Gar nicht gescheitert

Lioba Albus stellte ihr neues Programm in der Olper Stadthalle vor. Foto: ciu

ciu Olpe. Wenn Mia Mittelkötter die Welt erklärt, dann tut sie das gnadenlos. Im Großen wie im Kleinen. „Kompotent“ ist sie hier wie dort. Parliert über Merkel („wenn man das Angela lächeln sehen will, muss man se aufn Kopf stellen“) und Rüttgers („der hatte die Wahl: Politik oder Geisterbahn“) und gern auch über Gustav, ihren „Chustaff“, einen Pantoffelhelden, wie er im Buche steht. Frisch im Ruhestand hat der den absoluten „Bore-Out“, doch seine Klage wird niedergeschmettert: „Chustaff, du bist jetzt Rentner, das heißt aber nicht, dass du schon tot bist.“ Hugh, die heilige Bofrosta hat gesprochen. Applaus für Mia, die am Donnerstagabend in der Stadthalle Olpe stets im Vorteil war. Denn ihr Alter Ego, die Kabarettistin Lioba Albus, wuchs am anderen Ende des Biggesees, in Attendorn, auf – ihre Mia, die Paradehausfrau aus dem Sauerland, ist immer auch eine Hommage an die Heimat.

Im Rahmen des Olper Kultursommers stellte sie ihr neues Programm vor, „Erfolgreich scheitern für Fortgeschrittene!“, das im Februar im Dortmunder „Cabaret Queue“ Premiere feierte. Gescheitert wird hier grandios, mit Haltung und Stil. Bestes Beispiel: Witta vom Grillstudio „Majo and More“, die gerade ihren Ralle losgeworden ist und sich wundert, „dat auch ein Nix ne Lücke hinterlassen kann“. Therapieren will sie ihren Schmerz im VHS-Kurs „Afrikanischer Tanz“, und schon bald fühlt sie sich beim Kursleiter, dem rhythmussicheren Senegalesen, wie „die Weiße Massai aus der Mallinckrodtstraße“. Dass der Tänzer es mehr auf ihr Geld als auf ihre Liebe abgesehen hat, sieht Witta nicht – oder sieht einfach nicht hin. Sie packt ihr Leben eben beim Schopfe. Anders als das Anni, das mit Hütkes und Tüchkes ihr Dasein beklagt. Ooooh! Anni kommt nicht drüber wech, dass die Tochter beziehungsmäßig so flatterhaft ist. „Mit ’nem Mann in einer Wohnung“, sagt das Kind, „ist vom Feng Shui her nicht gut.“

Die Figuren der Lioba Albus haben sämtlich etwas Vereinsamtes an sich, kommen damit aber irgendwie klar, sie träumen sich zum Glück. Wie das verhuschte Wesen vom FEZ, dem Feministischen Tierschutzverband, das Hühner von der Stange holt, oder wie Mia, die sich so freut, wenn endlich noch mal jemand anruft. Und sei es das Callcenter von der Altersvorsorge oder vom Telefonanbieter. Dann nutzt sie die „Schengse“ und quatscht drauflos – bis die Gesprächsprofis ganz von selbst auflegen. Beim Beichten (so ein, zwei Stunden) gibt ihr der Priester das Schweigen auf (so ein, zwei Stunden).

Wie wandlungsfähig die Kabarettistin ist, zeigt sich auch bei ihren „Fideos“ zur „Alles-muss-raus-Aktion“ der Partnervermittlung. Ein schüchternes Hasi, die kölsche Trixi und auch der Gerd-Manfred suchen – und finden nicht. Das Scheitern klebt an ihren Schuhsohlen. Lioba Albus aber scheitert nicht. Ihr Programm kommt an, lässt schmunzeln, kichern, lachen. Auch und gerade, weil es das wahre Leben spiegelt, das Unabänderliche, Unvermeidliche. Dass dabei oft die Rede vom Altern ist, dem Trutschig-Werden, kann kein Zufall sein. Altert die eine, Mia Mittelkötter, naturbelassen, ist die andere, Uschi Glas, zum Bedauern dürr, ein „armes, ausgehungertes Totenkopfäffchen“. Auch eine Gescheiterte?!

Nicht aufgeben, ist die „Defise“ der Lioba Albus, die mit einem feinen Gedicht von Robert Gernhardt („Folgen der Trunksucht“) schließt – und dann den Applaus der Heim-Kulisse genießt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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