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Gericht: Angeklagter weist Schuld von sich
Durch Attendorn gerast und Kreisel falsch befahren

Ein Autofahrer raste mit weit überhöhter Geschwindigkeit unter anderem verkehrt herum durch Kreisverkehr. Vor Gericht steht nun Aussage gegen Aussage.
  • Ein Autofahrer raste mit weit überhöhter Geschwindigkeit unter anderem verkehrt herum durch Kreisverkehr. Vor Gericht steht nun Aussage gegen Aussage.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

win Olpe/Attendorn. Nur durch Zufall kam es am 3. März zu keinem folgenschweren Unfall, als ein Verkehrsteilnehmer sich in Attendorn in unverantwortlicher Weise vor einer Kontrolle durch die Polizei entzog. Das eigentliche Geschehen ist unstrittig und zum Teil auf der Bordkamera des Polizeiwagens festgehalten: Ein Streifenwagen hatte gegenüber der Aral-Tankstelle am Ende des Waldenburger Wegs gestanden, vorwiegend, um Autos zu kontrollieren, die von der Burg Schnellenberg herab- bzw. zu ihr herauffuhren. Ein weißer BMW, so die beiden als Zeugen geladenen Polizisten, sei vom Waldenburger Weg herabgekommen.

win Olpe/Attendorn. Nur durch Zufall kam es am 3. März zu keinem folgenschweren Unfall, als ein Verkehrsteilnehmer sich in Attendorn in unverantwortlicher Weise vor einer Kontrolle durch die Polizei entzog. Das eigentliche Geschehen ist unstrittig und zum Teil auf der Bordkamera des Polizeiwagens festgehalten: Ein Streifenwagen hatte gegenüber der Aral-Tankstelle am Ende des Waldenburger Wegs gestanden, vorwiegend, um Autos zu kontrollieren, die von der Burg Schnellenberg herab- bzw. zu ihr herauffuhren. Ein weißer BMW, so die beiden als Zeugen geladenen Polizisten, sei vom Waldenburger Weg herabgekommen.

BMW doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt

Als er neben dem Streifenwagen stoppte, um dann nach links in Richtung Stadtmitte abzubiegen, habe der als Beifahrer mitfahrende Beamte den BMW-Fahrer erkannt: Es sei ein Verkehrsteilnehmer gewesen, der schon mehrfach ohne Führerschein gefahren sei. Der Streifenwagen fuhr an, um dem Wagen zu folgen, und der BMW sei nahezu sofort auf hohes Tempo beschleunigt worden. Die Polizisten nahmen die Verfolgung auf: Der BMW sei auf der Umgehungsstraße mehr als doppelt so schnell wie das hier erlaubte Tempo 70 unterwegs gewesen. An einer Ampelkreuzung sei der Fahrer bei rot durchgefahren, zwei vorfahrtberechtigte Autos seien nur um Zentimeter einer Kollision entgangen. Mehrfach habe der Fahrer rücksichtslos überholt, gipfelnd im Befahren eines Kreisverkehrs gegen die Fahrtrichtung, verbunden mit der Vorbeifahrt an einem notgebremsten Holztransporter auf der Innenseite des Kreisverkehrs. Im weiteren Verlauf der Flucht schüttelte der BMW-Fahrer die Polizisten ab.

Angeklagter weist Schuld von sich

Auf der Anklagebank des Olper Amtsgerichts saß am Montag ein 28-jähriger Meinerzhagener: der Mann, den der Beamte sicher als Fahrer des BMW erkannt haben will. Indes erklärte der junge Mann, es habe sich weder um ihn noch um seinen weißen BMW gehandelt. Der Wagen stehe seit Anfang 2019 abgemeldet in der Garage, weil er Ende 2018 wegen eines anderen Gerichtsverfahrens, in dem es um illegale Betäubungsmittel ging, freiwillig seinen Führerschein abgegeben habe, „um in dem Verfahren bessere Karten zu haben“.

Auto in der Garage

Ein Alibi hatte der Mann nicht, er räumte ganz im Gegenteil sogar ein, dass er aufgrund seiner Tagesschicht zur entsprechenden Uhrzeit vor Ort hätte sein können. Doch sei sein Auto in einer engen Garage regelrecht eingekeilt und nicht „mal eben“ herauszufahren. Sein Verteidiger ergänzte, er habe den Wagen in Augenschein genommen, die Nummernschilder fehlten, und der Auspuff weise ein extrem großes Loch auf, sodass jede Fahrt mit schier unfassbarem Lärm verbunden sein müsste.

Kennzeichen falsch im Protokoll

Die Polizisten erklärten beide, das auffällige Kennzeichen am davonrasenden Fahrzeug direkt zu Beginn der Verfolgungsfahrt erkannt zu haben. Es lautete MK, dann folgten die Initialen des Angeklagten und die Zahl 2100. Der Verteidiger wunderte sich: Zweimal tauche stattdessen die Zahl 1200 in der Anklageschrift auf. Der Polizist erklärte, dies im Funkverkehr einmal versehentlich gesagt, sich dann aber gleich korrigiert zu haben. So habe sich diese Zahl wohl ins Protokoll geschlichen.
Der Angeklagte blieb dabei, er habe nicht am Steuer gesessen. Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum blieb angesichts der Beweislage nichts anderes übrig, als eine Unterbrechung zu beantragen.

Kennzeichen anderweitig vergeben?

Weiter geht es am 2. November, bis dahin sollen zwei Informationen eingeholt werden, die die Verteidigung angemahnt hatte: zum einen, ob an besagtem 3. März das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr reservierte ehemalige Kennzeichen des Autos des Angeklagten nicht vielleicht längst ganz korrekt für ein anderes Auto ausgegeben worden sei, zum anderen sollen Meinerzhagener Polizisten befragt werden, die nach dem Abbruch der Verfolgung zur Wohnanschrift des Angeklagten geschickt worden waren. Der Verteidiger erklärte, er könne kaum glauben, dass diese laut den vorliegenden Protokollen lediglich einige Zeit vor dem Haus gewartet haben sollen, dass der Angeklagte dort vorfuhr. „Die müssen doch geklingelt und nach dem Auto gesehen haben“, schüttelte Rechtsanwalt Thomas Knauf fassungslos den Kopf. Vorsitzende Richterin Nicole Höhmann sah das ähnlich, und so einigten sich die Verfahrensbeteiligten, diese Fragen zunächst zu klären, bevor es weitergeht.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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