Drei neue Rettungswachen

Neuordnung im Rettungsdienst: Bald nur noch eine Leitstelle für ganz Südwestfalen?

win Olpe. Viel Geld wird der Kreis Olpe investieren müssen, um den Rettungsdienst auf den neuesten Stand zu bringen. Vor allem ist dafür der neue »Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst«–(TvöD) ursächlich, der seit kurzem den Bundesangestelltentarif (BAT) ersetzt. Denn neben dem für den Kreis eigentlich positiven Effekt niedrigerer Entgelte hat der TvöD eine äußerst kostenträchtige »Fußangel«: War es nach BAT zulässig, den Rettungsdienst des Kreises Olpe in einer 54-Stunden-Woche zu organisieren, geht dies nach TvöD nicht mehr. In der Regel leisten die Mitarbeiter in drei Wochen sieben Schichten von je 24 Stunden ab und haben nach jeder 24-Stunden-Schicht 48 Stunden frei. Dies führte dazu, dass im Rettungsdienst 50 Vollzeitstellen (45 Hauptamtliche, fünf Praktikanten im Anerkennungsjahr) ausreichten. Im TvöD darf die Summe aus Vollarbeits- und Bereitschaftszeiten durchschnittlich 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Gleichzeitig wird die tägliche Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden festgesetzt. Ausnahmeregelungen, wie im Krankenhausbereich, durch freiwillige Vereinbarungen sind im Rettungsdienst nicht möglich, so dass der Kreis Olpe ein komplett neues Schichtsystem einführen muss. Dies wird dazu führen, dass zum 1. Januar der Personalbestand um fünf Stellen angehoben werden muss.

Ein zur Überprüfung des gesamten Rettungsdienstwesens im Kreis Olpe bestellter Gutachter hat zudem festgestellt, dass die so genannte Hilfsfrist – die Zeit vom Alarm bis zum Eintreffen des Notarzt- oder Rettungswagens am Einsatzort – zwar planerisch im gesamten Kreisgebiet erreicht wird. Diese Hilfsfrist beträgt zwölf Minuten: Je eine Minute Dispositions- und Ausrückezeit sowie zehn Minuten Fahrzeit. Die tatsächliche Hilfsfrist ist aber laut Gutachter nur bei knapp 78 Prozent aller Fälle eingehalten worden. Hauptursache für diese deutliche Unterschreitung des Zielwerts ist laut Gutachter vor allem der Standort der Rettungswachen. Anhand eines computergestützten Simulationsmodells, ergänzt durch Probefahrten mit Blaulicht und Martinshorn, wurde der Gutachter darin bestätigt, dass besonders in den Randbereichen des Kreises nicht alle Siedlungsgebiete innerhalb der Hilfsfrist erreichbar sind. Die Rettungswache Attendorn liegt gut, nicht aber die Wachen in Olpe, Finnentrop und Lennestadt. Zu den unterversorgten Gebieten gehört laut Beschlussvorlage der nächsten Kreisausschusssitzung das gesamte südliche Gemeindegebiet von Wenden, das Frettertal, Oberhundem, Heinsberg, das Rahrbachtal, Husten und Iseringhausen.

Der Gutachter schlägt daher vor, die Rettungswache Finnentrop vom derzeitigen Standort Nähe Bahnhof an die Ortsrandlage Richtung Kreisel Weringhausen zu verlagern. Die Wache Lennestadt soll vom Krankenhaus an den Ortseingang von Kirchhundem aus Richtung Lennestadt verlegt werden. Die Rettungswache Olpe, im bald aufgegebenen Feuerwehrhaus untergebracht, soll an den Ortsausgang Bruchstraße im Bereich Einmündung Stubicke verlegt werden. Von diesen Standorten, so der Gutachter, sei das gesamte Kreisgebiet innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist zu erreichen. Ergänzend seien Vereinbarungen mit benachbarten Rettungswachen in Bergneustadt, Meinerzhagen, Plettenberg und Eslohe abzuschließen. Bereits heute fährt der Rettungswagen aus Erndtebrück nach Rüspe, der Freudenberger RTW nach Hünsborn, Römershagen, Dörnscheid und Löffelberg.

Dritte grundlegende Änderung im Rettungswesen: Um auch bei mehreren gleichzeitigen Alarmierungen die Hilfsfristen einhalten zu können, müssen zwei zusätzliche Rettungstransportwagen angeschafft werden. Im Gegenzug kann laut Gutachter aber die Zahl der Krankentransportwagen um zwei reduziert werden. Die Fahrzeugzahl insgesamt bleibt also gleich, nicht aber der Personalbedarf. Statt 45 werden künftig 60 hauptamtliche Kräfte benötigt. Der Gutachter schlägt verschiedene Modelle vor, die jährliche Personal-Mehrkosten zwischen 400- und 600000e ausmachen. Mittelfristig werde diese Summe aber sinken, da die Bestands-Mitarbeiter nach dem (höheren) BAT bezahlt werden, neue Kräfte den TvöD bekommen. Jeder Personalwechsel »BAT gegen TvöD«–wird also für Einsparungen beim Kreis sorgen.

Die Kreisausschussmitglieder haben in ihrer Sitzung am Montag, 20. November, noch einen Tagesordnungspunkt zu beraten, der sich mit dem Rettungsdienst befasst: die Umsetzung der neuen »Arbeitszeitverordnung für Beamte des feuerwehrtechnischen Dienstes«. Um diese umzusetzen, muss vermutlich der Personalbestand der Rettungsleitstelle von derzeit 9,3 Stellen um drei Stellen aufgestockt werden.

Wozu diese Mehrkosten führen könnten, ist der Beschlussvorlage zu entnehmen: Angesichts der Tatsache, dass alle südwestfälischen Kreise (OE, HSK, MK, SI und SO) zusammen 90 Stellen in den Leitstellen vorhalten, die zusammen 160000 Fälle im Jahr bearbeiten, in Köln eine einzige Leitstelle aber 500000 Einsätze pro Jahr abwickle, sei »vordringlich der Frage nachzugehen«, ob aus wirtschaftlichen Gründen nicht eine interkommunale Zusammenarbeit möglich ist. »Bei positiver Resonanz ist ein diesbezügliches Konzept zu erarbeiten und dem Kreistag zur Beschlussfassung vorzulegen«, so die Kreisverwaltung in ihrer Beschlussvorlage.

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