Freizeitforscher machte Hoffnung

Prof. Dr. Horst W. Opaschowski sprach beim »Volksbank-Treff« in der Olper Stadthalle

win Olpe. Als »Papst der Freizeitforscher«–hatte Bankdirektor Lambert Stoll am Montagabend Prof. Dr. Horst W. Opaschowski angesagt. Der Gründer und Leiter des »B.A.T. Freizeitforschungsinstituts« und Regierungsberater war Gastredner beim »Volksbank-Treff«, der alljährlichen gemeinsamen Veranstaltung der Volksbanken Olpe und Wenden-Drolshagen, die diesmal unter dem Motto »Deutschland 2010 – Wie wir morgen leben und arbeiten«–stand. Um es vorwegzunehmen: Opaschowski machte Hoffnung. Er stimmte nicht in den Chor derer ein, die Deutschland eine dunkle Zukunft voraussagen.

Vor rund 400 geladenen Gästen, überwiegend Selbstständige und Unternehmer aus dem Kreis der Volksbank-Kunden, erklärte Opaschowski in der Olper Stadthalle, es sei Aufgabe eines Freizeitforschers, nicht nur die Frage zu beantworten, wie das Leben in der Zukunft aussehen werde, sondern auch Wege aufzuzeigen, »wie wir leben wollen«. Einschneidende Ereignisse wie Perestroika oder die Anschläge vom 11. September könne niemand voraussagen, die Lebensgewohnheiten der Menschen aber könnten durchaus prognostiziert werden. Opaschowski sagt voraus, dass ein »Themenwechsel«–bevorstehe. Das soziale Wohlbefinden werde in Zukunft wichtiger sein als materieller Wohlstand.

Die Arbeitswelt steht laut Opaschowski vor einer Neuorientierung. Mehr Selbstständigkeit sei nötig, die auch von Angestellten erwartet werden müsse. Das Leben werde in Zukunft wieder als »die Lust, etwas zu schaffen«–verstanden. Er appellierte an Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter nicht zu über-, aber auch nicht zu unterfordern. Es werde fließendere Übergänge zwischen Beruf und Arbeit geben. »Wer sein Leben nicht genießen kann, ist auf Dauer auch nicht leistungsfähig«, so Opaschowski. Lust ohne Anstrengung führe auf Dauer zu Langeweile. »Arbeit ohne Lust und Freizeit ohne Leistung kann der Mensch auf Dauer nicht ertragen.« Neben dem unverändert geforderten Fleiß von Mitarbeitern werde künftig auch soziale Kompetenz, also Kontaktfähigkeit, zum wichtigsten Anforderungsprofil.

Die Gesellschaft werde auch 2010 »eine Leistungs- und Konsumgesellschaft, keine Informationsgesellschaft sein«. Das Internet werde den Alltag nicht revolutionieren, sondern optimieren. Bücher, Zeitungen und Zeitschriften werden laut Opaschowski auch weiterhin wichtig sein. Das Einkaufen per Internet werde »ein kleines Zusatzgeschäft«–bleiben.

Ein Ende des Rückgangs der Geburtenrate sieht Opaschowski nicht. 2035 werde Deutschland die älteste Bevölkerung der Welt aufweisen, von Kindern werde künftig profitieren, wer keine habe. Ohne Zuwanderung werde Deutschland aussterben. Die bevorstehende weitere Steigerung des Durchschnittsalters werde das ganze Leben verändern. Auch der Trend zum Auto werde nicht abnehmen.

Andererseits erwartet Opaschowski eine Trendwende hin zu Ehe und Familie: »Irgendwann hört der Spaß auf, wenn die Sinnfrage nicht mehr beantwortet werden kann.«–Die junge Generation werde die Werte wiederentdecken. Der Gemeinsinn werde zurückkehren. »Wenn wir eine sichere Zukunft wollen, dann muss das 21. Jahrhundert eine Zeit der Verantwortung werden. Die Politik müsse ihren Teil dazu beitragen und nicht mehr in Legislaturperioden, sondern in Generationen denken.

Nach dem Vortrag hatten die Gäste in der Stadthalle Gelegenheit, dem Freizeitforscher Fragen zu stellen. Dabei wurden Punkte wie Zuwanderung oder Arbeitslosigkeit angesprochen. Lambert Stoll überreichte dem Referenten als Präsent ein kleines Fernglas, damit dieser »den Weitblick nicht verliert«. Der »Volksbank-Treff« ging mit einem ungezwungenen Imbiss im Stadthallen-Foyer zu Ende. Prof. Dr. Opaschowski stellte sich hier bis in den späten Abend dem Gespräch mit Gästen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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