Einzelhandel aus Stillstand erwacht – Doch nicht jeder kehrt zum gewohnten Geschäftsalltag zurück
Corona-Zwangspause ade

„Besser als gedacht“, lief für Christoph Häner von Schuhhaus Häner in Wenden das Geschäft. Auf dem Foto ist er mit Mitarbeiterin Christiane Gerigk zu sehen.  Foto: yve
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  • „Besser als gedacht“, lief für Christoph Häner von Schuhhaus Häner in Wenden das Geschäft. Auf dem Foto ist er mit Mitarbeiterin Christiane Gerigk zu sehen. Foto: yve
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mari/yve  Nach mehr als fünf Wochen Zwangspause öffneten  am Montag  auch in Olpe die Einzelhandelsgeschäfte ihre Türen. In den wochenlang verwaisten Straßen kehrte so langsam wieder überschaubares Leben ein. Die Leute freuten sich über die von Bund und Land genehmigte Lockerung. Ihr Fazit war jedoch einvernehmlich und deutlich: Alle sollen sich an die Regelungen halten. Genauso sehen das die Einzelhändler, die in ihren Geschäften entsprechende Sicherheitsmaßnahmen vorbereitet hatten, auf die sie mit Schildern und Ansprachen durch das Verkaufspersonal aufmerksam machten. An vielen Türen war außerdem zu lesen, wie viele Personen auf einmal im Geschäft sein dürfen.

„Es waren schon einige Kundinnen und Kunden da“, sagte Birgit Halbe, Verkäuferin im Maiworm-Store „Spontan“. Sie freute sich, endlich wieder arbeiten zu dürfen. „Was mich wundert, dass fast alle männliche Kunden mit Mundschutz und Handschuhen ins Geschäft kamen, weibliche dagegen kaum. Selbst das Desinfektionsmittel, das im Eingang steht, wird von den meisten Kundinnen ignoriert.“ Sie selbst bedient mit Maske. „Es ist zwar erschwerter, und es wird einem schnell warm, aber es ist sicherer“, so die Dahlerin im Gespräch mit der SZ.

Auch Nadja Klein und Melanie Barthel beraten ihre Kunden im „Casa Pitti“ mit Mundschutz und kassieren hinter Plexiglas. „Von der Fläche her dürften 15 Personen gleichzeitig ins Geschäft, wir lassen aber nur acht rein, die Zahl haben wir bereits erreicht“, so Nadja Klein, die mit gemischten Gefühlen wieder zur Arbeit ging. „Für den Handel ist das aber wichtig. Und wenn alle auf Abstand achten und sich die Hände desinfizieren, wird es hoffentlich gut gehen. Und das konnten wir heute beobachten, 95 Prozent unserer Kunden hatten einen Mundschutz an und bewegten sich auf Abstand.“ Das bestätigte Melanie Barthel: „Ich bin positiv überrascht, die Stadt ist wieder voll, aber alle verhalten sich diszipliniert und rücksichtsvoll.“

Ins Juweliergeschäft Schöne kamen viele Kunden, die vor Corona ihre Uhren oder Schmuck zur Reparatur in der Werkstatt abgegeben haben. „Auch die Anzahl der Kunden, die einen Batteriewechsel vornehmen ließen, war wesentlich höher als sonst an einem Tag. In den mehr als vier Wochen ist wohl manche Uhr stehengeblieben“, so Inhaber Frank Kaarst, der wie viele seiner Einzelhandelskollegen auch im Sinne seiner Mitarbeiterinnen, die in Kurzarbeit waren, auf die Wiedereröffnung gehofft hatte. Verständnis für die landesweiten Unterschiede in manchen Bereichen hat er jedoch nicht: „Es müssten bundesweit einheitliche Regeln gelten und nicht jedes Bundesland für sich agieren.“

