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Start der SZ-Hofserie
Das Einmaleins der Hühnerhaltung

Auf Hof Siele sind seit 25 Jahren Freilandhühner zu Hause.

goeb Olpe. Richtig idyllisch liegt der Hof Siele am Ortsrand von Olpe. Unter die schattenspendenden Eichen und Kastanienbäume schmiegen sich das alte Bauernhaus aus Fachwerk und eine Gruppe von Ställen und Scheunen. Es gackert aus den Altgebäuden, ein Steinwurf entfernt muht es aus modernen Kuhställen. Neben 130 Milchkühen und 90 Hektar Grünland sowie 60 Hektar Acker (Mais, Getreide, Klee) halten der staatlich geprüfte Landwirt Christoph Gerlach und seine Frau Katharina auch Hühner.

Begonnen damit hätten seine Eltern, erzählt Gerlach, weil die vor 25 Jahren nach einem zweiten Standbein gesucht hätten, um unabhängiger zu werden von den mageren Milchpreisen. Noch heute packen sie im Betrieb mit an.

goeb Olpe. Richtig idyllisch liegt der Hof Siele am Ortsrand von Olpe. Unter die schattenspendenden Eichen und Kastanienbäume schmiegen sich das alte Bauernhaus aus Fachwerk und eine Gruppe von Ställen und Scheunen. Es gackert aus den Altgebäuden, ein Steinwurf entfernt muht es aus modernen Kuhställen. Neben 130 Milchkühen und 90 Hektar Grünland sowie 60 Hektar Acker (Mais, Getreide, Klee) halten der staatlich geprüfte Landwirt Christoph Gerlach und seine Frau Katharina auch Hühner.

Begonnen damit hätten seine Eltern, erzählt Gerlach, weil die vor 25 Jahren nach einem zweiten Standbein gesucht hätten, um unabhängiger zu werden von den mageren Milchpreisen. Noch heute packen sie im Betrieb mit an.

1300 Braune gackern in der Bodenhaltung, 800 Stück scharren weiter oben auf einem Wiesenstück mit Auslauf und mobilen Ställen, die den Vorteil besitzen, dass man sie „umparken“ kann. „Wer Freilandeier unter 35 Cent verkauft, verdient nichts“, rechnet der 41-Jährige vor. „Freilandhaltung ist teuer und arbeitsintensiv. Es ist eine Nische und wird immer eine bleiben.“ Wasser und Futter müssen herbeigeschafft werden, und zweimal am Tag holt einer die Eier aus den fahrbaren Ställen.

Bis zu 700 Eier am Tag

Per Knopfdruck liefert sie ein Transportband an. 600 bis 700 Stück, je nach Alter der Herde, produziert das Federvieh insgesamt am Tag. Neben einer Verkaufskiste am Hofladen (Direktvermarktung), an der man sich bedienen kann und entsprechendes Geld in einem Schälchen hinterlegt, gehen die Eier an Raiffeisen-Märkte, Dornseifer und mehrere regionale Bäckereien sowie mittwochs beim Olper Bauernmarkt über die Verkaufstheke.

Nie und nimmer würde Deutschlands gewaltiger Eierhunger über die Freilandhaltung zu decken sein, räumt Gerlach mit einem Märchen auf, „das gern erzählt wird“. Die Deutschen leisteten sich zwar Freilandeier zum Frühstück, die Industrie kaufe Eier indes millionenfach aus der Intensiv-Käfighaltung, beispielsweise in Lettland. „Das sehen die Verbraucher nicht und fragen da auch nicht gern nach“, kommentiert der Olper.

"Freilandhaltung ist teuer und arbeitsintensiv. Es ist eine Nische und wird immer eine bleiben."
Christoph Gerlach
Landwirt

Nachdem Ende März die Geflügelgrippe im Hochsauerlandkreis aufgetreten war, mussten auch die Gerlachs alles Federvieh bis Mitte Mai im Stall halten, obwohl man weder zum Sperrgebiet (3 km) noch zur Beobachtungszone (10 km Umkreis) zählte. Eine Vorsichtsmaßnahme der Bezirksregierung. Stall bedeutet, dass man die Hühner gut beschäftigen muss, betont der Landwirt, damit sich die Tiere auf engem Raum nicht gegenseitig hacken. Es fällt auf, dass die Braunen oben im Freiland rotere Kämme haben als die Stallbewohner weiter unten.

Gefahr von oben und am Boden

Gerlach philosophiert: „Ich denke manchmal: Wenn man Hühner interviewen könnte, was würden die wohl sagen, was besser ist: Bodenhaltung oder Freiland?“ Sicher ist er sich bei der Antwort nicht.
Gerlach verweist auf die immerwährende Gefahr im Boden- und Luftkrieg. Was die fetten Habichte oben nicht schaffen, holt sich der Fuchs. „Zeitweise ist es schon schlimm“, urteilt Gerlach. Dabei haben die Freiländer Gitter, unter die sie sich flüchten können oder jenen Bereich, wo der Bauer ein dichtes Waldstaudenroggenfeld angelegt hat. Hoch ragen die Halme. Das Experiment, Ziegen und Schafe zu halten im Hühnerfeld, hat laut Gerlach nichts gebracht außer Spesen. Das beeindruckt weder die Greife noch die Bodenräuber.

Legezeit lässt schnell nach

Ihre Hühner kaufen die Gerlachs mit 18 Wochen vom Junghennenzüchter. Mit 21 Wochen fangen sie an zu legen. „Nach 16 Monaten lässt die Legezeit bereits nach“, schildert Gerlach.
Aus den alten Hühnern, den Suppenhühnern, macht man die klassische Suppe oder Frikassee. Auch Masthähnchen gibt es auf dem Hof, jede Woche schlachten die Gerlachs selbst. „Eine Suppe können Sie nicht aus einem Brathähnchen machen“, erläutert der Fachmann. „Und umgekehrt können Sie ein Suppenhuhn nicht braten. Das funktioniert einfach nicht.“

Eine Frage zum Abschluss, die nur der Hühnerhalter erschöpfend beantworten kann. Haben Hühner Charakter? Gerlach grinst. In gewisser Weise ja. Im Hühnerstall geht’s zu wie in einer Schulklasse, meint er. „Relativ schnell ist da klar, wer Chefin und Chef ist.“

Auch draußen im Feld hat er vieles beobachtet, wenn zum Beispiel der Habicht angreift und die Hähne ihre Verteidigungsaufgaben übernehmen sollen. „Es ist wie bei den Menschen“, schmunzelt Christoph Gerlach. „Da gibt es ja auch Männer, die schreiten tapfer zur Tat und andere, die verkrümeln sich lieber.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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