Ein gutes Ende für Namenssuche

»LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Sprache, Olpe« heißt nun »Michael-Ende-Schule«

win Olpe. Seit fast 20 Jahren müssen Eltern, Lehrkräfte und Schüler der heutigen »LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Sprache (Sekundarstufe I), Olpe« mit ständig neuen Namen für ihre Einrichtung kämpfen – Namen, die dem Land von Schiller und Goethe unwürdig sind, Wortungetüme aus Abkürzungen und Fachbegriffen. Erst kürzlich erfolgten gleich zwei Umbenennungen: Aus der »Westfälischen Schule für Sprachbehinderte«–wurde die »Westfälische Förderschule, Förderschwerpunkt Sprache«, kurz darauf wurden alle »Westfälischen« Förderschulen zu »LWL«-Förderschulen. Wie lange dieser Name Bestand hat, weiß niemand. Damit soll es nun an der »LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Sprache (Sekundarstufe I), Olpe« dauerhaft ein Ende haben. Genauer gesagt: Michael Ende, den charismatischen, weißbärtigen Autor vieler Kinder- und Jugendbücher, die auch von Erwachsenen geschätzt werden. Denn seit gestern heißt die Einrichtung ganz offiziell, knapp und eingängig »Michael-Ende-Schule«. Vorgemacht hat es die benachbarte »LWL-Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung Olpe«, vielen Olper noch besser als »Körperbehindertenschule«–bekannt, die seit einiger Zeit »Max-von-der-Grün-Schule«–heißt.

Mit einem fröhlichen und bunten Festakt im Foyer des Förderschulzentrums auf dem Kimicker Berg wurde die Umbenennung begangen. Nach dem von der Schulband intonierten Lied »Eine Schule auf’m Berg«, frei nach dem Titellied der Jim-Knopf-Filme der Augsburger Puppenkiste, begrüßte Schulleiterin Christa Grziwocz die zahlreich erschienenen Gäste im Forum. Matthias Münning, Referatsleiter für Schulen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, warf einen Blick zurück auf 175 Jahre Förderschulen. Bis 1970 habe es gedauert, dass der Landschaftsverband erkannt habe, dass alle Kinder, auch schwerstbehinderte, nicht nur verwahrt, sondern auch gefördert werden müssten. »Wir sind hier schon viel mehr als nur Schule, wird sind schon die von der Landesregierung geforderten Kompetenzzentren«, sprach er dem Lehrerkollegium ein Lob aus. Er verteidigte die jüngste Namensänderung in der langen Liste der Schulbezeichnungen. Doch sei beim Landschaftsverband die Entscheidung gereift, die Bezeichnung »Westfälisch«–stelle nicht ausreichend dar, dass der Landschaftsverband der Aufgabenträger sei. Aber der Landschaftsverband habe gar nichts dagegen, wenn die Schulen sich »einen so schönen Namen dazugeben«.

Lothar Epe, stellv. Bürgermeister der Stadt Olpe, gab zu, bislang über Michael Ende recht wenig gewusst, lediglich viele seiner Bücher gekannt zu haben. Doch anlässlich der Schulumbenennung habe er sich im Internet schlau gemacht und einen sehr interessanten Mann kennengelernt, »klug und weise, mit Sicherheit der richtige Namensgeber für Ihre Schule.«

Schulrat Karlheinz Kiese blickte zurück auf die 20-jährige Geschichte der heutigen Michael-Ende-Schule, die in der ehemaligen Möllmicker Grundschule ihre Anfänge nahm: 15 Kinder seien damals ohne Schulleitung von zwei Lehrerinnen unterrichtet worden, die gegen ihren Willen an die neue Schule abgeordnet worden seien. Daraus sei nun eine fröhliche Schulgemeinde mit rund 100 Schülern geworden, die hervorragend untergebracht und ausgestattet sei. Anspielend auf eines der bekanntesten Bücher des Namensgebers erklärte Kiese: »Gottseidank ist das hier keine unendliche Geschichte geworden.«–Der Name »Michael Ende«–sei schon ein Schulprogramm für sich.

Hans-Ullrich Jaczek als Vorsitzender der Schulpflegschaft und des Fördervereins schilderte den schwierigen Weg zur Namensgebung. »Wenn mich hier irgendetwas gestört hat, dann war das immer nur der Name.«–Bei Anrufen sei die Pause zwischen den Unterrichtsstunden ja schon fast zur Hälfte vorbei gewesen, bis der Schulname genannt worden sei. Nach langen Diskussionen habe es schließlich eine breite Mehrheit für den Namen »Michael-Ende-Schule«–gegeben.

Schulleiterin Christa Grziwocz erklärte, nicht die »Verleugnung«–des LWL als Schulträger, sondern der Wunsch nach Identifikation der Schüler mit ihrer Schule habe den Ausschlag gegeben, einen Namen für die Einrichtung zu suchen. In der Person von Michael Ende sei ein Namensgeber gefunden worden, mit dem alle etwas anfangen können und der der Arbeit in der Schule Anregungen geben könne. Ende sei zeitlebens auf der Suche gewesen »nach dem Zauberwort, das eine neue Sichtweise auf unsere Welt ermöglicht und diese so wieder bewohnbar macht«Die Schule habe den Auftrag, Kindern und Jugendlichen einen neuen Blick auf die Welt zu eröffnen, ihnen eine Perspektive zu geben, die ihnen ihre Welt erträglicher erscheinen lasse. »Das Werk Michael Endes, sein Lebensmotto und seine lebensbejahende Art sollen uns bei unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Hilfe und Motivation sein«, erklärte Christa Grziwocz. Der Einfluss Michael Endes selbst nach kürzester Zeit könne bei einem Rundgang durch eine Ausstellung erfolgen, die die Ergebnisse einer Projektwoche zeige.

Umrahmt wurde die Feier von Lied- und Gedichtvorträgen, Lesungen und einem Schüler-Rap rund um Werke Michael Endes. Mit einem Imbiss klang der Festakt in der Michael-Ende-Schule aus.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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