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Olpe
Frauen lehnen sich gegen Strukturen in der katholischen Kirche auf

Jutta Ohm (l.) und Ulrike Heuel (r.) sowie ihre Mitstreiterin zogen am Dienstag durch die Olper Innenstadt, um auf die dringend notwendige Erneuerung der Kirche hinzuweisen.
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  • Jutta Ohm (l.) und Ulrike Heuel (r.) sowie ihre Mitstreiterin zogen am Dienstag durch die Olper Innenstadt, um auf die dringend notwendige Erneuerung der Kirche hinzuweisen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

yve Olpe. Fast 40 Frauen stehen vor dem Hauptportal der St.-Marien-Kirche in Olpe. Die Unterstützerinnen der Initiative „Maria 2.0“ haben eine Mission: Sie machen sich für die vollständige Gleichberechtigung in der kath. Kirche stark. Dafür gehen sie am Dienstagnachmittag auf die Straße, ziehen mit Bannern und Plakaten durch die Olper Innenstadt, um auf die aus ihrer Sicht dringend notwendige Erneuerung der Kirche hinzuweisen. Die Frauen erhoffen sich von ihrem „Glaubens-Weg“ Solidarität und Sichtbarkeit. Ihre gemeinsame Botschaft ist eindeutig: Sie kämpfen für die Aufhebung die Machtstrukturen in der kath. Kirche, fordern Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und auch die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie eine umfassende Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche.

yve Olpe. Fast 40 Frauen stehen vor dem Hauptportal der St.-Marien-Kirche in Olpe. Die Unterstützerinnen der Initiative „Maria 2.0“ haben eine Mission: Sie machen sich für die vollständige Gleichberechtigung in der kath. Kirche stark. Dafür gehen sie am Dienstagnachmittag auf die Straße, ziehen mit Bannern und Plakaten durch die Olper Innenstadt, um auf die aus ihrer Sicht dringend notwendige Erneuerung der Kirche hinzuweisen. Die Frauen erhoffen sich von ihrem „Glaubens-Weg“ Solidarität und Sichtbarkeit. Ihre gemeinsame Botschaft ist eindeutig: Sie kämpfen für die Aufhebung die Machtstrukturen in der kath. Kirche, fordern Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und auch die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie eine umfassende Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche. Und das nicht im Stillen, sondern ganz bewusst in der Öffentlichkeit.
„Es sind heute alle Altersgruppen vertreten“, zeigt sich Jutta Ohm mit der Resonanz auf den „Glaubens-Weg“ sehr zufrieden. Gemeinsam mit Jutta Gummersbach-Ohm, Ulrike Heuel, Anne Günther, Beate Schröder, Sandra Peterseim-Möller und Beate Lütticke organisiert sie Aktionen rund um die Initiative „Maria 2.0“ im Olper Raum. „Auch viele Frauen der älteren Generation beteiligen sich heute, das zeigt, dass auch sie aufgeschlossen für die Thematik sind.“ Der „Glaubens-Weg“ soll daher auch fortgeführt werden, jeweils zu verschiedenen Schwerpunkt-Anliegen.

"Mario 2.0"-Bewegung fing vor Kurzem klein an

Die „Maria 2.0“-Bewegung entwickelt sich Anfang 2019 im Kleinen. Fünf Frauen der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster diskutieren über die aktuelle Situation in der kath. Kirche, die von Missbrauchsfällen überschattet ist. Die Gruppe möchte sich nicht weiter damit abfinden, dass Weiheämter in der kath.Kirche nur Männern vorbehalten sind. Sie stellen sich die Frage: „Wie erklärt man Menschen, die fern der Kirche stehen, warum man überhaupt noch dabei ist, bei all dem Grauen, das da in den vergangenen Jahren immer und immer wieder und immer mehr zu Tage getreten ist und tritt?“ Der Umgang vieler Amtsinhaber mit den Tätern, den Mittätern und den Opfern entsetzt die Frauen, die sich dann entschließen, einen Kirchenstreik zu organisieren. Daraus entsteht die bundesweite Protestwelle „Maria 2.0“, an der seit dem vergangenen Jahr auch die Olper Frauen rege Mitwirken.

Kirchen verlieren die nächste Generation von Frauen

Viele sind Mitglieder der Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD), die im Sommer 2019 das Positionspapier „Gleich und Berechtigt“ verabschiedet und damit parallel zu „Maria 2.0“ für die volle Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche wirbt. Damit vertritt die KFD ebenfalls die Ansicht, dass eine wirkliche Erneuerung der Kirche nur gelingen kann, wenn Frauen alle Dienste und Ämter in der Kirche offenstehen. So wie auch die Frauen aus Olpe, sie sich mit ihrem „Glaubens-Weg“ durch die Straßen der Stadt an der bundesweiten Aktionswoche beteiligen, die am Samstag endet.
Vom Startpunkt St.-Marien-Kirche aus gehen die Teilnehmerinnen zum Zwischenziel Krankenhauskapelle und von dort aus zur St.-Martinus-Kirche. An den Stationen werden die Forderungen mit Texten und im gemeinsamen Gebet aufgegriffen. „Herausgewachsen“ stammt von Gisela Baltes und handelt von einem alten Glaubenskleid – „ausgefranst und zerschlissen“. Es passt nicht mehr. „Ein neues müsste her.“ Andere Vorträge verdeutlichten die „kärgliche Zukunft“ der Kirche, die dabei sei, die nächste Frauengeneration gänzlich zu verlieren. „Sie hat sie schon verloren.“ Von den unter 30-Jährigen zählten lediglich 5 Prozent zu den „Kirchlichen“.

Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche

Jutta Ohm ging zum Abschluss auf den von der Bischofskonferenz beschlossenen „Synodalen Weg“ ein, der Debatten anstoßen soll. Es geht dabei unter anderem um die Aufarbeitung von Fällen von sexuellem Missbrauch in der Kirche und um den Missbrauch von Macht, um die Lebensform der Bischöfe und Priester, um die Sexualmoral der Kirche und um Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche.
Dazu liest Jutta Ohm einen Beitrag von Lukas Färber vor, in der Zeitschrift „Der Dom“ veröffentlicht. Der aus Rahrbach stammende 22-jährige Student ist ein „Vertreter unter 30 Jahren“ im Gesprächsforum „Synodaler Weg“. Die Diskussionen zum Thema „Frauen in Diensten und Ämter“ bewegten sich laut Färber auf einem sehr akademisch-theologischen Niveau. Bemühungen, auch die Lebenswelt der Katholikinnen und Katholiken in Deutschland mit in die Argumentation miteinzubeziehen, seien oft von wenig Erfolg gekrönt.
Während seiner Mitarbeit in Jugendverbänden sei ihm aufgefallen, in wie vielen Punkten die katholische Lehre dem Grundgesetz und den Menschenrechten widerspreche – „in meinen Augen widerspricht sie manchmal sogar ihrer eigenen Botschaft“.

Männerbünde regieren absolutistisch

Die Kirche werde von Männerbünden absolutistisch regiert. Alle, die sich abseits des heteronormativen Familienbildes bewegten, würden diskriminiert. Der „Synodale Weg“ nehme sich dem Thema an, doch die Argumente seien alles andere als neu. „Wir haben keine Zeit, immer Gleiches zu wiederholen und auf ein anderes Erlebnis zu hoffen.“ Der Missbrauchsskandal habe offenbart, welche eklatanten strukturellen Missstände in der Kirche herrschten. Es hätten erst diese schrecklichen Vorfälle an Licht kommen müssen, um das träge Schiff Kirche erneut in Bewegung zu bringen. „Und diese Bewegung sollten wir nun auch mutig nutzen.“
Die Olper Gruppe der Initiative „Maria 2.0“ macht genau das, sie handelt. „Denn ein stillschweigender Austritt aus der Kirche ist für uns keine Option. Dann können wir an einer Erneuerung der Kirche nicht mitarbeiten“, erklärt Jutta Ohm und schließt den „Glaubens-Weg“ mit Worten von Lukas Färber: „Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind groß, doch wir sind viele, und wir können gemeinsam mit unserem Glauben Berge versetzen.“

Jutta Ohm (l.) und Ulrike Heuel (r.) sowie ihre Mitstreiterin zogen am Dienstag durch die Olper Innenstadt, um auf die dringend notwendige Erneuerung der Kirche hinzuweisen.
In T-Shirts mit der Aufschrift „Macht Kirche Beine“ verleihen diese drei Frauen ihrem Anliegen Nachdruck.
Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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