Fliege und Flammenkreuz

Franz Becker vom Caritas-Vorsitz verabschiedet / Elisabethkreuz für Mechthild Becker

win Olpe. Nein – alltäglich war die Veranstaltung nicht, die am Dienstag um 18 Uhr in der Kirche des Pallottihauses ihren Auftakt nahm und laut Programm »gegen 22 Uhr«–im Großen Saal des Olper Kreishauses enden sollte, aber erst um 23.20 Uhr vorbei war. Das betonte Moderator Lothar Epe mehrfach. Und in der Tat ist es wohl nicht alltäglich, dass ein Vorsitzender 18 Jahre amtierte und insgesamt 33 Jahre im Vorstand tätig war. Wenn es nicht um einen Kegelclub oder Gesangverein geht, sondern um den Caritas-Kreisverband Olpe, mit mehr als 8000 Mitgliedern, 1500 ehrenamtlich und über 900 hauptamtlich Beschäftigten einer der größten Vereine und der größte Arbeitgeber im Kreis, dann wird der Rahmen verständlich.

Abschied nahmen zahlreiche Gäste von Franz Becker, der seit Anfang des Monats nicht mehr Chef des Kreis-Caritasverbands ist. Aus diesem Anlass hatten Caritasverband und die Caritas-Tochterfirma AKC (Alten- und Krankenhilfe der Caritas) zu einer Festakademie in das Olper Kreishaus eingeladen.

Zuvor fand eine Heilige Messe in der Kirche des Pallottihauses statt. Zelebrant war Dechant Friedhelm Rüsche, ihm zur Seite standen Pfarrer Heinrich Schmidt aus Grevenbrück, Pastor Michael Lütkevedder und Geistlicher Rat Karl-Wolfgang Müller, der viele Jahre stellv. Caritas-Vorsitzender im Kreis Olpe war.

Nach einem Sektempfang im Foyer des Kreishauses begann pünktlich um 20 Uhr die Festakademie. Beckers Nachfolger als Caritas-Kreisvorsitzender, Lothar Epe, übernahm die Begrüßung. Niemand habe den Caritas-Kreisverband geprägt wie Franz Becker, so Epe. Epe hieß Vertreter von Politik und Verwaltung, Kirche, Caritas, Wohlfahrtsverbänden und langjährige Weggefährten Beckers im Großen Saal willkommen. Sein besonderer Gruß galt Prof. Dr. Jörg Knoblauch, der das Referat der Festakademie übernahm (Bericht auf Seite 7). Die Laudatio auf Franz Becker übernahm der frühere Kreisdirektor Knut Friedrich Platz, der einen Tag zuvor seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte.

Platz fasste unter dem Logo des Caritasverbands, dem Flammenkreuz, das an die Wand projiziert wurde, den Werdegang Beckers im Caritasverband zusammen. Franz Becker habe das gelebt, was Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika »Deus caritas est«–gefordert habe. Becker sei 1972 von ihm selbst als damals jungem Beamten der Kreisverwaltung gebeten worden, ein Amt im Caritas-Vorstand zu übernehmen. Neben Beckers beruflicher Tätigkeit als persönlich haftender Gesellschafter der Firma Kaiser & Kellermann und seinem Engagement in der CDU habe Becker sich dazu bereit erklärt und sei schnell zu einem einflussreichen Berater geworden, der seine Kompetenzen voll eingebracht und nicht gezögert habe, Verantwortung zu übernehmen. Ab 1975, als Franz Becker in den Kreistag einzog, habe er auch diese Einsichten und Verbindungen im Sinne der Caritas genutzt, was nicht überall in der Kommunalpolitik auf ungeteilte Zustimmung gestoßen sei.

Platz erklärte, er frage sich, wie Becker das Engagement im Caritasverband neben seiner beruflichen Tätigkeit als Chef eines Handelsunternehmens mit annähernd 3000 Mitarbeitern, seiner Mitgliedschaft im Kreisausschuss, der Führung des Vereins »Seminar für Staatsbürgerkunde«, Engagement in den Gremien der Industrie- und Handelskammer und als Handelsrichter beim Landgericht Siegen habe bewältigen können. »Franz Becker liebt nicht den großartigen Auftritt, dafür den täglich mit anderer Fliege«, spielte Platz auf das für Franz Becker charakteristische Kleidungsstück an. Becker sei ein »leuchtendes Beispiel für eine Schule für das Leben, die zur Solidarität und zur Bereitschaft erzieht, nicht einfach etwas, sondern sich selbst zu geben«, so Knut Friedrich Platz.

Der für die Caritas zuständige Weihbischof Manfred Grothe erklärte, er habe Franz Becker als klar denkenden, sachbezogenen Partner kennengelernt. Becker habe im Caritas-Kreisverband Spuren hinterlassen, die »noch lange sicht- und spürbar sein werden«. Becker habe den Prototypen des klassischen Ehrenamts ausgefüllt. »Das war ein Einsatz voll und ganz«, so Bischof Grothe. Becker habe offenbar die Caritas als Droge erlebt, denn durch die gelebte Nächstenliebe erfahre man die authentische Form menschlichen Lebens. Zum Abschied überreichte Grothe die Dankmedaille des Verbands an Franz Becker. Landrat Frank Beckehoff schloss sich den Dankesworten an. »Sie haben daran mitgewirkt, die Situation hilfebedürftiger Personen zu verbessern«, so Beckehoff.

Lothar Epe erklärte abschließend, Franz Becker habe dem Caritasverband 33 Jahre Zeit geschenkt. Daher sei nun der Verband an der Reihe. Zum einen, verkündete Epe unter Applaus, sei Franz Becker einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden. Zum anderen habe der Künstler Otmar Alt ein Bild für Franz Becker gemalt, das diesen an seine Caritas-Tätigkeit erinnern solle. Es war allerdings auf dem Versandweg steckengeblieben und wird Becker in den nächsten Tagen überreicht. Als Projektion wurde das Bild den Gästen allerdings schon gezeigt. Dann überreichte Epe das Elisabethkreuz an Franz Beckers Ehefrau Mechthild für deren steten »leisen«–Einsatz im Hintergrund.

Er sei »beeindruckt und überwältigt«, erklärte Becker und dankte seinen Mitstreitern, von denen er Pastor Karl-Wolfgang Müller, Erwin Wilm, Johann Hafenbradl und Elsbeth Rickers namentlich erwähnte. Dann warnte er vor zunehmender Kommerzialisierung des Sozialstaats. Kostenbewusstsein bei Wohlfahrtsverbänden sei richtig, aber christliche Werte ließen sich nicht durch ausschließliches Denken an Effizienz umsetzen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen