Firma Fröhling schließt Fertigung

Walzwerkmaschinenbauer will Standort Olpe sichern / Rund 75 Mitarbeiter verlieren Arbeit

mik Olpe. Die Gesellschafter der Firma Fröhling haben entschieden: Das traditionsreiche Walzwerkmaschinenbau-Unternehmen am Finkenweg schließt die Fertigung. 75 bis 80 Mitarbeiter der Fertigung, der Werksmontage, Detailkonstrukteure und Mitarbeiter in so genannten Querschnittsfunktionen (Buchhaltung, Einkauf, Vertrieb) verlieren ihre Arbeit. Dieser Entscheidung ging ein langes Scheitern voraus.

Georg Keppeler, Bevollmächtigter der IG Metall Olpe, erinnert sich: »Ende Oktober 2002 wurden die Betriebsräte mit der Tatsache konfrontiert, dass das Unternehmen Fröhling nicht unerhebliche Probleme habe.« Ein Blick zurück: Bereits 1999 übernahm die Danieli-Gruppe aus Norditalien das Olper Unternehmen. »Und 2002 liefen die Verträge der Altgesellschafter aus«, so Keppeler.

Im selben Jahr dachten Betriebsräte, Gewerkschaft und Geschäftsführung wegen der Schieflage des Unternehmens über Umstrukturierungen nach. Auch die Schließung oder Ausgliederung der Fertigung sei diskutiert worden, so Keppeler. Der Gewerkschafter erinnert sich: »Da gab es Unruhe im Betrieb.« Betriebsrat und Gewerkschaft entschieden sich zum Handeln. Und präsentierten im Dezember 2002 der Geschäftsführung ein Konzept.

In aller Kürze: befristete Absenkung des Tarifniveaus (drei bis vier Jahre), 20 bis 30 Kündigungen, flexible Arbeitszeiten. »Alles in allem Einsparungen in Höhe von 2 bis 3 Mill.e pro Jahr«, rechnet Keppeler. Gesellschafter und Geschäftsführung rechneten anders. Ihr Konzept: Die Fertigung soll ausgelagert, eine neue Firma gegründet werden. »Newco(mpany)« heißt der entsprechende Anglizismus. Die Mitarbeiter der Fertigung würden übernommen und erhielten eine Bestandgarantie für ein Jahr. Aus Sicht des Gewerkschafters gab es einige Kröten zu schlucken: 80 Prozent des alten Lohns, weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld. Und alle Risiken hätten auf der ausgegliederten Gesellschaft gelegen, so Keppeler.

Eine Einigungsstelle wurde gegründet. Die saß »rund 30 bis 40 Stunden« zusammen, sagt der IG Metaller. Das Ergebnis: Das Unternehmen bleibt bestehen, ein Haus-Tarifvertrag soll abgeschlossen werden. Doch den lehnte die Gesellschafterversammlung am vergangenen Donnerstag ab. Am Dienstag erklärten beide Seiten die Einigungsstelle für gescheitert. Die Fertigung wird geschlossen. Nun folgen Sozialplan und Interessenausgleich.

Für Georg Keppeler unverständlich: »Der Fertigungsbereich gehört einfach zur Firma Fröhling.« Der Gewerkschafter sorgt sich um die Qualität, wenn Fröhling im Ausland fertigen lasse. Er sieht langfristige Risiken.

Fröhling-Geschäftsführer Peter Graumann sieht Chancen. Die Fertigung würde geschlossen, weil sich das Unternehmen Fröhling »den Marktgegebenheiten« anpassen müsse. Der Diplom-Wirtschafts-Ingenieur sagte gegenüber der SZ: »Wir wollen den Standort Olpe sichern.« Und ausbauen: Im Kerngeschäft Vertrieb, Konstruktion und Projektmanagement wolle das Unternehmen zehn Arbeitsplätze schaffen, so Graumann.

Er widersprach der Vermutung, in Zukunft werde die komplette Fertigung von der Danieli-Gruppe übernommen. Man vergebe die Aufträge nach den »Wettbewerbskriterien«, so der Ingenieur. Im Gegensatz zu Georg Keppeler sieht Graumann in Montage und Konstruktion und nicht in der Fertigung die Kernkompetenz des Unternehmens.

Beim Neustart ohne Fertigung baut Graumann auf die Kompetenz der Muttergesellschaft Danieli. Dank deren Erfahrung ließen sich »Anfangsfehler« vermeiden, so Graumann. Der Geschäftsführer glaubt, dass das Unternehmen ein bis zwei Jahre benötigt, um die Umstellung auf externe Fertigung zu meistern.

Das sieht ein Mitarbeiter der Konstruktion ähnlich: »Wir sind heute noch nicht so gut, dass wir in einem halben Jahr auf die Fertigung verzichten können.« In den vergangenen Jahren hätten die Mitarbeiter des technischen Büros und der Fertigung Hand in Hand gearbeitet. Fehler der Konstruktion konnten bei der Fertigung behoben werden. Die Wege waren kurz. Jetzt werde alles anders, so der Konstrukteur: »Wir müssen lernen, so gut zu sein, das die Konstruktion im Rechner 100 Prozent stimmt. Der Fröhling-Mitarbeiter glaubt, dass dies zu schaffen sei. Viel bleibe dem Unternehmen auch nicht übrig. Denn: »Wenn wir es nicht schaffen, haben wir ein Problem.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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