Geldstrafe und Führerscheinentzug für Raser
Flucht vor der Polizei

Mit hoher Geschwindigkeit war ein Autofahrer vergangenen August einer Polizeistreife in dichtem Verkehr davongefahren. Dafür wurde er nun zu einer Geldstrafe und Führerscheinentzug verurteilt.
  • Mit hoher Geschwindigkeit war ein Autofahrer vergangenen August einer Polizeistreife in dichtem Verkehr davongefahren. Dafür wurde er nun zu einer Geldstrafe und Führerscheinentzug verurteilt.
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Marc Thomas

win Olpe/Attendorn. Bis 2013 war das Autorennen auf öffentlichen Straßen lediglich eine Ordnungswidrigkeit. Seitdem jedoch wurde es zum Straftatbestand erhoben. Wer „im Straßenverkehr (…) sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es seitdem im Paragraphen 315. Und das führte dazu, dass sich am Montag ein 37-jähriger Attendorner im Olper Amtsgericht wiederfand.

Oberamtsanwalt Benjamin Schneider verlas die Anklageschrift: Dieser zufolge hatte der Mann im vergangenen August in Attendorn eine Polizeistreife abgeschüttelt, die ihn kontrollieren wollte. Mit der Bordvideokamera des Polizeiwagens war festgehalten worden, wie der Mann drei Autos unmittelbar vor einem Kreisverkehr riskant überholte, beim Wiedereinscheren einen Lastwagen zum Bremsen nötigte, mit weit überhöhter Geschwindigkeit davonfuhr und so die Polizei abschüttelte.

Tatvorwurf durch schriftliche Einlassung gestanden

Diesen Tatvorwurf hatte der Mann bereits durch eine schriftliche Einlassung gestanden. Seine Freundin habe an besagtem Tag die langjährige Beziehung beendet und ihn aus der gemeinsamen Wohnung geworfen, erklärte der sichtlich aufgeregte und Reue zeigende Angeklagte. So richtig bewusst sei ihm gar nicht gewesen, was er da tue, er habe nur verhindern wollen, dass die Polizisten ihn in seiner psychischen Verfassung sahen: „Ich habe geheult und war total durch.“ Zwei der drei Polizeibeamten, die die Fahrt erlebt hatten, waren als Zeugen geladen.

Der als Mitfahrer aussagende Polizeibeamte: „Wir haben ja schon keine langsamen Autos, aber die Kollegin hatte keine Chance, an ihm dranzubleiben.“ Auch waren auf dem Video mehrere Ausfahrten zu erkennen, sodass die Situation eindeutig extrem gefährlich war. Die 29-jährige Fahrerin des Streifenwagens brachte Verteidiger Harald Kröning in Rage. Sie berichtete im Zeugenstand, der Angeklagte sei schon mehrfach vor Kontrollen davongefahren, einmal sei dies auch aktenkundig geworden. „Das ist die subjektive Wertung aus alten Polizeiakten, die hier im Verfahren nicht auftauchen“, schimpfte Kröning, der sich mit den Polizisten auch heftig anlegte, als das Video von der Verfolgungsfahrt gezeigt wurde.

Flucht über mehrere Kilometer

Die Beamten erklärten übereinstimmend, die rasante Flucht des Angeklagten habe über mehrere Kilometer geführt. Doch Kröning war überzeugt, dass das Auto des Attendorners außer beim unmittelbaren Überholvorgang und unmittelbar darauf überhaupt nicht mehr auf dem Video zu sehen sei. „Da sieht man gar nichts mehr, Sie haben ihn gesucht, mehr nicht.“ Da diese Frage aber am Ende nicht entscheidend war, weil sich der Anklagevorwurf durch das im Video unstrittig festgehaltene und vom Angeklagten selbst eingeräumte riskante Überholmanöver bestätigte, wurde der weitere Verlauf des Videos nicht weiter thematisiert.

Oberamtsanwalt Schneider forderte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro sowie die Entziehung des Führerscheins für mindestens zehn Monate. Verteidiger Kröning fand das zu scharf. Immerhin habe sein Mandant alles umfänglich eingeräumt und habe sich in einer psychischen Ausnahmesituation befunden. 40 Tagessätze seien ausreichend, zudem müsse von einer Tagessatzhöhe von 10 statt 30 Euro ausgegangen werden; sein Mandant müsse faktisch einem Hartz-IV-Empfänger gleichgestellt werden, weil er arbeitssuchend sei und nur deshalb keine Leistungen erhalte, da er eine Abfindung seines früheren Arbeitgebers erhalten habe, die weit über dem Schonvermögen liege. Auch bedürfe es keiner Einziehung der Fahrerlaubnis, ein Fahrverbot von höchstens vier Monaten sei genug.

Forderung der Staatsanwaltschaft gefolgt

Vorsitzende Richterin Nicole Höhmann folgte in ihrem Urteil aber weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, lediglich bei der Anzahl der Tagessätze ging sie auf 40 herab, fand aber auch 30 Euro pro Tag angemessen. Der Angeklagte muss seinen Führerschein abgeben und kann ihn frühestens in zehn Monaten neu beantragen. Bei einem reinen Fahrverbot hätte er ihn automatisch zurückerhalten. Richterin wie Oberamtsanwalt waren äußerst erstaunt darüber, dass die zuständige Behörde den Führerschein nicht sofort eingezogen hatte, was bei einem solchen Verstoß eigentlich üblich gewesen wäre.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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