Die SZ war auch in Wenden unterwegs, wobei die Gemeinde – anders als Olpe – nicht mit dem Titel einer Einkaufsstadt wirbt. Dennoch – die Auswirkungen des „Shutdowns“ spürten auch Einzelhändler aus dem „Wendschen“ deutlich. Jetzt heißt es nach wochenlangem Stillstand auch hier – Corona-Schließung ade. Völlig überrascht war  am Montag  zum Beispiel Mechthild Jäkel, die seit 14 Jahren das „Mode-Eck“ in Gerlingen betreibt. „Hier war Hochbetrieb“, freute sie sich beim Besuch der Siegener Zeitung. Ihre Stammkunden hätten den Tag der Wiedereröffnung kaum erwarten können. Aber auch Kunden, die nicht regelmäßig zum Shoppen kommen, kehrten ein, um sich mit neuen Kleidungsstücken einzudecken. Mechthild Jäkel hatte  am Montagmorgen jedenfalls erkennbar mehr zu tun, als an anderen Tagen. In Kürze kommt die Sommerkollektion, davon erhofft sie sich natürlich auch einen Aufschwung. Denn ihre Einbußen sind aus der Bilanz nicht auszuradieren. Sie ist nun guter Dinge, dass ihr Geschäft im gewohnten Maße weiterläuft.

„Durchaus erleichtert“, dass die Türen seines Gerlinger Möbelhauses nicht mehr geschlossen bleiben müssen, ist auch Inhaber Rolf Schmidt. Gelangweilt habe er sich bis zu den ersten Lockerungsmaßnahmen und der damit verbundenen Verordnung der Landesregierung jedoch nicht. „Arbeit war nach wie vor da. Wir haben viel abgearbeitet, was liegen geblieben ist.“ Auch der Online-Verkauf habe funktioniert. Aber es sei einfach wichtig, dass sich seine Kundschaft vor Ort umschauen könne. „Sie möchte die Ware anfassen.“ Finanzielle Einbußen kommen auch auf ihn zu – „aber eine Katastrophe wird es sicherlich nicht“. Das liege mitunter auch daran, dass die Immobilie Möbel Schmidt sein Eigentum sei. „Für diejenigen, die Miete bezahlen müssen oder gerade erst investiert haben, wird es schwer.“

Die ersten Schuhe über die Ladentheke statt über den Online-Verkauf gingen am Montag  bei Christoph Häner vom Schuhhaus Häner in Wenden. Wie auch die anderen Einzelhändler in Olpe und in der Gemeinde Wenden achtet er akribisch auf die Sicherheitsvorkehrungen. Auf einem Tisch in der Nähe des Eingangsbereiches stehen Desinfektionsmittel und ein Paket mit Einweghandschuhen. Er und seine Mitarbeiterinnen tragen einen Mundschutz, die Kunden werden freundlich darauf hingewiesen, ebenfalls einen zu tragen. Wer ohne kommt, findet auf dem Hygienetisch von Christoph Häner einen Behälter mit Masken. Nach den ersten Stunden der Eröffnung wurde im Schuhhaus dann Bilanz gezogen: „Es läuft besser als gedacht.“ Nur die Kunden mit einem Lächeln empfangen können seine Angestellten aufgrund des Mundschutzes nicht. Christiane Gerigk: „Das ist schon etwas anderes. Aber wir halten uns jetzt für ein paar Wochen daran, bevor der Rückfahrtsschein kommt, den wir alle nicht wollen.“

Etwas gedulden mussten sich die Bürger, die am Montag zum Modegeschäft „Trend Fashion“ in Wenden wollten. Dafür dürfen sie sich auf aktuelle Kleidungsstücke freuen, die  nach dem Wochenende  eingekauft wurden. Informiert wurde darüber auf einem Aushang. Dieser ist mittlerweile entfernt worden, denn „ab Dienstag sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Wir freuen uns auf Ihren Besuch“ stand darauf zu lesen. Nur wenige Schritte weiter im Geschäft „Hetzels Möbel und Wohnaccessoires“ hängt ebenfalls ein Zettel hinter der Glastür. Und der bleibt vorerst auch dort. Die Inhaber teilen auf diesem mit, dass mit der Ladenöffnung voraussichtlich am 27. April zu rechnen ist.

„Wir sind ein bisschen vorsichtig“, so Petra Boden im Telefongespräch. Schließlich sei der Virus noch im Umlauf und auch in Wenden neue Fälle zu verzeichnen. Sie höre auf ihr Bauchgefühl und werde auf die Rückkehr zum Geschäftsalltag also noch verzichten. Personen, die sich in dieser Woche telefonisch anmelden, bedienen die Mitarbeiter einzeln und nach telefonischer Absprache im Laden. „Darauf freuen wir uns.“ Bis dahin setzt Petra Boden im Gegensatz zum Gros der Einzelhändler auf Lockerung „light“.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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