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Werbung für die Fichte als Brennholz
Das Märchen vom Glanzruß

Oskar Weber, Philipp Hammecke und Thomas Kramarz (v. l.) werben für die Verwendung von Nadelhölzern als Brennholz. Glanzruß sei bei der Verbrennung nur dann zu befürchten, wenn das Holz zu feucht sei – das gelte aber auch für jede andere Holzart. Fotos: win
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  • Oskar Weber, Philipp Hammecke und Thomas Kramarz (v. l.) werben für die Verwendung von Nadelhölzern als Brennholz. Glanzruß sei bei der Verbrennung nur dann zu befürchten, wenn das Holz zu feucht sei – das gelte aber auch für jede andere Holzart. Fotos: win
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win Rehringhausen. Nein, von Waldidylle ist derzeit am Kruberg oberhalb von Rehringhausen nichts zu bemerken. Ein großer Fichtenbestand ist komplett abgeräumt, die Wurzelstöcke sind gefräst, der Waldboden mit Hackschnitzeln bedeckt. Die Fahrzeuge der Forstunternehmen haben tiefe Rillen in die Wege gedrückt, Holzstämme liegen in Poltern am Wegesrand. Hier wurde und wird gearbeitet. Hier hatten am heutigen Freitag Förster Thomas Kramarz, Waldvorsteher Philipp Hammecke und Schornsteinfegermeister Oskar Weber zum Pressegespräch geladen. „Ein...

win Rehringhausen. Nein, von Waldidylle ist derzeit am Kruberg oberhalb von Rehringhausen nichts zu bemerken. Ein großer Fichtenbestand ist komplett abgeräumt, die Wurzelstöcke sind gefräst, der Waldboden mit Hackschnitzeln bedeckt. Die Fahrzeuge der Forstunternehmen haben tiefe Rillen in die Wege gedrückt, Holzstämme liegen in Poltern am Wegesrand. Hier wurde und wird gearbeitet. Hier hatten am heutigen Freitag Förster Thomas Kramarz, Waldvorsteher Philipp Hammecke und Schornsteinfegermeister Oskar Weber zum Pressegespräch geladen. „Ein Termin, der aus der Not heraus geboren ist“, machte Kramarz deutlich, denn gäbe es die Borkenkäferplage nicht, wäre noch keine der rund 80 Jahre alten Fichten geschlagen worden – nun aber liegt der komplette Bestand am Boden, „das Sparbuch der Waldgenossen“, wie es Oskar Weber umschreibt, der nicht nur Kamine kehrt, sondern privat auch in seinem Heimatdorf Herzhausen im Netpherland einer Haubergsgenossenschaft vorsteht.

Philipp Hammecke ist nicht nur Vorsitzender der Waldgenossenschaft Rehringhausen, sondern auch der Forstbetriebsgemeinschaft Kleusheim, die mit rund 60 Mitgliedern, davon fünf Waldgenossenschaften, zwischen Rehringhausen und Fahlenscheid rund 1300 Hektar Wald bewirtschaften.

Durch den Käferbefall wird Nadelholz in einer Menge geschlagen, die die Kapazitäten der heimischen Sägewerker längst überschritten hat. „Unser einziger Ausweg ist der Export“, so Thomas Kramarz. Container für Container wird mit Stammabschnitten befüllt, die dann via Binnenschiff von Duisburg nach Rotterdam und von dort mit Großfrachtern bis Hong Kong reisen, um von dort auf chinesische Sägewerke verteilt zu werden. Doch das gilt nur für hochwertiges Holz. Das dürre Ende der Fichten oder die Abschnitte, die die Containerlänge von 12 Metern nicht erreichen, ein wenig abschätzig „Industrieholz“ genannt, sind nicht wertvoll genug, um den weiten Transport finanziell darstellbar zu machen. Dieses Holz geht entweder zur Spanplatten- oder Palettenproduktion oder wird zu Hackschnitzeln verarbeitet. Doch hier sind die Kapazitäten noch viel weiter belegt als bei den Sägewerken. Die Wälder sind voll mit nicht verkauftem Industrieholz, das transportbereit und abgelängt am Waldrand liegt. Für Kramarz, Hammecke und Weber gibt es nur eine Lösung: verbrennen.

„Wir haben in der FBG beschlossen, die nächsten drei bis vier Jahre keinen gesunden Laubbaum zu fällen, wo wir nicht wissen, wohin mit dem Nadelholz“, so Hammecke. Doch viele Besitzer von Holzöfen, Kaminen oder Holzheizungen kaufen lieber Laubholz. Dass dies unbegründet ist, versichern alle drei Fachleute. Der Heizwert von Nadelholz liege zwar etwas unterhalb dem der meisten Laubhölzer, dies werde aber durch den niedrigeren Preis mehr als ausgeglichen. Bei vielen herrsche aber der Glaube, das Verbrennen von Nadelholz fördere die Bildung von Glanzruß im Kamin, der dann in Brand geraten könne und die gefürchteten Kaminbrände auslöse. „Das ist Quatsch“, fasst es Oskar Weber zusammen. Glanzruß entstehe, wenn zu nasses Holz verbrannt werde – egal, ob Nadel- oder Laubholz – oder wenn zu wenig Sauerstoff bei der Verbrennung zugeführt wird.

Einziger Nachteil der Fichte sei, dass das Holz Harz so einlagere, dass beim Abbrand hin und wieder Glut spritzt – was aber in einem Ofen oder einer Heizung völlig egal ist. Einzig beim fast nicht mehr anzutreffenden offenen Kamin, bei dem 80 Prozent der Heizenergie aus dem Schornstein entweichen, kann dies zu Problemen führen.

Kommt Holz frisch aus dem Wald, weist es nicht selten einen Wassergehalt von 50 Prozent und mehr auf. Um es zu verbrennen, sollte dieser Wert bei 20 bis höchstens 25 Prozent liegen. Weber empfiehlt jedem Kaminbesitzer die Anschaffung eines einfachen Holzfeuchte-Messgeräts. Zwei Elektroden werden ins Holz gedrückt, und anhand der Leitfähigkeit zeigt das Instrument nach wenigen Sekunden an, ob das Holz trocken genug ist oder nicht.

Wer Näheres über den Kauf von Feuerholz wissen will, kann sich jederzeit an die zuständigen Mitarbeiter des Forstamts wenden. Hier hat Thomas Kramarz derzeit mit vielen Fragen zu kämpfen, unter anderem auch der Befürchtung mancher Hausbesitzer, sich durch den Kauf von „Käferholz“ den Borkenkäfer ins Haus zu holen. Dies sei aber kein Problem: Zum einen verliere das Holz beim Spalten und Bearbeiten den Großteil der Rinde, unter der der Käfer lebt. Zum anderen schädige das Tier ausschließlich lebendes Holz.

Abschließend nutzte Kramarz die Gelegenheit, an die Bevölkerung zu appellieren: „Die derzeitige Situation im Wald ist für keinen, der damit zu tun hat, Grund zur Freude.“ Viele arbeiteten weit über der Belastungsgrenze, und wenn mal Rinde von einem Holztransporter auf die Straße falle oder ein Traktor nach dem Holzrücken mal einen Wirtschaftsweg verschmutze, bitte er um Geduld und Nachsicht, wenn dies nicht sofort beseitigt werde.

Oskar Weber, Philipp Hammecke und Thomas Kramarz (v. l.) werben für die Verwendung von Nadelhölzern als Brennholz. Glanzruß sei bei der Verbrennung nur dann zu befürchten, wenn das Holz zu feucht sei – das gelte aber auch für jede andere Holzart. Fotos: win
Ein einfaches Gerät zeigt den Restfeuchtegehalt des Holzes an.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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