In Werthmann-Werkstätten geht es um mehr als der Lebensunterhalt
Die Arbeit sehr vermisst

Heike Esser (l.), Lisa Schröder und Achim Scheckel, Leiter der Abteilung Olpe, blicken zurück auf eine besondere Zeit
  • Heike Esser (l.), Lisa Schröder und Achim Scheckel, Leiter der Abteilung Olpe, blicken zurück auf eine besondere Zeit
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  • hochgeladen von Marc Thomas

sz Olpe/Welschen Ennest/Meggen/Attendorn. Auch wenn die Zahlen der Corona-Infizierten inzwischen wieder langsam steigen, stellt sich eine gewisse Normalität im Leben mit dem Virus ein. Zeit, zurückzublicken, zu verarbeiten und die Geschichten derer zu erzählen, die von der Gesellschaft in den Monaten des harten Lockdowns häufig vergessen wurden: die Menschen mit Behinderungen, die etwa 10 Prozent unserer Bevölkerung ausmachen.

Die Werthmann-Werkstätten des Caritasverbandes Olpe beschäftigen an ihren vier Standorten derzeit 660 Menschen mit Behinderung. Hier erhalten Menschen, die eine körperliche, geistige oder psychische Einschränkung haben, die Möglichkeit in den unterschiedlichsten Bereichen tätig zu werden. Als im März vergangenen Jahres das öffentliche Leben nach und nach zum Stillstand kam, waren auch sie plötzlich betroffen. Mitte März wurde ein Betretungsverbot angeordnet. Die Umsetzung musste unmittelbar passieren.

Lockdown hart getroffen

Lisa Schröder und Heike Esser, beide in der Elektromontage in der Abteilung Olpe beschäftigt, erzählen stellvertretend, wie hart es sie während des Lockdowns getroffen hat. „Ich war auf dem Weg in die Werkstatt, als mir eine Kollegin entgegenkam und sagte, dass ich umdrehen könnte. Wir haben zwar gewusst, dass die Schließung plötzlich kommen kann, aber ich wusste dennoch nicht so recht wohin mit mir,“ erzählt Heike Esser. Lisa Schröder ergänzt: „Aufgrund meiner Lungenerkrankung wurde mir bereits einige Zeit zuvor nahegelegt zuhause zu bleiben. Ich hatte Angst und an mir nagte die Ungewissheit, wie es weitergehen sollte. Ängstlich vor einer Ansteckung und ungewiss, ob ich morgen überhaupt meine Rechnungen noch bezahlen könnte. Zum Glück wurde unser Lohn weiterbezahlt, aber mir fehlte die persönliche Betreuung, da die Mitarbeitenden des Begleitenden Dienstes ja nicht zu mir nach Hause kommen durften. Es tat gut, dass wir durch die Werthmann-Werkstätten telefonisch eng betreut wurden.“

„Die medizinische Anbindung konnte auch nur noch telefonisch stattfinden, das war aber sehr schwierig, weil man meist nur mit unbekannten Menschen sprechen konnte. Dem vertraut man seine Sorgen ja nicht einfach so an“, beschreibt Lisa Schröder die Situation.

Sozialkontakte auf Telefon beschränkt

Beide Frauen leben alleine und mussten ihre Sozialkontakte auf das Telefon beschränken. Heike Esser erzählt: „Meine fünf Geschwister haben mich häufig angerufen und ich habe zu Beginn auch Zeit mit meiner schwer kranken Mutter verbracht, die dann leider bald verstorben ist. So bin ich dann viel spazieren gegangen und habe täglich ihr Grab besucht.“

"Menschen mit Behinderung spielten
in der Pandemie nur eine Nebenrolle."

Achim Scheckel
Abteilungsleiter

Lisa Schröder freute sich, als sie Heimarbeit machen konnte. „Es kam jemand von den Werkstätten und brachte mir die zu montierenden Teile bis zur Haustür. Eine Tagesaufgabe und jemand zum Reden. Der kurze Plausch beim Bringen und Abholen war für mich ein Lichtblick am Tag.“ Abteilungsleiter Achim Scheckel: „Menschen mit Behinderung spielten in der Pandemie nur eine Nebenrolle. Es wurde über so viele Branchen in den Medien berichtet, die mit Existenzängsten zu kämpfen haben, über Menschen im Homeoffice, über Schüler und Vereine, aber über Menschen mit Behinderung hat man nur sehr selten etwas gehört.“

Betretungsverbot aufgehoben

Im Sommer wurde die Stimmung besser, das Betretungsverbot wurde aufgehoben, Sozialkontakte nahmen zu. Bis zum Herbst. Die Zahlen stiegen an, die Angst wuchs erneut. Lisa Schröder: „Ich habe die Nachrichten mit Sorge gehört. Ich hatte Panik vor einem zweiten Lockdown und der erneuten Isolation. Zum Glück konnten diesmal die Werkstätten die Türen für uns geöffnet halten. Und da ich nun wusste, wie hervorragend hier auf Hygiene, Abstand, Maske tragen geachtet wurde, habe ich mich trotz meiner Lungenkrankheit getraut, weiter arbeiten zu gehen.“

Mittlerweile sind beide Frauen geimpft, und auch die begleitenden Angebote finden in den Werkstätten wieder statt. „Endlich wieder Theater spielen, Ausflüge machen und kleine Feiern veranstalten. Wir freuen uns alle so sehr darüber!“ Sie hoffen, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen, damit das auch so bleiben kann, denn solch eine dunkle Zeit wollen sie nicht mehr erleben, auch wenn sie sogar ein positives Fazit ziehen können: „Wir sind gestärkt daraus hervorgegangen, denn wir sind besser zurechtgekommen, als wir geglaubt hätten. Dennoch wissen wir die Arbeit der Werkstätten mehr denn je zu schätzen, denn ohne sie geht es für uns nicht.“

Autor:

Redaktion Olpe aus Stadt Olpe

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