Für das »normale« Leben lernen

Westfälische Schule für Sehbehinderte in Olpe seit 25 Jahren erfolgreich

mik Olpe. Am Mittwoch feierten die Mitarbeiter der Westfälischen Schule für Blinde und Sehbehinderte mit Gästen das 25-jährige Bestehen der Schule. Und für die beste Werbung sorgten nicht die Lobreden von Politikern, Lehren oder Eltern. Sondern die Klavierläufe von Anja Braun. Denn die Oberstufenschülerin des Gymnasiums für Sehbehinderte in Marburg drückte früher die Bank der Sonderschule am Kimmickerberg. Doch an den vermeintlichen Makel »Sonderschule« dachte beim berührenden Klavierspiel des Mädchens keiner. Am wenigstens Olpes Bürgermeister Horst Müller.

Er brachte es auf den Punkt: »Integrativer Unterricht ist schön, aber das, was hier an Potenzial zur Verfügung steht, kann eine Regelschule nicht bieten.« Dazu dachte auch Marlene Lubek, Vorsitzende des Schulausschusses, laut nach: »Die Überlegung, ob Integrative Klasse oder Sonderschule, ist nicht entscheidend. Die optimale Förderung steht im Mittelpunkt. Lubek war extra aus Paderborn zum Schul-Jubiläum angereist, »obwohl ich eine Einladung zum Geburtstag der Mutter von Bundeskanzler Schröder hatte«. Dafür gab es Applaus und Aufmerksamkeit.

Lubek erinnerte an die Anfänge vor 25 Jahren: Gründung als Außenstelle der Westfälischen Schule für Sehbehinderte Dortmund in Rüblinghausen. Von 1983 bis 1994 wurde im ehemaligen Gebäude der Grundschule Saßmicke unterrichtet. 1991 folgte die Grundsteinlegung am Kimmickerberg. Offiziell eingeweiht wurde das Schulgebäude 1994.

Auch der stellvertretende Landrat des Kreises Olpe, Dietmar Meeser, lobte die Schule: »Seit 25 Jahren wird hier erfolgreich gearbeitet.« Der Kreis Olpe sei »in der glücklichen Lage«, Kinder mit Behinderungen entsprechende Schulen anbieten zu können. Von zehn Sonderschulformen, die in Nordrhein-Westfalen existierten, seien sieben im Kreis Olpe vertreten.

Doch glauben die Gäste des Jubiläums-Festaktes dem CDU-Politiker, ruht sich niemand auf den Lorbeeren auf. In Kooperation mit der Uni Siegen sei gerade ein 180 Seiten starker Zustandsbericht zur Situation Behinderter im Kreis gedruckt worden. Dazu Meeser: »Der wird ausgewertet, um die Situation für behinderte Menschen zu verbessern.« Das tut das Team der Westfälischen Schule für Blinde und Sehbehinderte täglich. Dazu Meeser: »Sie ermöglichen den Schülerinnen und Schülern eine selbstbestimmte Lebensführung, Normalität und soziale Teilhabe.«

In die Zukunft blickte Ulrich Gelsing, Dezernent der Bezirksregierung in Arnsberg für Sonderschulen: »Hier werden Lebensräume geschaffen.« Schülerinnen und Schüler erhielten hier das »Rüstzeug für ein erfolgreiches Leben«. Was der »unverzichtbaren Institution« noch fehle, sei ein Beratungs- und Früherkennungszentrum, so Gelsing.

Solch ein Zentrum nannte der Schulamtsdirektor des Kreises Olpe, Karl-Heinz Kiese, »das i-Tüpfelchen«. Doch so ein Früherkennungszentrum birgt auch Gefahren für den Fortbestand der Schule: »Durch die sonderpädagogische Frühförderung gräbt sich die Schule selbst das Wasser ab.« Denn wenn die geschulten Sonderpädagogen an der Bodelschwinghstraße Kindern mit Sehbehinderungen helfen, Regelschulen zu besuchen, verlieren sie auch potentielle Schüler.

Kiese beendet sein Grußwort mit einer Geschichte, einer schönen Geschichte: Ende der 80er sprachen die Eltern eines kleinen Mädchens bei Schulleiter Hans-Dieter Kotz vor. Das Mädchen war fast blind. Eigentlich sollte sie auf ein spezielles Internat in Soest. Doch die Kleine wollte in Olpe zur Schule gehen. Kein Problem für Kotz. Der lernte nebenbei die Blindenschrift. Und das Mädchen besuchte die Westfälische Schule für Blinde und Sehbehinderte. Und dort begeisterte am Mittwoch das kleine Mädchen von einst, Anja Braun, mit berührendem Klavierspiel.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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