Der »große Wurf«–blieb aus

Verkehrsentwicklungsplan nach fünfjähriger Arbeit vorgelegt / Umgehung empfohlen

win Olpe. Seit 1998 spukt er durch die Olper Kommunalpolitik: der Verkehrsentwicklungsplan (VEP). Keine die Infrastruktur betreffende Entscheidung ist seitdem gefallen, bei der nicht darauf hingewiesen wurde, dass endgültig erst nach dem Vorliegen des VEP entschieden werden könne. Gestern nun war der »große Tag«: Sylke Schwarz von der Ingenieurgruppe für Verkehrswesen und Verfahrensentwicklung (IVV) aus Aachen stellte den Mitgliedern des Ausschusses Umwelt, Planen, Bauen den Ergebnisbericht vor.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der von vielen erwartete »große Wurf«–blieb aus. Sylke Schwarz machte klar, dass Olpe durch seine Tallage mit den vorhandenen Verkehrsachsen auskommen müsse. Was sie vorstellte, waren kleinere Eingriffe, das vorsichtige Drehen an einigen »Stellschrauben«. Einzige Ausnahme: die »kleine Westtangente«, ein empfohlener Straßenneubau, der quasi die Biggestraße über den Dauerparkplatz, das ehemalige Bahnbetriebswerk und derzeit industriell genutzte Flächen hin zum Freizeitbad und dort auf die Landesstraße 512 führt. Von den 20000 Fahrzeugen, die heute täglich die Bruchstraße/Franziskanerstraße nutzen, würden 12000 auf diese Trasse abgezogen, die Innenstadt damit wesentlich entlastet, so Sylke Schwarz.

Der ebenfalls überplante Bau einer Südtangente sei im Vergleich dazu nicht geeignet, große Verkehrsmengen aus der Innenstadt fernzuhalten und insbesondere unter ökologischen Gesichtspunkten intensiv zu prüfen.

Grundsätzlich, so Schwarz, werde der motorisierte Individualverkehr deutlich zunehmen. Das Konzept »Horizont 2015« geht von einer um 11 Prozent gestiegenen Motorisierung aus, und das bei 7 Prozent Bevölkerungs- und 9 Prozent Beschäftigtenzuwachs. Der Verkehr in Olpe werde um 12 Prozent zunehmen, der Durchgangsverkehr sogar um 20 Prozent. Um die Menschen auf die umweltverträglichen Verkehrsmittel, also Fuß, Rad, Bus und Bahn umzusteuern, ist laut Schwarz viel Engagement nötig. Dieses sei aber unverzichtbar, um den Autoverkehr nicht überdimensional anwachsen zu lassen.

Gerade im Fuß- und Radwege-Bereich seien heute in Olpe zahlreiche Probleme und Konfliktpunkte zu erkennen, die beseitigt werden müssten, »damit die Menschen kurze Strecken zu Fuß gehen und nicht für einen Kilometer das Auto nutzen«. Besondere Mängel für Fußgänger seien im Bereich Franziskanerstraße/Bruchstraße und Bahnhofstraße/Martinstraße zu erkennen. Zumindest kritisch die Situation an Westfälischer Straße, Frankfurter Straße/Felmicke, Günsestraße, Kolpingstraße und Am Bratzkopf. Sylke Schwarz empfiehlt die Ausweitung von Tempo-30- und verkehrsberuhigten Zonen, letzteres namentlich um den Marktplatz herum bis hinab zur Sandstraße. Franziskaner-/Bruchstraße soll zwischen Realschule und dem geplanten Kreisel Erzbergerstraße/Trift fußgänger- und fahrradfreundlich umzubauen. Gleiches gilt für die Westfälische Straße zwischen Rochus- und Agathastraße.

Eigentlich stand gestern gar keine Diskussion auf der Tagesordnung; der VEP sollte lediglich zur Beratung in die Fraktionen verwiesen werden. Doch eine Vielzahl von Ausschussmitgliedern kommentierte den Plan bereits, und das überwiegend kritisch. Heinz Müller (SPD) zog bereits das Fazit, der Plan habe »nicht viel gebracht«. Udo Baubkus (UCW) fand: »Was hier vorgetragen wurde, kann jeder Olper draußen sehen.«–Fritz Klocke (Grüne) geht davon aus, dass falsche Bewertungsschwerpunkte gesetzt wurden. So sei im VEP unterbewertet, in welch großem Maße nach dem Anschluss der Autobahn 4 an die Hüttentalstraße Kaufkraft und damit Verkehr von Olpe nach Kreuztal, Weidenau und Siegen abgezogen würden. »Das wird für Olpe nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Katastrophe«, so Klocke.

Udo Horn (CDU) kritisierte, dass die politisch längst ins Abseits geschobene Südtangente wieder zur Sprache gebracht worden sei. Ausschussvorsitzender Paul-Werner Willmes (CDU) zog schließlich den Schlussstrich: »Wir wollen heute keine politische Diskussion beginnen, sondern erst mal in den Fraktionen darüber sprechen. Danach können Sie alles beantragen.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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