SZ

Waldbauern: Probleme mit Borkenkäfern, Bürokratie und Forstämtern
„Das hier ist eine Katastrophe“

Ministerin Ursula Heinen-Esser sah sich gestern einer reinen Männerrunde gegenüber. Sie kam auf Einladung von CDU-MdB Dr. Matthias Heider (vorne r.) in den Kreis Olpe, um sich zusammen mit CDU-MdL Jochen Ritter (l.) und den Waldbauern über die Borkenkäfer-Plage und den Umgang mit der Krise zu unterhalten.  Fotos: hobö
3Bilder
  • Ministerin Ursula Heinen-Esser sah sich gestern einer reinen Männerrunde gegenüber. Sie kam auf Einladung von CDU-MdB Dr. Matthias Heider (vorne r.) in den Kreis Olpe, um sich zusammen mit CDU-MdL Jochen Ritter (l.) und den Waldbauern über die Borkenkäfer-Plage und den Umgang mit der Krise zu unterhalten. Fotos: hobö
  • hochgeladen von Holger Böhler (Redakteur)

hobö Kirchesohl. Eigentlich hatte sie gute Nachrichten im Gepäck, als sich Ursula Heinen-Esser am Montag mit Waldbauern in einem Waldstück nahe des Biggesees traf. Schließlich kündete die Ministerin des Landes NRW für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz an, dass die Landesregierung die Förderung zur Schadenbeseitigung infolge der Borkenkäfer-Plage auf nahezu 60 Mill. Euro verdoppele. Und dennoch: Die Ministerin sah sich einem „herausfordernden Umfeld“ gegenüber, wie es der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete, Dr. Matthias Heider, umschrieb.

Heider war es, der die Ministerin zu dem Gespräch mit Vertretern des Waldbauernverbands und der Forstwirtschaftlichen Vereinigung nahe Kirchesohl eingeladen hatte.

hobö Kirchesohl. Eigentlich hatte sie gute Nachrichten im Gepäck, als sich Ursula Heinen-Esser am Montag mit Waldbauern in einem Waldstück nahe des Biggesees traf. Schließlich kündete die Ministerin des Landes NRW für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz an, dass die Landesregierung die Förderung zur Schadenbeseitigung infolge der Borkenkäfer-Plage auf nahezu 60 Mill. Euro verdoppele. Und dennoch: Die Ministerin sah sich einem „herausfordernden Umfeld“ gegenüber, wie es der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete, Dr. Matthias Heider, umschrieb.

Heider war es, der die Ministerin zu dem Gespräch mit Vertretern des Waldbauernverbands und der Forstwirtschaftlichen Vereinigung nahe Kirchesohl eingeladen hatte. Drei Themenfelder skizzierte der CDU-Politiker als Kern dieses Treffens: „Bestandsaufnahme; Was kommt an Förderung aus Düsseldorf und Berlin; Wie geht es weiter?“

Der an und für sich idyllisch gelegene Platz wirkte nicht auf die Gesprächsinhalte ein, denn die Borkenkäferplage stellt die Waldbauern vor riesige, ernste Herausforderungen. Und zu den enormen wirtschaftlichen Schäden gesellen sich Probleme mit der Bürokratie und den Forstämtern, wie die führenden Vertreter der hiesigen Waldbauern deutlich machten.

Das Orkantief „Kyrill“ und andere Ereignisse seien am Ende „überschaubar und heilbar“ gewesen, so Dr. Heider, „doch was sich hier tut, ist eine Katastrophe“. Dem pflichtete Ursula Heinen-Esser unumwunden bei. „Der Wald ist in einer sehr großen Krise“, betonte die CDU-Politikerin. Habe „Kyrill“ etwa 15 Millionen Kubikmeter Schadholz hervorgerufen, würden dem Borkenkäfer bis Ende 2020 rund 34 Millionen Kubikmeter alleine in NRW zum Opfer fallen. „Wir stehen also vor großen Herausforderungen.“

Daher stelle das Land nun nochmal 28 Millionen Euro an zusätzlichen Hilfen für die Waldbauern zur Verfügung, so die Ministerin, die bereits am Vormittag bei einem Termin nahe Bonn dazu detaillierte Äußerungen tätigte (vergl. gesonderten Bericht auf Seite 1).

