Eine Oase für 103 junge Mütter

»Aline« wird zehn Jahre alt / Jüngste Bewohnerin war erst 13 Jahre alt

win Olpe. Zehn Jahre alt wird eine Einrichtung, die in der weiten Umgebung ihresgleichen sucht. Das Mutter-Kind-Haus »Aline« auf dem Kimicker Berg wurde 1997 eröffnet und nahm die erste junge Mutter auf. Im Lauf der Jahre haben 103 Frauen und 110 Kinder im Mutter-Kind-Haus ein Zuhause auf Zeit gefunden, Frauen, die schwanger waren, aber nicht für sich und ihr Kind sorgen konnten und können, die sich aber entschieden haben, ihr Kind zur Welt zu bringen.

Im Rahmen eines Pressegesprächs hielten jetzt Einrichtungsleiterin Annette Sawitza, ihre ehemalige Stellvertreterin, Schwester Magdalis Heite, die Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO), Verena Hölken, GFO-Pressesprecher Christoph Leiden und die Nestorin des Mutter-Kind-Hauses, Elsbeth Rickers, Rückblick auf ein Jahrzehnt »Aline«. Elsbeth Rickers erinnerte sich: »Die ersten Überlegungen entstanden 1991 im Zuge der Diskussionen um den Paragrafen 218. Ich dachte mir damals, es kann nicht sein, darüber zu diskutieren, aber die jungen Frauen allein zu lassen.«–Sie habe die Diskussion in die Frauenunion der CDU getragen, wo sie auf fruchtbaren Boden gefallen sei.

Als Ergebnis einer fast einjährigen Zeit des Überlegens sei herausgekommen, dass ein Mutter-Kind-Haus die ideale Lösung sei. »Wir sahen das damals aber noch als Vision in weiter Ferne.« Nach einem Treffen mehrerer Frauen bei Elsbeth Rickers in Wenden sei dann der Verein Mutter-Kind-Hilfe ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, ein Mutter-Kind-Haus zu installieren. Dann sei die eigentlich bedauernswerte Situation eingetreten, dass durch geänderte Landesförderungen die Pflegevorschulen zum Auslaufmodell wurden. Die damalige Generaloberin der Olper Franziskanerinnen, Schwester Xaveria Kronen, habe ihre Bereitschaft erklärt, bei einer Schließung der von den Franziskanerinnen getragenen Pflegevorschule Olpe die freiwerdenden Räume für ein Mutter-Kind-Haus zur Verfügung zu stellen. Rascher als gedacht kam das Ende der Schule, und der Orden bezahlte den Umbau. Elsbeth Rickers und die früh verstorbene CDU-Kommunalpolitikerin Brigitte Krep überzeugten die GFO, Trägerin des Mutter-Kind-Hauses zu werden. »Wir waren unserer Zeit voraus«, kann sich Schwester Magdalis noch gut erinnern: Das Haus war fertig, aber niemand kam. »Am 17. Januar 1997 dann stand ein 16-jähriges Mädchen mit ihrem Säugling auf dem Arm vor der Tür, eine Plastiktüte in der Hand.« Dann entwickelte sich das Mutter-Kind-Haus »Aline« rasch weiter. Immer mehr Jugendämter wurden auf das Angebot aufmerksam. Inzwischen hat »Aline« einen festen Stamm von Jugendämtern in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern, die junge oder werdende Mütter ins »Aline«–schicken. Dort werden diese betreut und versorgt. Sie können ihr Kind zur Welt bringen, ihre Schule oder die Ausbildung fortsetzen, einen Beruf lernen und oft zum ersten Mal im Leben eine Art Zuhause erleben.

Alle Beteiligten sind sicher, dass die Entscheidung richtig war, »Aline«–nicht als Heim, sondern als Haus mit Mini-Appartements anzulegen. Annette Sawitza: »So haben die jungen Frauen die Möglichkeit, sich in den Kleinstwohnungen aufs Leben vorzubereiten.«–Aus ursprünglich 14 Wohnungen sind inzwischen 16 geworden, außerdem hat die GFO in Olpe und Siegen noch acht Wohnungen angeschafft bzw. angemietet, in denen junge Frauen in Außenbetreuung leben. Ein Team von 31 Männern und Frauen kümmern sich um die jungen Mütter und ihre Kinder. 24 Stunden ist Betreuung gewährleistet. Die jungen Frauen erhalten Anleitung in der Betreuung ihrer Babys, aber auch Freiraum, um auszuspannen. Die jüngste Mutter war 13, die meisten sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. Die ursprüngliche Absicht, mit der Initiative jungen Frauen eine Alternative zur Abtreibung aufzuzeigen, ist aufgegangen. Annette Sawitza erklärte, sie kenne mehrere Fälle, in denen sich junge Frauen nur aus dem Grund für das Kind entschieden hätten, weil sie in »Aline«–aufgenommen wurden und eine Perspektive für sich und das Kind entdeckt hätten.

In den meisten Fällen aber sei es so, dass junge Frauen, oft ohne familiären Hintergrund, sich eine Familie wünschten. Sie würden schwanger, um mit dem Kindsvater eine kleine Familie aufzubauen, doch dieser ließe die junge Frau allein. Die Bewohnerinnen bleiben manchmal nur vier Wochen, manchmal vier Jahre. Die durchschnittliche Wohndauer liegt bei zwei Jahren. Bezahlt wird ihre Unterbringung von den Jugendämtern. GFO-Geschäftsführerin Hölken: »Das hier eine Art Familie entstanden ist, sieht man spätestens bei der jährlichen Nikolausfeier.« Elsbeth Rickers betonte: »Dieses Haus ist aber keine Insel, auf die sich die jungen Frauen retten können. Eher ist es eine Oase mit Verbindungen in die Außenwelt.«–Denn die jungen Frauen sollen hier für ihr weiteres Leben mit dem Kind vorbereitet und stark gemacht werden.

Damit dies gelingt, steht wie am ersten Tag der Verein Mutter-Kind-Hilfe an der Seite von »Aline« – und die Mutter-Kind-Stiftung, die außerdem von Elsbeth Rickers ins Leben gerufen worden ist und die mittlerweile über ein Stiftungsvolumen von 250000e verfügt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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