Forstamt lässt jagen

Auch Jäger ohne Pacht kommen in heimischen Wäldern zum Schuss

mik Olpe. Die Wahrheit ist: Ein Jäger ohne Revier jagt nichts. Die Flinte verstaubt im Schrank. Motten mümmeln den Lodenmantel. Und im Trophäenzimmer gähnt die kahle Wand. Nebenbei setzt der ehemals fuchsbaugängige Rauhaardackel beim Fernsehgucken Bauchspeck an. Ein Bild ohne jede Hoffnung. Bis gestern.

Da präsentierte Oberforstrat Lorenz Lüke-Sellhorst, Leiter des Forstamtes Olpe, die Dienstanweisung über die Nutzung der Jagd und Fischerei für den Staatsforstbetrieb NRW. Klingt langweilig, hat es aber in sich. Denn in dem Papier steht, dass das »Erzielen von Erträgen aus der Jagd« forciert werden soll. Dafür sollen Jäger und Jägerinnen vor Ort im Staatswald anlegen dürfen. Neu ist das nicht.

Bereits seit Anfang der 90er lässt das Forstamt vermehrt die anderen jagen: Jäger ohne Pacht können sich um so genannte Pirschbezirke bemühen. Im vergangenen Jahr gab es fünf Pirschbezirke im Bereich des Forstamtes Olpe. Dieses Jahr warten acht frisch abgesteckte Waldstücke auf Männer und Frauen mit Jagdinstinkt. Und Losglück.

Forstamtsleiter Lüke-Sellhorst erklärte: »Am 26. März werden die acht Pirschbezirke unter den Bewerbern verlost.« Die können ab dem 28. Februar Unterlagen beim Forstamt Olpe kaufen (15 e). Die acht Pirschreviere in Varste (2), Olpe (4), Rosenberg (1) und der Einsiedelei (1) sind zwischen 50 und 110 Hektar groß. Pro Hektar sind 20 bis 25 e zu zahlen. Je nachdem, wieviel und wie oft Wild im Pirschbezirk aktiv ist. Bewerben können sich Jagdscheinbesitzer ohne Pacht oder Pirschbezirk.

Wer gezogen wird, darf vom 15. April 2003 bis zum 31. Januar 2004 jagen. Allerdings in der schlanken Version. Das heißt: »Pirschbezirk-Pächter« erwerben durch die Verlosung einen entgeltlichen Jagderlaubnisschein«, so Lüke-Sellhorst. Und dieser Jagderlaubnisschein berechtigt nicht, den Lions-Freund oder Tennis-Partner mit zum Jagen zu nehmen. Im Preis inbegriffen sind aber eine zugeteilte Anzahl an Böcken, Kitzen und Kühen, die geschossen werden dürfen. Außerdem darf der Pirschbezirk-Pächter kostenlos auf leichtes Schwarzwild (unter 40 kg) anlegen.

Jägerinnen und Jäger, die sauber schießen und mit dem Forstamt Olpe zusammenarbeiten (erlegtes Wild vorzeigen), können den Pirschbezirk maximal drei Jahre hintereinander pachten. Dann werden die Reviere neu gemischt. Aber auch diejenigen Grünröcke, die nur einmal im Jahr zur Flinte greifen, sind beim Forstamt Olpe richtig. Denn das vergibt auch Einzelabschüsse. Forstamtsleiter Lüke-Sellhorst erklärte, wie das funktioniert: »Wer einen Bock schießen will, stellt einen Antrag.« Dann erhält der Antragsteller an zehn Tagen die Chance, einen Treffer zu landen. Vor der Jagd ist ein Grundentgelt von 65 e fällig. Der Betrag wird mit dem Abschussentgelt verrechnet.

So kostet ein einjähriger Rehbock 130 e, ein mehrjähriges Exemplar 260 e abzüglich des Grundentgeltes. Für das Wildbret zahlt der Jäger beim Einzelabschuss einen Kilo-Preis. Verzichtet er auf Rücken, Keule und Co. sind 20 e fällig. Eine Abschuss-Garantie gebe es nicht . Aber: »Wir bemühen uns, den Antragsteller zum Jagderfolg zu führen«, so der Forstamtsleiter.

Und damit nicht Jagdtouristen aus Kiel, Köln oder Kulmbach das heimische Wild erlegen, enthält die Dienstanweisung einen Hinweis: Der ständige Wohnsitz des Jägers darf höchstens 50 Kilometer von der Reviergrenze entfernt liegen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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