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Ein Beruf am Puls der Zeit

Ob Taschen- oder Standuhr – hier ein über 100 Jahre altes, abmontiertes Uhrwerk auf der Werkbank von Uhrmachermeister Adrian Karst: Wo Mechanik im Einsatz ist, kann der Uhrmacher helfen. Fotos: win
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  • Ob Taschen- oder Standuhr – hier ein über 100 Jahre altes, abmontiertes Uhrwerk auf der Werkbank von Uhrmachermeister Adrian Karst: Wo Mechanik im Einsatz ist, kann der Uhrmacher helfen. Fotos: win
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win ■ „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“, sang der britische Sänger Barry Ryan 1972. In der Tat – die Zeit selbst kann – zum Leidwesen vieler – nicht angehalten werden. Das gilt aber nicht für das Instrument, das die Zeit anzeigt. Uhren, seit vielen hundert Jahren unverzichtbar für das tägliche Zusammenleben der Menschen, bleiben irgendwann einmal stehen. Dann sind Menschen wie Adrian Karst gefragt. Denn der ist Uhrmacher.

Der Name dieses alten Berufs irritiert ein wenig – Uhren machen, das gehört schon lange nicht mehr zum Alltagsgeschäft eines Uhrmachers. Aber das Warten, Reparieren, Justieren und Reinigen, das hat sich seit der Erfindung der mechanischen Uhr im Prinzip nicht verändert.

win  „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“, sang der britische Sänger Barry Ryan 1972. In der Tat – die Zeit selbst kann – zum Leidwesen vieler – nicht angehalten werden. Das gilt aber nicht für das Instrument, das die Zeit anzeigt. Uhren, seit vielen hundert Jahren unverzichtbar für das tägliche Zusammenleben der Menschen, bleiben irgendwann einmal stehen. Dann sind Menschen wie Adrian Karst gefragt. Denn der ist Uhrmacher.

Der Name dieses alten Berufs irritiert ein wenig – Uhren machen, das gehört schon lange nicht mehr zum Alltagsgeschäft eines Uhrmachers. Aber das Warten, Reparieren, Justieren und Reinigen, das hat sich seit der Erfindung der mechanischen Uhr im Prinzip nicht verändert.

„Willkommen bei einem aussterbenden Berufsstand“, zeigt die Begrüßung durch Adrian Karst in seinem Unternehmen, der Olper Firma Christian Schöne, dennoch den enormen Wandel, dem der Berufsstand der Uhrmacher unterliegt. Als Adrian Karst 1977 seine Gesellenprüfung in Betzdorf absolvierte, war längst die Zeit der Quarzuhren angebrochen, diese hatten einen uneinholbaren Siegeszug angetreten. Der Vorteil der Quarzwerke gegenüber den mechanischen Exemplaren ist enorm: Sie sind leichter, kleiner, durch Massenfertigung viel preiswerter – und zu allem Überfluss auch noch erheblich genauer.

Doch das, was ein Uhrmacher bei einer digitalen Quarzuhr richten kann, beschränkt sich im Grunde auf das regelmäßige Wechseln der Knopfzellen, aus der die allermeisten ihre Antriebsenergie beziehen.

Die Zeit der mechanischen Uhren als Massenware ging in den 1970er-Jahren zu Ende. Als hochwertiges Sammler- und Liebhaberstück aber blieb und bleibt die mechanische Uhr auf dem Markt – die Verhältnisse drehten sich um; Quarzuhren, die einst so viel kosteten wie ein Kleinwagen, wurden fast zur Wegwerfware; hochwertige mechanische Uhren behalten ihren Wert.

Adrian Karst erlebte den Wandel auf dem Markt mit. Die ersten digitalen Quarzuhren waren noch mit LED-Anzeigen ausgestattet, die auf Knopfdruck aufleuchteten und nur so die Uhrzeit anzeigten. Es folgten die LCD-Uhren mit ihren Flüssigkristall-Displays, auf denen später sogar noch Platz für winzige Taschenrechnertasten oder digitale Spiele war.

Und dann kam die Wende. Auch für den deutschen Uhrenmarkt. Denn mit dem Ende der DDR kam auch die Privatisierung des riesigen staatlichen Uhrenkonzerns in Ruhla und Glashütte. Der volkseigene Uhrenkonzern zerfiel, und aus ihm erwuchs durch technische und kaufmännische Hilfe aus der Schweiz eine Vielzahl kleiner Betriebe, und plötzlich waren edle mechanische Uhren aus Deutschland wieder ein Thema. Für Uhrmacher wie Adrian Karst allerdings nur zum Teil ein Grund zur Freude. Denn obwohl ein Uhrmacher solche Uhren warten oder reparieren könnte, beschränkt sich das Geschäft auf das Beraten und Verkaufen. Wie auch bei Rolex, wird von den meisten Uhrenfirmen die komplette Werkstattarbeit im Werk erledigt. „Wir bekommen von diesen Firmen nicht mal eine Schraube, kein Ersatzteil“, bedauert Karst.

Dass er in seiner Werkstatt dennoch alle Hände voll zu tun hat, liegt an Uhren, die eine Nummer größer sind. Tisch-, Schrank- und Wanduhren, zum Teil über 100 Jahre alt, stehen und hängen in Karsts Werkstatt und warten auf die kundige Hand des Uhrmachermeisters.

Mal muss ein altes Werk „nur“ gereinigt werden, weil das Öl nach vielen Jahrzehnten täglichen Einsatzes verharzt ist und sich mit Staub aus der Umgebungsluft oder dem Abrieb aus dem mechanischen Werk zu einer zähen Masse verbunden hat. Mal ist eine Feder spröde geworden und gesprungen. Irgendwann werden Zahnräder schartig, laufen Wellen unrund oder leiern aus. Dann wirft Adrian Karst die Präzisions-Drehbank oder die Fräse an und wird tatsächlich zum Macher: Er fertigt dann Einzelteile für die Uhren aus längst vergangenen Werkstätten an und sorgt dafür, dass Uromas Standuhr wieder ihr beruhigendes Ticken von sich gibt oder Opas Schrankuhr nach dem rituellen abendlichen Aufziehen mit dem großen Schlüssel verlässlich die Tageszeit anzeigt.

„Als wir 1991 in Olpe den Laden übernommen haben, waren wir noch fünf Uhrmacher in der Stadt. Heute sind wir allein“, schildert Adrian Karst den Wandel in der Branche. Er geht davon aus, dass der Uhrmacherberuf wie der des Schuhmachers oder Schneiders als handwerkliche Branche zu Ende geht und in Zukunft wohl nur noch in der Industrie zu finden sein wird.

Einige Kollegen haben vorübergehend eine Sparte entdeckt: Sie betreiben reine Werkstätten ohne Laden, die im Auftrag Reparaturen übernehmen.

Die älteste Uhr, die Adrian Karst je „in Behandlung“ hatte, stammt aus dem Jahr 1730 und steht in einem Olper Haus. Privat trägt Karst am liebsten mechanische Uhren – „ich habe nur eine einzige Quarzuhr, die nehme ich beim Sport“, so der zweifache Handwerksmeister. Seine Lieblingsuhr ist eine ältere goldene IWC-Automatikuhr, die er gebraucht erwarb und selbst aufgearbeitet hat. Wenn er sieht, wie viele Menschen Freude an der präzisen, hochwertigen Mechanik einer solchen Uhr haben, ist er sicher, dass es auch künftig einen Markt dafür geben wird. Die Zeit wird es zeigen…

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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