»Elias« musikalisch umgesetzt

»ChorCantamus«, Junge Sinfonie und Solisten beeindruckten in St.-Martinus-Kirche

mari Olpe. Ergreifende zweieinhalb Stunden erlebten am Sonntag die Besucher in der St.-Martinus-Kirche. Der »ChorCantamus« Kierspe, die Junge Sinfonie Köln und die Solisten Antje Bischof (Sopran), Annette Wurm (Alt), Marcus Ullmann (Tenor) und Thomas Laske (Bass) führten unter Leitung von Frank Bisterfeld Mendelssohns »Elias« auf. Als der große Meister seinerzeit nach dem Erfolg seines »Paulus« ein weiteres Oratorium schreiben wollte, war der von der Gestalt des Propheten Elias fasziniert.

»Ich hatte mir beim Elias einen rechten Propheten gedacht, wie wir ihn heutzutage wieder brauchen könnten, stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster, im Gegensatz zum Hofgesindel und Volksgesindel, und fast zu der ganzen Welt, und doch getragen von Engelsflügeln.« 1836 setzte er sein Vorhaben in die Tat um, als er für das berühmte »Birmingham-Festival« ein größeres Chorwerk schreiben sollte. Nach der umjubelten Uraufführung trat das Werk den Siegeszug um die ganze Welt an. Zweieinhalb Stunden höchste Konzentration, Kondition und hohes Können waren gefordert, das Libretto des Oratoriums aus den verschiedensten Bibelversen des Dessauer Predigers Schubring musikalisch zu erzählen. Bereits einen Tag zuvor erklang das Meisterwerk in der Pfarrkirche St. Josef in Kierspe, wo der »ChorCantamus« beheimatet ist. In 42 Passagen erklang die Geschichte um den größten Propheten im Nordreich Israel, Elias, dessen Anliegen in Zeiten heftiger Auseinandersetzungen mit den Baal-Priestern der Glaube an Jahwe, dem Gott Israels, war. Den Musizierenden gelang es in beeindruckender Weise, die spannungsgeladenen Geschehnisse und den Wechsel von dramatischen und lyrischen Partien kraftvoll, dramatisch und packend wiederzugeben. Chormitglieder und Solisten sangen intonationssicher bis in die extremen Höhen und Tiefen mit einer geradezu bestechenden Wortverständlichkeit und Glaubwürdigkeit, begleitet von einer dynamisch wandelbaren Klangbalance des Sinfonieorchesters.

Die Solisten brachten die Botschaft der Musik und die Leidenschaft in ihren Figuren fesselnd zum Ausdruck. Bassist Thomas Laske sang die Passagen des Propheten Elias besonders in den dramatischen Momenten authentisch, nahezu flehentlich seine Bitte um Regen. Sopranistin Antje Bischof gelang es treffend, die Verzweiflung der Witwe über den Tod ihres Sohnes darzustellen, und Annette Wurm verpasste der Dramatik mit ihrer warmen Altstimme Ruhe und Kraft, als sie als Engel dem Propheten göttliche Weisungen überbrachte. Tenor Marcus Ullmann sang seine Arien ebenfalls mit klarer Linienführung, traf perfekt die Gefühlswelt von König Ahab.

Gefordert war vor allem der Chor, der die Handlungen als Volk, Baal-Priester oder auch als bekennende Gemeinde eindrucksstark und einer durchgängigen Präsenz zum Ausdruck brachte. Als die 69 Sängerinnen und Sänger zum Schluss die Himmelfahrt des Propheten mit feurigen Wagen und feurigen Rossen frohlockend begleiteten, hätte man in der St. Martinuskirche eine Stecknadel fallen hören können, so ergriffen waren die Gäste. Dementsprechend fiel auch der Applaus aus: eine meisterliche Leistung.

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