Krankenkassen wollen nur sehr kleinen Anteil an neuer Rettungswache mittragen
Für Notfallzentrum fehlen 9 Millionen Euro

Am Birkendrust, oben auf dem Bratzkopf, will der Kreis sein Gefahrenabwehrzentrum errichten. Die Kosten für dieses Projekt sind enorm. Der Blick in den Verkehrsspiegel, hier bei einem Unfall am Wochenende, zeigt die künftige Zufahrt zu dem Areal
  • Am Birkendrust, oben auf dem Bratzkopf, will der Kreis sein Gefahrenabwehrzentrum errichten. Die Kosten für dieses Projekt sind enorm. Der Blick in den Verkehrsspiegel, hier bei einem Unfall am Wochenende, zeigt die künftige Zufahrt zu dem Areal
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

win Olpe. Eigentlich ist „GAZ“ zumindest bei Automobilkennern eine gängige Abkürzung für das Gorkier Automobilwerk (Gorkowski Awtomobilny Sawod). Doch im Kreis Olpe wird diese Abkürzung nun anders verwendet: Sie steht für das Gefahrenabwehrzentrum, das der Kreis auf dem Bratzkopf errichten will. Am Mittwoch befasst sich der Ausschuss für Umwelt und Kreisentwicklung wieder mit dem Thema – diesmal mit konkreten Zahlen. Bereits 2017 wurde der Grundsatzbeschluss gefasst, die Kreiswerke auf dem Gelände ein „Notfallzentrum“ bauen zu lassen. Nun liegt ein erstes Raumkonzept vor, das eine Kostenschätzung ermöglicht. Mit einem Projektsteuerer wurde errechnet, dass mit Kosten von rund 35,3 Millionen Euro gerechnet werden muss, um das GAZ zu bauen. Doch von diesem Geld steht mehr als ein Viertel auf der Kippe.

Bislang konnte nur bedingtes Einvernehmen hergestellt werden.
Kreisverwaltung
Beschlussvorlage zum neuen GAZ

Nach den Ausschüssen soll der Kreistag am 28. Juni den Plänen zustimmen, sodass dann die Vorplanung in Angriff genommen werden kann. Am 13. Dezember, so die Planungen, könnte dann endgültig über den Bau abgestimmt werden.

Drei Bereiche sind geplant

Bestehen soll das Zentrum aus drei Bereichen: Zum einen wird es eine Rettungswache beinhalten. Die bisherige in der Trift wird dazu aufgegeben: Ihr Standort ist suboptimal, weil große Teile des Drolshagener Stadtgebiets von dort nicht rechtzeitig angefahren werden können. Weiterhin wird das GAZ die neue Rettungsleitstelle aufnehmen, die bisher in einem Trakt des Kreishauses untergebracht ist. An ihrem derzeitigen Standort ist diese Einrichtung äußerst beengt und entspricht laut Kreisverwaltung schon länger nicht dem Stand der Technik. Eine Erweiterung am derzeitigen Standort sei ausgeschlossen. Und drittens soll im GAZ der Brand- und Bevölkerungsschutz angesiedelt werden, vorhandene Ressourcen, die derzeit über den ganzen Kreis verteilt an verschiedene Feuerwehren angedockt sind. Auch sollen hier die Büros des zuständigen Fachdiensts 37 der Kreisverwaltung angesiedelt werden, ein zentrales Lager, das mit dem Rettungsdienst zusammengelegt werden soll, zudem Platz für die Einsatzleitung in Großschadenslagen. Da diese drei Bereiche aus unterschiedlichen Töpfen finanziert werden, sind mehrere Entscheider gefragt. „Soweit es sich um ausschließliche Einrichtungen für die Feuerwehren handelt, sind finale Entscheidungen seitens der Städte und Gemeinden zu treffen. Die weitere Planung und folglich auch Umsetzung von insbesondere einem Feuerwehr-Übungshof sowie einer Atemschutzübungsstrecke mit einer Atemschutzwerkstatt sind von deren ausdrücklichem Einvernehmen abhängig“, heißt es in der Beschlussvorlage. Weiterhin sind die Krankenkassen gefragt, und hier liegt der Hase im Pfeffer: „Bislang konnte nur bedingtes Einvernehmen hergestellt werden“, heißt es.

Ermittelter Bedarf steht gegenüber

Nach jetzigem Stand gebe es nur Zusagen für den Anteil der Rettungswache nach Vorgaben der entsprechenden DIN, entsprechend einer Fläche von knapp 500 Quadratmetern. Dem steht aber ein ermittelter Bedarf von 1800 Quadratmetern für Rettungswache, zusätzliche Fahrzeughallen, Zentrallager, zentrale Desinfektionseinrichtung, Verwaltung und anteilige Nutzungen weiterer Räume gegenüber. „Dies irritiert umso mehr, als Einrichtungen wie Schulungsraum, Desinfektionshalle und Zentrallager bereits Bestandteil der Rettungswache ,In der Trift’ sind und von den Krankenkassen ausdrücklich anerkannt wurden“, so die Kreisverwaltung weiter. Es bleibe abzuwarten, ob die Kostenträger am Ende allen benötigten Ressourcen zustimmen „und auch den bisherigen Kostenteilungsschlüssel der Leitstelle akzeptieren werden“. Nicht auszuschließen sei jedoch, dass ein solches Einvernehmen nicht hergestellt werden könne. Die strittigen Kosten werden vom Kreis auf rund 8,8 Millionen Euro beziffert.

Klärung auf dem Rechtsweg herbeiführen

Unter Umständen müsse das Projekt dann „mit den bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufenen Planungskosten“ beendet werden. „Allerdings sind dann die oben dargestellten Bedarfe anderweitig zu realisieren“, was aber die gleichen Grundsatzfragen seitens der Kostenträger auslösen dürfte. „Von daher wäre es alternativ angezeigt, wenn auch mit dem nicht auszuschließenden Risiko einer am Ende anderen Kostenverteilung, eine Klärung auf dem Rechtsweg herbeizuführen.“

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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