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"Es stand alles still"
Eskalation auf der Intensivstation

Ein 47-Jähriger musste sich in Olpe vor dem Schöffengericht verantworten.
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  • hochgeladen von Dominik Jung

yve Olpe. "Er war sehr laut und hat sogar gesungen." Die 56-jährige Krankenschwester aus der Helios-Klinik in Attendorn erinnerte sich im Olper Schöffengericht noch genau an den Vorfall auf der Intensivstation. Sie sprach von dem 47-Jährigen auf der Anklagebank, der Ende Mai 2020 in das Krankenhaus eingeliefert worden war. Zuvor hatten ihn Beamte stark alkoholisiert und nicht ansprechbar aufgefunden.
Ein schwer Erkrankter konnte nicht aufgenommen werden
Im Krankenbett, so die Zeugin, sei er an den Tropf gelegt und am Monitor überwacht worden. "Er wurde immer ungehaltener und hat die anderen Patienten regelrecht verängstigt." Ich habe ihn gebeten, nicht so einen Krawall zu machen." Der Beschuldigte habe ihr daraufhin mit den Worten "Ich bin stärker als du" seinen Oberarm gezeigt.

yve Olpe. "Er war sehr laut und hat sogar gesungen." Die 56-jährige Krankenschwester aus der Helios-Klinik in Attendorn erinnerte sich im Olper Schöffengericht noch genau an den Vorfall auf der Intensivstation. Sie sprach von dem 47-Jährigen auf der Anklagebank, der Ende Mai 2020 in das Krankenhaus eingeliefert worden war. Zuvor hatten ihn Beamte stark alkoholisiert und nicht ansprechbar aufgefunden.

Ein schwer Erkrankter konnte nicht aufgenommen werden

Im Krankenbett, so die Zeugin, sei er an den Tropf gelegt und am Monitor überwacht worden. "Er wurde immer ungehaltener und hat die anderen Patienten regelrecht verängstigt." Ich habe ihn gebeten, nicht so einen Krawall zu machen." Der Beschuldigte habe ihr daraufhin mit den Worten "Ich bin stärker als du" seinen Oberarm gezeigt. "Dann eskalierte die Situation." Die Krankenschwester berichtete, dass der 47-Jährige aufgesprungen sei und ihr mit dem Tod gedroht habe. "Ich bin geflüchtet, er ist mit einer Glasflasche hinter mir hergerannt." Sie wisse nicht, was passiert wäre, wenn sie stehen geblieben wäre. Er habe ihr auch das Namensschild von der Arbeitskleidung gerissen. "Er wollte wissen, wie ich heiße, um mich später zu finden." Ein Kollege habe es geschafft, dem Mann die Flasche abzunehmen." Eine andere Krankenschwester sei verletzt worden. Der Angeklagte habe ein mobiles Telefon gegen ihre Hand geschleudert. "Wir waren nicht mehr in der Lage, die Patienten auf der Intensivstation zu versorgen. Wir hatten auch Beatmungen."  Ein schwer Erkrankter habe nicht aufgenommen werden können. "Es stand alles still", ergänzte ihre Kollegin im Zeugenstand. 

Der Mann rief die Polizei wegen seiner alkoholisierten Lebensgefährtin 

Drei Monate später geriet der in Kroatien geborenen Beschuldigte mit seinem Nachbarn in Attendorn in Streit. Diesem warf er nicht nur einen Gegenstand an den Kopf, sondern versuchte auch, ihn mit einem Hammer zu treffen. Nach vier Wochen mussten Polizeibeamte erneut an der Wohnanschrift des 47-Jährigen zum Einsatz schreiten. Dieses Mal hatte der Beschuldigte selbst auf der Wache angerufen, um seine völlig alkoholisierte Lebensgefährtin abholen zu lassen. Die Frau mussten die Ordnungshüter jedoch nicht in Gewahrsam bringen. "Der Angeklagte fing an, mich zu provozieren, zu bedrohen und zu beleidigen, und das Aggressionspotenzial nahm deutlich zu", blickte ein 36-jähriger Beamte im Gericht zurück. Der 47-Jährige habe sich gegen die Mitnahme zur Wache gesperrt, im Polizeiwagen versucht, ihm Kopfstöße zu verpassen. 

Verkäuferin geboxt und geohrfeigt 

Im November richtete sich die Aggressivität gegen eine heute 56-jährige Verkäuferin. So massiv, dass die Frau sich in psychologische Behandlung begeben und Medikamente einnehmen musste. "Das sitzt immer noch ganz tief", blieb ihr bei der späteren Entschuldigung des Angeklagten nur zu sagen. Sie schilderte die Geschehnisse in der Bäckerei an der Kurfürst-Heinrich-Straße in Olpe genau. Sie habe den 47-Jährigen auf den fehlenden Mundschutz hingewiesen, ihn aber letztlich doch bedient. "Ich wusste, da kommt gleich was." Sie sei plötzlich auf Übelste beleidigt worden und habe sich zur Sicherheit einen Besen als Schutzschild aus dem Lager geholt.  "Er hat mir trotzdem mein Schutzvisier vom Kopf gerissen, mich heftig geohrfeigt und in den Bauch geboxt." Zudem habe der Mann  ihr ins Gesicht gespuckt. Sein Mandant könne sich an die Taten nur fragmentarisch erinnern, so Rechtsanwalt Christoph Hilleke. Dr. Thomas Schlömer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte dem 47-Jährigen nach mehreren Untersuchungen Schuldunfähigkeit in Form einer völlig aufgehobenen Steuerungsfähigkeit in Folge seiner zu fast allen Tatzeitpunkten bestehenden Alkoholintoxikation in Verbindung mit einer Persönlichkeitsstörung. Bei dem tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung und Beleidigung ging er von verminderter Schuldfähigkeit aus. Aus seiner Sicht also das einzige Delikt, für das kein Freispruch infrage komme. Für den Angriff verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richard Sondermann den mehrfach vorbestraften Angeklagten dann zu einem Jahr Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur Bewährung  – und damit wie vom Vertreter der Staatsanwalt gefordert. Verteidiger Hillecke hatte das Strafmaß in seinem Plädoyer als etwas erhöht erachtet.

Der Angeklagte trinke nicht mehr

Ins Spiel gebracht worden war auch eine Unterbringung in eine Entziehungsanstalt. Dr. Schlömer hatte im Verlauf des Prozesses jedoch davon Abstand genommen. Das lag unter anderem an den Aussagen der Bewährungshelferin und der Betreuerinnen. Sie gaben an, dass der Beschuldigte  seit Oktober vergangenen Jahres auf dem Weg der Besserung sei und dass sich seit zwei Jahren keine  Straftaten mehr ereignet hätten. Er trinke nicht mehr, zumindest sei ihnen das nicht bekannt. Ferner suche er regelmäßig die Suchtberatung auf. Wachgerüttelt hätten ihn Untersuchungsergebnisse eines Arztes. "Es tut mir wirklich leid, was passiert ist. Ich merke jetzt, dass mein Leben ohne Alkohol ganz gut läuft. Ich glaube an mich", hatte der Angeklagte das letzte Wort.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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