gar nicht mehr investiert“. Er lobte, dass die Gewerkschaften die Beschäftigungssicherung zum Hauptziel erklärt hätten, doch passe die Forderung von einem Plus von 4 Prozent überhaupt nicht dazu.
Eine zweite Krise sei die Lage bei den Auszubildenden. „Ich hoffe mal noch, dass das auch auf die Corona-Situation zurückzuführen ist. Wir konnten uns nicht treffen, es gab keine Berufsmessen. Aber ich weiß nicht, wo die Jugendlichen hin sind. An die Universitäten sind sie nicht vermehrt gegangen, und Reisen fällt auch aus.“ Kirchhoff wirbt beim Nachwuchs dafür, auch kurzfristig noch aktiv zu werden: „Wer anfangen will, der kann jederzeit anfangen. Die fixen Termine für den Start einer Ausbildung sind gekippt, wir sind da flexibel, und die Berufsschulen auch.“

Forderung nach Fortschritten in der Digitalisierung

Walter Viegener, Kirchhoffs Stellvertreter sowohl beim Vorsitz des Verbands als auch in der Fachgruppe Metall, sieht anlässlich der Pandemie-Krise die weitere Notwendigkeit, dass der Staat seine Aufgaben in Sachen Digitalisierung weiterhin erledigt. Denn dies sei eine Voraussetzung, dass „wir uns global noch bewegen können“. Er hofft, dass nach der Krise dann ein schneller Aufschwung kommt und sich die Situation auch an den Universitäten erhole. „Die jungen Menschen sitzen in ihren kleinen Stuben und lernen nur noch am Bildschirm. Sie haben ja überhaupt kein Studentenleben, und das Miteinander im Hörsaal ist ja wichtig, das kann man am Bildschirm nicht alles umsetzen. Aber wir wollen dankbar sein, dass es überhaupt so läuft. Ohne Internet ginge ja gar nichts.“

Skepsis Richtung Großbritannien – Hoffnung USA Licht auf der einen, Schatten auf der anderen Seite: Während der Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden die heimischen Arbeitgeber mit Hoffnung und Freude erfüllt, so sehr setzt sich die Skepsis mit Blick über den Ärmelkanal fort. Der nun faktisch wirksame Austritt von Großbritannien aus der EU zeigt erste Folgen. „Wir haben noch keine Zahlen“, so Arndt G. Kirchhoff, „unsere Unternehmen, die da im Markt sind, haben vorgesorgt. Die Lager waren voll, wir müssen abwarten, was passiert, wenn die leer sind.“ Schon jetzt gebe es erste Rückmeldungen von Verzögerungen bei Lieferungen. „Wir haben immer gewarnt, und es ist nun mal so, dass die mehr von uns brauchen als wir von denen.“ Kirchhoff geht davon aus, dass Schottland schnell versuchen wird, in die EU zurückzukehren, und dann werde es für das übrige Großbritannien sehr bitter. Über den Wechsel in den USA ist Walter Viegener „sehr erleichtert“. Selbstverständlich werde auch Präsident Biden seine Politik durchsetzen, und das Setzen auf den Slogan „America first“ habe ja nicht Donald Trump erfunden, es nur ausnehmend plakativ verkündet. „Aber ich bin überzeugt, dass der Wechsel uns nicht schaden wird, allein die Rückkehr zu einem normalen Tonfall wird guttun.“ Die Firma Viegener beschäftigt 700 Menschen in den USA. Arndt Kirchhoff, dessen Unternehmensgruppe allein in den USA 3000 Mitarbeiter zählt und noch einmal so viele in Kanada und Mexiko, freut sich darauf, dass Biden sofort begonnen hat, bei immens wichtigen Themen wie dem Klimawandel umzusteuern. Arbeitgeberverbands-Geschäftsführer Stephan Stracke findet: „Es ist schon viel, wenn der Präsident Europa nicht mehr als Feind betrachtet.“
Die Corona-Pandemie hat heftige Auswirkungen auch auf die Industrie – das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in der Produktion ist inzwischen selbstverständlich, wie hier im Kirchhoff-Werk Ungarn.
Arndt G. Kirchhoff, Walter Viegener und der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands, Stephan Stracke (v. l.), stellten das Ergebnis der jüngsten Befragung des Verbands vor. Jeder vierte Unternehmer im Kreis Olpe sieht die Lage derzeit kritisch.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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