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Ulla Staude besitzt über 7000 Tüten
Die Welt liegt ihr zu Füßen

Ulla Staude inmitten einer kleinen Auswahl ihrer über 7000 Tüten.
  • Ulla Staude inmitten einer kleinen Auswahl ihrer über 7000 Tüten.
  • Foto: Yvonne Clemens
  • hochgeladen von Marc Thomas

yve Olpe. Kunterbunte Stapel liegen auf dem beigen Teppich. Sie zeugen von einer außergewöhnlichen Leidenschaft, die Ulla Staude seit über 30 Jahren nicht mehr loslässt. Die Olperin sammelt Tüten, nicht alltägliche oder historische, sondern touristische Tragetaschen aus aller Welt.

Aus dem mitunter grell leuchtenden Berg zieht die 75-Jährige plötzlich ein ganz schlichtes Exemplar heraus. „Die ist aus Japan“, sagt Ulla Staude. „Ich mag die Japaner, sie sind nett und so zurückhaltend.“ Das spiegele sich auf ihren Tüten wider. Von neuem studiert sie den Stapel, holt Sammelstücke aus Tahiti, Brasilien, Kenia, Tansania, Jamaika und Sierra Leone hervor. Eine gewaltige Farbfülle scheint sich aneinanderzureihen – Strände, wilde Tiere, Blumen, Früchte und kulturelle Gepflogenheiten – Exotik pur!

yve Olpe. Kunterbunte Stapel liegen auf dem beigen Teppich. Sie zeugen von einer außergewöhnlichen Leidenschaft, die Ulla Staude seit über 30 Jahren nicht mehr loslässt. Die Olperin sammelt Tüten, nicht alltägliche oder historische, sondern touristische Tragetaschen aus aller Welt.

Aus dem mitunter grell leuchtenden Berg zieht die 75-Jährige plötzlich ein ganz schlichtes Exemplar heraus. „Die ist aus Japan“, sagt Ulla Staude. „Ich mag die Japaner, sie sind nett und so zurückhaltend.“ Das spiegele sich auf ihren Tüten wider. Von neuem studiert sie den Stapel, holt Sammelstücke aus Tahiti, Brasilien, Kenia, Tansania, Jamaika und Sierra Leone hervor. Eine gewaltige Farbfülle scheint sich aneinanderzureihen – Strände, wilde Tiere, Blumen, Früchte und kulturelle Gepflogenheiten – Exotik pur! Das bemerke sie immer wieder, erzählt Ulla Staude. „In den ärmsten Länder werden die speziellsten Tüten hergestellt.“

„Und hiermit könnte ich in die Stadt zum Einkaufen gehen.“ An ihrem Arm hängt eine durchsichtige Plastikvariante, geräumig und mit integrierten Fächern für Postkarten. Ein Hingucker. Wie auch ein Exemplar aus einem Nachbarland mit Männerbeinen in Lederhosen und hohen grünen Socken – „das ist die Schweiz mit ihrem Eigensinn“.

Viele Tüten hätten die Türken, fast jede Stadt präsentiere sich auf einer anderen. „Jetzt sind wir beim Herrn Trump“, deutet Ulla Staude auf den Aufdruck des Weißen Hauses, davor ein Blumenmeer. Die Tasche aus den USA nennt sie schon eine gefühlte Ewigkeit ihr Eigen. Jetzt habe sie einen ganz aktuellen Bezug. „Kann man so etwas wegwerfen? Nein, ich nicht!“

Weit über 7000 Exemplare gesammelt

Weit über 7000 Exemplare hat die 75-Jährige in drei Jahrzehnten gesammelt. „Das ist verrückt, aber genau das passt zu mir.“ Es war im Jahr 1980, „da fing der Albtraum an“, ironisiert sie und lacht. Damit meint sie nicht den Beginn ihrer beruflichen Laufbahn beim Kreis Olpe, die sie im Bereich Tourismus zu diesem Zeitpunkt aufnahm. „Ich war 35 Jahre alt, da wurde ich mit Messen konfrontiert“, schmunzelt die Olperin. Sie war oft in Hamburg, Belgien oder Holland, „doch die Hauptmesse für mich ist und bleibt die ITB in Berlin“. An einem riesigen Stand des Landes NRW, wo Städte und Regionen für sich werben, habe sie Jahr für Jahr den Kreis Olpe als Touristikerin vertreten.

Auch ihr Ruhestand habe sie nicht davon abgehalten, zur Internationalen Tourismus-Börse (ITB) zu reisen. „Dort liegt mir die Welt zu Füßen, dann kann ich rennen, als wäre ich 20 Jahre jünger. In diesen Momenten bin ich der glücklichste Mensch von Olpe.“ Die vielen Schritte durch die Messehallen kann Ulla Staude nicht zählen, dabei sucht ihr Blick unentwegt die Stände nach Tüten ab, auf denen Länder um Besucher buhlen. So füllen sich auch heute noch die Kartons im Keller von Ulla Staude. Unangetastet bleiben diese nicht. Die 75-Jährige hat in der Vergangenheit ausgestellt, zuletzt 2012 in Attendorn.
Sie könne sich gut vorstellen, einen Teil ihrer Sammlung noch einmal der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Pflege ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter habe jedoch Priorität gehabt. „Beim Reisen war meine Mutter mein Co-Pilot“, erinnert sich Ulla Staude. „Wenn es auch nur ins Negertal ging.“ Die Welt zu erkunden, sei eine gewisse Hauskrankheit. „Das hat meine jüngste Tochter geerbt.“ Die Ferne sei einfach zu schön, um nur zuhause zu bleiben. Für Potsdam hätte Ulla Staude auf jeden Fall die perfekte Tasche, eine mit Straßenkarte der Stadt auf den Innenseiten.

Lieblingstüte aus der Kölner Galerie

Doch welche Tüte würde die Sammlerin auf gar keinen Fall abgeben? Seltsamerweise eine, die mit Tourismus wenig gemein hat. Sie ist ein Kunstwerk von Thitz, der internationales Renommee durch seine Tütenprojekte erlangte. Augenscheinlich ist es eine gewöhnliche schwarze Papiertasche eines Modelabels, die bei der Olperin neben dem Sofa im Wohnzimmer steht. Als Ulla Staude einen Lichtschalter drückt, leuchtet eine poppige Großstadt mit Figuren jeglicher Couleur durch das Papier, das der Künstler von innen bemalt hat. Das Objekt sei ein Geschenk von zwei befreundeten Frauen, erworben in der Kölner Galerie von Dagmar Peveling.

Thitz ist eine weitere Leidenschaft von Ulla Staude. „Er trägt immer einen roten und einen gelben Schuh, er ist genauso verrückt wie ich.“ Nicht verwunderlich, dass ihm die 75-Jährige schon Taschen zum Bemalen gegeben hat.

Wer weiß, in welcher Galerie von Ruf die zum Thitz-Werk gewandelten Tüten aus den Kartons in den Künstlerhimmel aufsteigen werden.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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