Dissens zwischen Jagd und Forstamt

Jäger fordern Senkung der Abschussquote bei Rehen

Rhode. »Man hört ja heutzutage oft, dass man die Jäger gar nicht braucht. Gefragt werden wir sowieso nicht«, ergriff gestern Abend der stellv. Vorsitzende der Kreisjägerschaft »Kurköln«, Klaus Hütte aus Sondern, bei der Jahreshauptversammlung in der Rhoder Schützenhalle unter dem Tagesordnungspunkt »Verschiedenes« das Wort. Was dabei herauskomme, wenn man nicht mehr auf die Jäger höre, zeige ein beinahe tragisch verlaufenes Ereignis. Noch vor wenigen Jahren seien die Köder für die Schluckimpfung gegen Tollwut bei Füchsen von Jägern per Hand verteilt worden. Nun werde der Hubschrauber dazu eingesetzt. Seine Tochter habe im Sandkasten der Familienferienstätte in Sondern entsprechende Köder gefunden und aufgedrückt, wodurch sie Hautkontakt zu den lebenden Viren bekommen hätte. Die Folge seien fünf schmerzhafte Impfungen gewesen. Hütte appellierte damit an die Verantwortlichen, zur gezielten Köderverteilung per Hand zurückzukehren. Traditionell hatte die Jahreshauptversammlung der Kreisjägerschaft »Kurköln« begonnen: Die Jagdhornbläser aus dem Hegering Wenden bliesen zum Auftakt die Signale »Jagd vorbei«–und »Halali« zum Gedenken an die 14 im vergangenen Geschäftsjahr verstorbenen Jäger. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Dr. Alfred Holthoff, wies darauf hin, dass derzeit eine landesweite Zählung des Hasenbestands laufe. Damit solle der Aufnahme dieses Tiers auf der »Roten Liste« entgegengewirkt werden. Der Hase sei in seinem Bestand nicht gefährdet, die Aufnahme in die Liste gefährdeter Arten aufgrund der niedrigen Strecke (Zahl der von Jägern geschossenen Tiere) erfolgt. Holthoff: »Die Schonung des Hasen durch den Jäger ist uns damit ganz schön auf die Butterseite gefallen.«–Die Zählung lebender Tiere solle nun den Gegenbeweis erbringen. Beim Reh hingegen sei im Kreis Olpe ein Substanzverlust zu spüren. Seien 1990/91 noch 92 Prozent des Plansolls von 3000 Tieren abgeschossen worden, hätten im abgelaufenen Jahr nur noch 78 Prozent geschossen werden können. Diesbezüglich habe ein Gespräch zwischen den Forstämtern und der Kreisjägerschaft stattgefunden. Nach Meinung der Jäger, so Dr. Holthoff, lägen die Sollzahlen zu hoch. Er ergänzte, zwar sei das Gespräch in einer guten Atmosphäre verlaufen und es seien viele Übereinstimmungen festgestellt worden, aber andererseits habe es auch einigen Dissens gegeben. Beispielsweise, so Holthoff, habe vor allem das Forstamt Olpe argumentiert, der Rückgang des Rehwild-Abschusses könne darauf zurückzuführen sein, dass durch die naturnahe Waldbewirtschaftung neue Rückzugsmöglichkeiten entstanden seien, die Rehe dem Jäger daher entkommen könnten. Die Jäger quittierten diese Theorie mit Gelächter. Auch Holthoff machte deutlich, dass er diesem Punkt nicht zustimmen könne: So etwas gebe es in anderen Gegenden, aber nicht hier: »Was man im Kreis Olpe erlegen möchte, das ist auch realisierbar.« Die Zahl der Abschüsse beim Rehwild war auch im vergangenen Jahr rückläufig. Wurden im Vorjahr 2846 Tiere erlegt (davon 600 Fallwild), waren es im Jagdjahr 2000/2001 noch 2731 (Fallwild: 578). Abgenommen hat auch die Zahl der erlegten Wildschweine. Von 649 ging die Zahl auf 486 zurück. Fast verdoppelt hat sich hingegen die Zahl der Rotwild-Abschüsse (Hirsche), wobei die Zahl von 13 gegenüber sieben im Vorjahr eigentlich zu klein für statistische Vergleiche ist. Fünf Stücke Damwild wurden gezählt, davon zwei als Opfer des Straßenverkehrs. Drei Mufflons wurden ebenfalls geschossen, eines mehr als im Vorjahr. Rückläufig die Zahl der Feldhasen (543 gegenüber 649), der Wildkaninchen (302 gegenüber 496) und der Füchse (1641 gegenüber 1826). Zwei Waschbären wurden erlegt, 55 Dachse (davon 31 als Fallwild), 1930 Ringeltauben (Vorjahr: 1915) und ein Bläßhuhn. Kreisjagdbeauftragter Peter Brüggemann appellierte an die Jägerinnen und Jäger, den Abschuss von Rabenkrähen (821), Elstern (403) und Eichelhähern (532) zu erhöhen: Diese griffen übermäßig in die Singvögelbestände ein, die gegenüber dem Vorjahr rückläufigen Zahlen sollten dringend erhöht werden. Rückläufig ist auch die Zahl der wildernden Katzen, die von Jägern in ihren Revieren erschossen wurden: 235 gegenüber 276 Tieren im Vorjahr. Einstimmig erfolgte der Beschluss, eine Satzungsänderung vorzunehmen. Sie ist nötig, damit der Dachverband der Kreisjägerschaften, der Landesjagdverband, die staatliche Anerkennung als Naturschutzverband erhält. Bisher sind nur der Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Landesarbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (LNU) nach dem entsprechenden Paragraphen 29 anerkannt.win

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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