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Bundesverdienstkreuz verliehen
Ehre für Olperin Gretel Kemper

Landrat Frank Beckehoff überreichte gestern das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Gretel Kemper. Auch Ordensanreger Dr. Gerd Reichenbach und Bürgermeister Peter Weber (v. l.) würdigten das besondere Wirken von Gretel Kemper in ihren Laudationen.  Foto: yve
  • Landrat Frank Beckehoff überreichte gestern das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Gretel Kemper. Auch Ordensanreger Dr. Gerd Reichenbach und Bürgermeister Peter Weber (v. l.) würdigten das besondere Wirken von Gretel Kemper in ihren Laudationen. Foto: yve
  • hochgeladen von Yvonne Clemens (Redakteurin)

sz/yve Olpe. Ehrungen – das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren liebenswürdigen Tag hat. So habe es einmal Konrad Adenauer formuliert. „Heute ist so ein liebenswürdiger Tag “, sagte gestern der Bürgermeister von Olpe, Peter Weber, in einem hoch feierlichen Akt. In einer Feierstunde im Kreishaus Olpe händigte Landrat Frank Beckehoff Gretel Kemper das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus – verliehen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Dabei würdigte Beckehoff die Verdienste der 81-Jährigen, die sich durch ihr jahrzehntelanges Engagement um die Heimatforschung und -geschichte der Stadt und des Kreises Olpe auszeichnungswürdige Verdienste erworben hat.

Große Bedeutung haben ihre Bücher und Artikel über Olpe und die Dörfer ringsum.

sz/yve Olpe. Ehrungen – das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren liebenswürdigen Tag hat. So habe es einmal Konrad Adenauer formuliert. „Heute ist so ein liebenswürdiger Tag “, sagte gestern der Bürgermeister von Olpe, Peter Weber, in einem hoch feierlichen Akt. In einer Feierstunde im Kreishaus Olpe händigte Landrat Frank Beckehoff Gretel Kemper das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus – verliehen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Dabei würdigte Beckehoff die Verdienste der 81-Jährigen, die sich durch ihr jahrzehntelanges Engagement um die Heimatforschung und -geschichte der Stadt und des Kreises Olpe auszeichnungswürdige Verdienste erworben hat.

Große Bedeutung haben ihre Bücher und Artikel über Olpe und die Dörfer ringsum. 1987 erschien ihr Buch „Olpe – ein Heimatbuch“, das 2000 in der dritten, aktualisierten Auflage erschien. Mit dieser vielbeachteten Publikation hat die gebürtige Bremerin allen heimischen und zugezogenen Bewohnern Olpe ein Stück nähergebracht.

„Spurensuche“, ein weiteres Buch, das überregionale Bedeutung erlangte, befasst sich mit der Aufarbeitung der Geschichte jüdischen Lebens im Kreis Olpe. Nach jahrelangen intensiven Recherchen in Archiven und zahllosen Interviews mit Zeitzeugen, unter anderem auch mit zwei jüdischen Familien, die sie im Exil in den USA und Südafrika aufsuchte, gelang Gretel Kemper ein beeindruckendes Werk, das nicht nur das den jüdischen Mitbürgern zugefügte Leid dem Vergessen entreißt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung darstellt. „Das Buch war das erste Werk, das der Kreis Olpe in seiner Reihe ,Jüdisches Leben in Olpe’ herausgab“, so der Landrat.

Daneben veröffentlichte Gretel Kemper eine Reihe von Artikeln, die sich mit dem Brauchtum und mit den kulturellen Schätzen der Region beschäftigen. Mit ihrem kulturhistorischen Sachverstand vermag die Autorin, die Kunstgeschichte studierte, ihren Lesern Brauchtum und Geschichte der Heimat nahezubringen und für zukünftige Generationen zu bewahren.

Darüber hinaus zeichnet sich Gretel Kemper, die Mutter von drei Kindern ist, durch ein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement im sozialen und kulturellen Leben der Stadt Olpe aus.

Von 1977 bis 1993 war sie im Pfarrgemeinderat der St.-Martinus-Kirchengemeinde in Olpe tätig und gehörte jahrelang dem Vorstand dieses Gremiums an. Bereits 1972 hat sie den jährlichen „Jahresrückblick“ als Schriftleiterin gegründet. Seit 1980 ist Gretel Kemper Mitglied im Beirat des Heimatvereins Olpe. Als sachkundige Bürgerin gehörte sie dem Schulausschuss nahezu 25 Jahre an und war für weitere 14 Jahre mit beratender Stimme im Ausschuss Umwelt, Planen, Bauen des Olper Stadtrats aktiv.

Gretel Kemper etablierte in den 1960er-Jahren, in Zeiten verschärften Personalmangels im örtlichen Krankenhaus, einen freiwilligen Dienst von jungen Frauen und Männern im Olper St.-Martinus-Hospital, um das Pflegepersonal an Sonntagen zu entlasten und den jungen Menschen eine Möglichkeit aufzuzeigen, sich sinnvoll zu engagieren. Als Dankeschön gab es für die „Sonntagshelfer“ alle zwei Jahre eine Fahrt nach Berlin, die Gretel Kemper ebenfalls organisierte.

