Fahrkarten aus dem Rathaus

Bahn suchte in Olpe vergeblich Kooperationspartner

win Olpe. Wer den Olper Bahnhof betreten will, der steht derzeit vor verschlossener Tür. Erreichbar ist der Bahnsteig ausschließlich per Seitenzugang. Immerhin: Dort wurde kürzlich direkt neben dem Fahrkartendrucker auch ein Verkaufsautomat aufgestellt, an dem Süßigkeiten und Getränke erworben werden können. Zettel an den Bahnhofstüren weisen die Bahnkunden darauf hin, dass Fahrkarten nur noch am Automaten zu haben sind. Der Grund: Mit Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks in Finnentrop wird auch die gesamte Bahnstrecke Olpe–Finnentrop von dort aus ferngestellt. Das bis dahin in Betrieb befindliche Drucktasten-Stellwerk im Bahnhof Olpe ist seit Ende Juni stillgelegt. Und damit wurde auch der Fahrdienstleiter in Olpe überflüssig.

Dieser verkaufte nebenbei auch Fahrkarten. Da er abgezogen wurde, sich der geringe Umsatz den Einsatz eines hauptberuflichen Fahrkartenverkäufers für die Bahn-Tochter »DB-Reise und Touristik«–nicht lohnt, wurde der Schalter geschlossen. Zwar können alle Nahverkehrskarten am Automaten gezogen werden, wer aber weiter hinaus in die Welt will, für den wird es komplizierter als früher.

Wer etwa seine Urlaubsreise per Bahn zurücklegen und direkt in Olpe einsteigen will, muss sich seine Fahrkarte schicken lassen. Dies funktioniert recht reibungslos, indem über die Rufnummer 11861 gebucht wird. So erreicht er ein Service-Zentrum der Bahn. Die Zahlung erfolgt per Nachnahme oder Kreditkarte, und spätestens drei Tage nach dem Telefonat hat der Kunde die Fahrkarte im Briefkasten. Doch gerade ältere Menschen bevorzugen das persönliche Gespräch. Für sie bleibt nur die auf den ausgehängten Zetteln anvisierte Alternative: die »Atta Reise-Touristik« in Attendorn. Dieses Reisebüro fungiert als DB-Fahrkartenverkaufsstelle. Hier kann der Kunde sich etwa die kompletten Verbindungen von Olpe bis Rügen heraussuchen und reservieren lassen.

Immerhin: »Atta Reise-Touristik«–hat einen unbürokratischen Weg gefunden, um den Kunden die Fahrt nach Attendorn zu ersparen. Karten können unter der Telefonnummer (02722) 926613 angefordert werden, diese können dann am nächsten Tag am Informationsschalter des Olper Rathauses abgeholt und bezahlt werden.

Das Verschulden liegt nicht bei der Bahn. Torsten Nehring von der Pressestelle des Unternehmens in Düsseldorf: »Als wir die Fahrkartenausgabe geschlossen haben, sind wir in Olpe auf die Suche nach einer Agentur gegangen, die für uns den Fahrkartenverkauf übernimmt. Es war aber niemand willens oder in der Lage, DB-Agentur zu werden.«

Die Bahn sucht weiter nach Interessenten, die in Olpe als Agentur fungieren wollen und damit dem Bahn-Kunden, der nicht nur bis Attendorn, Finnentrop oder Hagen fahren will, die nötige Beratung im persönlichen Gespräch vermitteln kann.

Und auch die Zeit der verschlossenen Türen soll bald vorbei sein. Torsten Nehring: »Zurzeit läuft in allen nordrhein-westfälischen Bahnhöfen die so genannte Sauberkeitsinitiative. Zudem existiert ein Sofortprogramm. Alle Stationen an der Bahnstrecke Olpe–Finnentrop fallen darunter.«–Die Wartehalle in Olpe werde renoviert, und wenn die Arbeiten so fortschreiten wie geplant, könne der Bahnhof schon bald wieder geöffnet werden. Der Tatsache, dass kein Personal mehr ständig vor Ort ist, werde mit erhöhten Kontroll- und Reinigungsintervallen begegnet.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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