Dorf mit Vergangenheit und Zukunft

Erste Erwähnung vor 600 Jahren / Mühlenstreit und Bergbau / Apfelbaum gepflanzt

mari Neuenkleusheim. »Hannes van Closme verhardes son schenkt im Jahre 1406 im Einverständnis mit seiner eliken husfrouwen Cristine, seinen Kindern und allen rechtmäßigen Erben der hilgen kerken tho olepe einen Garten vor der nedersten porten op der wegheschede dar man tho günsen nar geht.« Dieser Text der Schenkungsurkunde vom 29. August 1406 ist die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Neuenkleusheim. Am Wochenende feierten die Bewohner im Rahmen eines Dorffestes das 600-jährige offizielle Bestehen ihres Ortes. Doch eigentlich ist der Ort viel älter. »Etwa 600 Jahre vor dieser Schenkung siedelten zwischen 800 und 900 die ersten Kleusheimer und auch Rehringhauser in unsere Täler, wohl in der Zeit, als die Kämpfe zwischen den Sachsen und Karls Franken gerade zu Ende gegangen sind. Die Sage lässt den Kaiser selbst auf einer Eberjagd am Engelsberg in Todesnot geraten«, wusste Ortsvorsteher Hans-Jürgen Dienstuhl am Samstag nach der Kranzniederlegung zu berichten.

Dank eines Bildbandes von Hildegard Brüggemann (die SZ berichtete) können nun alle geschichtlich Interessierten in der Vergangenheit Neuenkleusheims stöbern. So ist zu lesen, dass Papst Clemens XI. nach mehr als einem Jahrzehnt dauernden Widerstand von Olpe im Jahr 1715 die Kapelle und spätere Vikarie Neuenkleusheim zur Pfarrkiche St. Georgius und Neuenkleusheim zur selbständigen Pfarrei erhob. Fast genau 300 Jahre später, im Jahr 2001, wurde die Pfarrei, die ihre Selbstständigkeit behielt, dem Pastoralverbund Olpebach-Täler angegliedert. »1468 war ein wichtiges Datum in der Entwicklung« weiß die Seniorin, die bereits viele Beiträge über ihr Dorf in den »Heimatstimmen« und in den Jahrbüchern der Stadt Olpe veröffentlicht hat. »Seinerzeit wurden Funde entdeckt, die belegen, dass hier Erzverhüttung stattgefunden hat.«

Vom Bergbau in den Gruben Elpertshagen und St. Georgius sei auch die Dorfentwicklung stark abhängig gewesen. Noch heute belegen die Plätze am Ortseingang, »Auf’m Hüttenplatz« und »Auf der Iserhütte«, die montane Vergangenheit des Orts. Aber auch von der Waldwirtschaft hätten die Menschen früher gelebt.

Der Mühlenstreit zwischen Olpe und Neuenkleusheim (1791 bis 1806) ist im Bildband mit dem Titel »Als Neuenkleusheim noch ein Dorf war« ebenfalls dokumentiert. 1806 mahlte die 1790 gebaute Mühle am Ortseingang zum ersten Mal. 1970 ersteigerte die Stadt Olpe nach der Stilllegung das einstige Streitobjekt und ließ es abreißen – späte Rache? Daneben hat die Autorin auch das Dorfleben im Alltag und das Schulleben beleuchtet. Interessant ist ein Wanderbuch, das ein Lehrer im Jahr 1930 in der örtlichen Volksschule einführte. »Unser Dorf ist ein echtes Dorf geblieben, auch wenn vieles anders geworden ist. Aber die Kirche steht noch im Dorf und wir sind eine wirkliche Gemeinschaft. Die Vereine und Institutionen geben Zeugnis davon«, hob Hans-Jürgen Dienstuhl hervor und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass trotz des Wandels und der Veränderungen der Gemeinschaftssinn der zur Zeit 600 Einwohner erhalten bleibe.

»Es ist unglaublich, dass es früher Auseinandersetzungen zwischen Neuenkleusheim und Olpe gegeben hat«, meinte Olpes Bürgermeister Horst Müller kopfschüttelnd und scherzte: »Vielleicht haben die Olper als Rache deshalb die Stutenmänner Klosmänner getauft.« Um eine neue Epoche einzuläuten, pflanzte er gemeinsam mit Ortsvorsteher Dienstuhl einen Apfelbaum. Bäckermeister Reinhard Hesse überreichte eine Torte mit dem historischen Titelfoto des Jubiläums-Bildbandes. Mit Darbietungen ging es beim Dorffest weiter. Die Kindergartenkinder präsentierten einen Tanz in historischen Kostümen. Eine andere Gruppe führte das Märchen »Aschenputtel« einmal ganz anders vor. Während sich die kleinen Gäste bei einem bunten Programm vergnügten, konnten die Erwachsenen bei Kaffee und Kuchen aus alten Zeiten erzählen, eine Planwagenfahrt durch den Ort unternehmen, den Kirchturm besteigen, die denkmalgeschützten Häuser sowie die Ausstellung früherer Gebrauchsgegenstände besichtigen und sich über die Vereinsaktivitäten erkundigen.

Am Abend wurde der örtliche Musikverein von der Bluesband »Strange Crew« abgelöst, damit die Musikerinnen und Musiker mitfeiern konnten. Am Sonntagmorgen startete eine Prozession zur Beismicke-Kapelle, die ebenfalls »Geburtstag« feierte. Das Gotteshäuschen mitten im Walde wurde vor 60 Jahren errichtet. Nach einer plattdeutschen Messe, die durch die Bläsergruppe des Hegerings mitgestaltet wurde, spielte der Musikverein am Dorfplatz zum Frühschoppenkonzert auf. Wie am Vortrag gab es für Jung und Alt ein unterhaltsames Programm, so zum Beispiel ein Diavortrag über das Dorf und seine Geschichte von Konrad Stettner.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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