Seit 1985 organisierte sie zudem zahllose Kunstausstellungen im neuen großen Foyer des Olper Krankenhauses. Etliche Künstler aus der Region und auch darüber hinaus erhielten auf diese Weise Gelegenheit, ihre Werke auszustellen. Ein weiteres besonderes Anliegen ist für Gretel Kemper die Renovierung und der Erhalt der Kreuzkapelle in Olpe aus dem Jahre 1737, für die sie sich seit vielen Jahren mit eigenen Mitteln, eigener Arbeitskraft sowie der Unterstützung Gleichgesinnter einsetzt.

Gretel Kemper ist Hauptinitiatorin für die Gründung des Fördervereins „Stadtmuseum“. Auf der Gründerversammlung 1997 wurde sie als Beisitzerin in den Vorstand gewählt. Durch ihr nunmehr über 20-jähriges Engagement in dieser Sache und ihre Beharrlichkeit laufen inzwischen die konkreten Planungen zur Errichtung eines Stadtmuseums zusammen mit dem Rathausneubau.

Von 1975 bis 1987 war Gretel Kemper ehrenamtlich in der Schulpflegschaft der St.-Franziskus-Schule in Olpe tätig. Als Schulpflegschaftsvorsitzende hat sie den Förderverein in den 1980er-Jahren wiederbelebt und entscheidende Impulse (u.a. Startschuss für den Digitalisierungsprozess an der Schule) gegeben. Sie war im Förderverein von 1980 bis 1989 als Schriftführerin und 1989 bis 1996 als Vorsitzende tätig. Seit 1996 ist sie die einzige Ehrenvorsitzende des Fördervereins der Schule. Zudem, so Beckehoff, hätten sich Gretel Kemper und ihr im vergangenen Jahr verstorbener Mann Herbert auch für die Förderung der Musik eingesetzt. Das Ehepaar habe die Anfänge der vor 25 Jahren ins Leben gerufenen Reihe Reihe „Piano Solo“ maßgeblich begleitet. „Inzwischen besitzt diese Konzertreihe einen hervorragenden Ruf.“

1999 wurde Gretel Kemper mit dem Silbernen Ehrenbecher der Stadt Olpe ausgezeichnet. Daran erinnerte auch Peter Weber in seiner Ansprache. Er freue sich, dass der 81-Jährigen die hohe Anerkennung für besonderes Wirken widerfahre – „denn das ist absolut verdient“. Auch der Bürgermeister bezog sich auf das Buch „Spurensuche“ und erinnerte sich an das Jahr 2018, als eine Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Pogromnacht in der Aula des Städtischen Gymnasiums Olpe stattgefunden hatte. Die Texte aus dem Buch von Gretel Kemper seien wichtiger Bestandteil dieser Veranstaltung gewesen. Eine Schülerin habe damals zu ihm gesagt, dass sie durch die Texte an diesem Morgen mehr über die damalige Zeit gelernt habe als durch die vielen Jahren im Geschichtsunterricht. „Dieser Satz zeigt eindrucksvoll, wie wichtig gerade dieses Werk von Gretel Kemper ist.“

In besonderer Weise wurde in den Laudationen auch an Herbert Kemper, den verstorbenen Mann der 81-Jährigen, erinnert. „In unseren Herzen ist er heute hier“, so Ordensanreger Dr. Gerd Reichenbach. „Wir alle wissen, ohne deinen Herbert, der dich in deinem Engagement ermutigt, unterstützt und dir den Rücken gestärkt hat, säßen wir hier und heute nicht zusammen. Dieser Tag wäre eine große Freude für ihn gewesen. Er wäre stolz auf dich.“ Dr. Reichenbach ging dann nochmal auf die Verdienste von Gretel Kemper ein, die sehr von ihrer Mutter geprägt worden sei, die sich neben der Familie auch um arme und kranke Menschen gekümmert habe.

Entscheidend für ihre Motivation sei aber das Zusammenleben mit ihrem Mann Herbert gewesen. „Ihr habt gemeinsame Wertvorstellungen und Ziele erreicht – gleichzeitig habt ihr Verantwortung übernommen. Für die Stadt Olpe und die Menschen, die darin leben.“ Nicht selten habe das Ehepaar Menschen in Not auch im Stillem geholfen. „Auch dies macht dich zu einem besonderen Menschen – deine Menschenfreundlichkeit, deine Empathie, deine Bescheidenheit und dein Lächeln“, so Dr. Reichenbach an Gretel Kemper gerichtet.

Die Ordenträgerin sagte, dass die treibende Kraft für ihr Wirken auch die Menschen aus der Stadt Olpe seien. Sie komme aus der Großstadt, habe in München, Berlin und Rom studiert. Aber hier habe sie Werte entdeckt. Es sei die Zugewandtheit der Menschen. „In Olpe spüre ich eine Wärme, die einem entgegenkommt, wenn man etwas gemeinsam macht oder gemeinsam machen möchte.“ Was sie hier gelernt habe: „Es ist einfach, zu bitten, wenn man es nicht für sich selber tut.“

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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