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Haftstrafe für vorbestraften Verkehrssünder
Frech gegrinst und weitergerast

Einen frech grinsenden Raser hat das Olper Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt (Symbolbild).
  • Einen frech grinsenden Raser hat das Olper Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt (Symbolbild).
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

win Olpe/Attendorn. Filmreife Szenen müssen es gewesen sein, die sich am 22. Juni vergangenen Jahres in Attendorn abgespielt haben. Zwei Polizeibeamte waren im Streifenwagen unterwegs, als ihnen ein Auto auffiel: Die Markierungen auf der entsprechenden Plakette auf dem Nummernschild zeigten an, dass die Frist für die Hauptuntersuchung des vor ihnen an einer Ampel stehenden Audi abgelaufen war. Die Beamtin auf dem Beifahrersitz schaltete die Laufschrift ein, die dem vorausfahrenden Verkehrsteilnehmer in Spiegelschrift „Stop Polizei“ signalisiert. Der Fahrer des Audi reagierte – aber nicht wie von den Ordnungshütern gewünscht: Der Mann gab Vollgas und raste mit seinem leistungsstarken Wagen davon.

win Olpe/Attendorn. Filmreife Szenen müssen es gewesen sein, die sich am 22. Juni vergangenen Jahres in Attendorn abgespielt haben. Zwei Polizeibeamte waren im Streifenwagen unterwegs, als ihnen ein Auto auffiel: Die Markierungen auf der entsprechenden Plakette auf dem Nummernschild zeigten an, dass die Frist für die Hauptuntersuchung des vor ihnen an einer Ampel stehenden Audi abgelaufen war. Die Beamtin auf dem Beifahrersitz schaltete die Laufschrift ein, die dem vorausfahrenden Verkehrsteilnehmer in Spiegelschrift „Stop Polizei“ signalisiert. Der Fahrer des Audi reagierte – aber nicht wie von den Ordnungshütern gewünscht: Der Mann gab Vollgas und raste mit seinem leistungsstarken Wagen davon. Der 49-jährige Polizist am Steuer des Streifenwagens schaltete Blaulicht und Signalhorn ein und nahm die Verfolgung auf – vergeblich. Der Audi raste davon und verschwand am Horizont. Der 140 PS starke Polizei-BMW hatte keine Chance.

„Kommissar Zufall“ half kräftig mit

Die Polizisten wendeten und fuhren zurück Richtung Attendorn, Blaulicht und „Musik“ wieder abgeschaltet – da spielte ihnen „Kommissar Zufall“ in die Hände: Der Verfolgte hatte eine Nebenstrecke genommen und war ebenfalls in Richtung Innenstadt zurückgefahren, wartete nun hinter einem anderen Auto auf seiner seitlich einmündenden Straße auf das Grünlicht der Ampel. Die Polizeibeamten steuerten den zuvor Verfolgten an, die Beamtin stieg aus, der Beamte bereitete sich vor, den Audi zu blockieren, hatten sie doch inzwischen von der Leitstelle per Funk erfahren, dass gegen den Halter des rasenden Audi wegen eines anderen Verkehrsdelikts ein Haftbefehl vorlag. „Ich war ausgestiegen und stand vielleicht 2 Meter vor seiner Fahrertür, da wurde die Ampel grün. Das Auto vor ihm fuhr weg, da grinste er mich siegessicher an und gab Gas“, berichtete die junge Polizistin im Olper Amtsgericht, wo sich der 37-jährige Autofahrer am gestrigen Mittwoch für die Gefährdung des Straßenverkehrs, ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen und das Fahren ohne Fahrerlaubnis zu verantworten hatte.

Verteidigung versucht, Zeugen zu verunsichern

Die Aussagen der beiden Polizeibeamten und ein mit der Bordkamera des Streifenwagens aufgenommenes Video belegten die Anklage: Der Audi fuhr weit schneller als die jeweils zulässige Höchstgeschwindigkeit, raste über eine rote Ampel und überholte mehrere Fahrzeuge trotz Überholverbot und Gegenverkehr.
Der Angeklagte machte von seinem Recht auf Schweigen Gebrauch – laut seiner Verteidigerin auf ihren Rat hin. Anschließend versuchte sie, die beiden Zeugen zu verunsichern. Insbesondere die junge Beamtin nahm sich die Rechtsanwältin vor. Ihr Ziel: dem Gericht klarzumachen, es sei nicht zu beweisen, dass ihr Mandant das Auto gefahren habe.

„Ja, das ist er, eindeutig“

So fragte sie mehrfach nach, woran die Polizistin ihren Mandanten erkannt habe. Die Erklärung der Beamtin: Sie habe dem Mann ja aus kurzer Distanz direkt ins Gesicht geschaut und unmittelbar darauf in der Polizeiwache Fotos des polizeibekannten Fahrzeughalters mit ihrer Erinnerung abgeglichen. Als auf Bitten der Staatsanwältin der Angeklagte seinen Mundschutz abnahm, nickte die Polizistin: „Ja, das ist er, eindeutig.“ Doch auch das reichte der Verteidigerin nicht aus. Sie ließ die Polizistin erklären, wie sie ihren Mandanten beschreibe. Der absolut unscheinbare Mann musste sich danach zum Richtertisch bemühen, denn die Verteidigerin rügte, die Polizistin habe zwei „auffällige Narben“ nicht genannt, die doch jedem sofort auffallen müssten, der ihren Mandanten ansehe. Vorsitzender Richter Peter Krumm, Direktor des Amtsgerichts, zuckte mit den Schultern: „Welche Narben?“ und räumte ein: „Also wenn ich Ihren Mandanten hätte beschreiben sollen, ich hätte es genau wie die Zeugin gemacht.“

Glaubwürdigkeit der Zeugin außer Frage

Die Rechtsanwältin stellte daraufhin einen Beweisantrag: Ein Sachverständiger solle beweisen, dass die beiden Zeugen ihren Mandanten gar nicht hätten erkennen können, höchstens seinen Umriss. Richter Krumm folgte der Staatsanwaltschaft; es gehe hier um die Glaubwürdigkeit der Zeugin, und die stehe außer Frage. „Das Gericht verfügt über genügend Sachkunde, inwieweit eine Person auf eine solche Entfernung hin erkannt werden kann.“
Bei den Plädoyers forderte die Staatsanwaltschaft sechs Monate Haft, zur Bewährung auszusetzen, weil dem mit fünf Vorstrafen und fünf Eintragungen in der „Verkehrssünderkartei“ versehenen Angeklagten zuletzt eine Geldstrafe wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis keine Lehre gewesen sei. Die Verteidigerin blieb dabei: Die Polizisten hätten ihren Mandanten nicht zweifelsfrei erkannt, daher fordere sie einen Freispruch.
Das Gericht folgte in der Sache der Staatsanwaltschaft, blieb aber unter dem Strafmaß. Drei Monate Gefängnis, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, 500 Euro Geldbuße und zwei Jahre Führerscheinentzug lautete das Urteil gegen den Raser – außerdem wird sein Auto eingezogen.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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