Gegenüber den Waldbauern aus dem Kreis Olpe verteidigte sie die Deckelung auf 30 000 Euro an Einzelförderung. Denn ansonsten würden die großen Waldbauern den Fördertopf womöglich schnell leeren. Man wolle aber auch die kleineren Betriebe stützen. „Jeder kann gleichwohl einen Antrag stellen, so wie er es benötigt, vielleicht haben wir am Ende des Jahres ja noch Geld in dem Topf.“

Apropos Anträge: Michael Bieke, Vorsitzender des Bezirks Olpe im Waldbauernverband NRW, kritisierte viel zu hohe Hürden, bevor man an die Fördermittel komme. Die Antragstellung sei zu aufwändig und kompliziert. Er bat die Landwirtschaftsministerin, die Hürden niedriger einzustellen, „damit die Leute an die Förderung kommen“. Hier machte ihm Ursula Heinen-Esser keine Hoffnung. „Ich verstehe Sie ja, aber hier geht es um Steuergelder, und da gibt es Richtlinien, damit das Geld dahin geht, wo es gebraucht wird. Wir wollen etwaigen Betrügern keine Tür öffnen.“ Sie bat aber darum, Verbesserungsvorschläge für die Antragstellung mitzuteilen.

Ferdinand Funke, Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Olpe, sieht einen Interessenskonflikt zwischen diesem Waldbesitzerunternehmen, das sämtliche anfallenden Rohholzmengen und Rundholzsortimente vermarktet, und dem Landesbetrieb Wald und Holz. „Das Verhältnis ist angespannt“, so Funke mit Verweis auf ähnlich gelagerte Vermarktungsinteressen der privaten Waldbauern und des staatlichen Unternehmens.

Waldbauer Thorsten Reuber bemängelte, dass man vom Borkenkäfer geschädigte Bäume erst rausnehmen dürfe, wenn ein Forstamtsmitarbeiter dies genehmigt habe. Doch einen Termin zu erhalten, sei schwierig. „Wenn es schnell gehen muss, haben wir ein Problem“, so Reuber. Der Käferbefall sei doch auch im liegenden Zustand erkennbar, appellierte er, erkrankte Bäume entfernen zu dürfen, bevor ein Forstamtsmitarbeiter diesen begutachtet habe. Ist dies nämlich nicht erfolgt, gibt es keine Ausgleichszahlung. Bis jemand von Wald und Holz komme, sei der Borkenkäfer schon 100 Bäume weiter, monierte derweil Ferdinand Funke. „Ich möchte bitten, dass diese Schwierigkeiten endlich abgestellt werden.“

„Gehen Sie denn nett miteinander um?“, fragte Ursula Heinen-Esser und fügte hinzu: „Ich glaube, wir müssen was an der Kommunikation machen – vielleicht hilft ja ein geselliger Abend. Ich bin gerne bereit, ein Gespräch zu moderieren.“ Der Vorschlag traf direkt auf Zustimmung in der Runde. Zudem appellierte sie, ihr konkrete Fälle schriftlich vorzulegen, damit sie mit Wald und Holz reden könne. „Aber unterstellen sie dem Landesbetrieb bitte keinen Interessenskonflikt.“

Michael Bieke veranschaulichte unterdessen, dass der Borkenkäfer buchstäblich die Rentenkasse der Waldbauern auffresse. In diesem Kontext kritisierte er: „Der Privatmann kämpft wie verrückt, die Fichte halten zu können, aber der Kommunal- und Staatswald sowie die großen Waldbesitzer ziehen nicht an demselben Strick.“ Hier werde oft zu spät reagiert.

Ursula Heinen-Esser nahm in der Folge weitere Anregungen mit an den Rhein. So wurde kritisierte, dass in der Förderung zur Wiederaufforstung kein Verbissschutz enthalten sei. Und Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Olpe, schlug vor, dass die Umwandlung von Wald zu landwirtschaftlicher Fläche unbürokratischer werden sollte. „Das gucke ich mir gerne an“, so die Ministerin, die in diesem Zusammenhang ankündigte, dass „wir großzügiger Windkraft auf Kalamitätsflächen ermöglichen wollen“.

Gespannt sei sie darauf, wie die 500-Millionen-Förderung zur Beseitigung der Borkenkäfer-Schäden im Konjunkturpaket des Bundes, auf die Länder verteilt würden. Nach eigenen Berechnungen könnten 100 bis 125 Millionen nach NRW fließen, die den Waldbauern und dem Wald dann zugutekämen.

Schlussendlich machte Ursula Heinen-Esser aber klar: „Der Staat kann den Schaden nicht zu 100 Prozent ausgleichen, wir können nur fördern und unterstützen.“ Es gehe darum, die richtigen Förderinstrumente zu entwickeln.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen