„Das Thema wird jeden Tag aktueller und akuter“

hobö Olpe. Der drohende Ärztemangel in Südwestfalen sei kein neues Thema, räumte am Mittwoch Ansgar von der Osten, Geschäftsbereichsleiter Sicherstellungspolitik und -beratung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, ein. „Aber das Thema wird jeden Tag aktueller und akuter.“ Darum begrüßte er das Kolloquium „Zukunft“, zu dem der Ärzteverbund Südwestfalen für Mittwoch in die Olper Stadthalle eingeladen hatte und in dessen Mittelpunkt eine Podiumsdiskussion stand (vergl. gesonderten Bericht).

Der Debatte voraus gingen Analysen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sowie eine Information des Ärzteverbunds über Förderprogramme zur Neuansiedlung von Haus- und Fachärzten.

„Ich bin immer noch Optimist“, betonte Ansgar von der Osten zu Beginn seines Vortrags zur Sicherung der ärztlichen Versorgung, „aber wir werden den Gürtel enger schnallen müssen.“ Denn es sei damit zu rechnen, dass der Stand der Ärzteversorgung nicht zu halten sei. Über 38 Prozent der Hausärzte in Westfalen-Lippe seien älter als 60 Jahre, in Südwestfalen seien es sogar über 42,8 Prozent. Und fast jeder vierte Hausarzt sei bereits älter als 65 Jahre.

Das Problem sei, dass der Nachwuchs fehle, konstatierte von der Osten. Daran ändere auch der Plan nichts, dass zusätzliche Zulassungs-Möglichkeiten eingerichtet würden. Es würden dann zwar mehr Arztpraxen zugelassen, aber der Nachwuchs, der eine eigene Niederlassung gründen wolle, fehle immer noch.

Stefan Spieren, Vorsitzender des Ärzteverbunds Südwestfalen, hatte bereits in seiner Einladung zu dem Kolloquium darauf verwiesen, dass zwar die Anzahl der Ärzte steige, dies aber nicht bedeute, dass dies automatisch zu einer besseren Versorgungssituation führe. Jüngere Mediziner würden angestellte Tätigkeiten und Teilzeitbeschäftigungen bevorzugen.

Dies bestätigte auch Ansgar von der Osten. Die jüngere Generation habe andere Vorstellungen von ihrem Berufs- und Freizeitleben. Um junge Ärzte dennoch für eine Niederlassung zu bewegen, böte die KV eine breite Palette an Fördermöglichkeiten an, warb Ansgar von der Osten. Diese umfasse auch eine Quereinsteiger-Förderung. Überdies habe die KV ein Förderverzeichnis eingerichtet mit Kommunen, wo man die Probleme kommen sehe.

Der Nachwuchs- bzw. Fachkräftemangel sei ja kein spezifisches Problem in der ärztlichen Versorgung, sondern in vielen Bereichen ein generelles. Der Wettbewerb um die Kräfte sei bundesweit entbrannt.

Daher müssten in der hiesigen Region kooperative Strukturen für bessere Einstiegsmöglichkeiten geboten werden. „Diese zu unterstützen, ist jeden Schweißtropfen wert“, betonte Ansgar von der Osten abschließend.

Diplom-Kauffrau Laura Bäumer vom Ärzteverbund Südwestfalen versicherte, dass viele Förderprogramme von EU, Bund, Land und Kommunen bei Ärzten und Studenten gar nicht bekannt seien. Es gebe einen bunten Strauß an Unterstützungen wie Förderkredite für Gründung und Erweiterung von Praxen sowie Beratungskosten- und Gründungszuschüsse, Als „tolles Programm“ bezeichnet Laura Bäumer das Hausarztprogramm NRW. „Da gibt es viel Geld von bis zu 60 000 Euro geschenkt.“

Die Referentin appellierte: „Tragen Sie die Fördermöglichkeiten nach außen.“ Und wenn sich irgendwo ein interessierter Arzt melde, solle er auf die Chancen und auf das Knowhow des Ärzteverbunds hingewiesen werden. Daher sei es wichtig und gut, wenn die Ärztesuche in den Rathäusern zur „Chefsache“ gemacht werde oder bereits erklärt worden sei.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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