Weltumsegelung muss pausieren
Gefangen im Hafen

Melanie und Jan Heinrich segeln auf ihrem Boot „Tore“ um die Welt – <hardspace>eigentlich. Denn „dank“ der Corona-Krise harren sie seit fast vier Wochen in einer Marina in Panama aus. Fotos: privat</hardspace>
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  • Melanie und Jan Heinrich segeln auf ihrem Boot „Tore“ um die Welt – <hardspace>eigentlich. Denn „dank“ der Corona-Krise harren sie seit fast vier Wochen in einer Marina in Panama aus. Fotos: privat</hardspace>
  • hochgeladen von Jörg Winkel (Redakteur)

win  Schon fast ein Jahr lang kreuzt die aus Rüblinghausen stammende Melanie Heinrich (geb. Hohleweg) mit ihrem Ehemann Jan auf ihrem Boot „Tore“ über die Weltmeere. Im Mai 2019 stachen sie von Heiligenhafen aus in See und haben inzwischen Ostsee, Nordsee, Atlantik und Kapverden gesehen. Eigentlich wollten sie nun unterwegs sein in Richtung Polynesien – doch auch hier durchkreuzte ein kleines Biest alle Pläne: das neue Corona-Virus.

„Wir hatten noch Glück“, berichtet Melanie Heinrich am Telefon im Gespräch mit der SZ, „wir waren mit das letzte Boot, das noch durch den Panamakanal durfte.“ Diese abenteuerliche Fahrt endete vorerst in Santa Teresita in der dortigen „Vista Mar“-Marina. „Auch hier durften wir gottseidank noch einlaufen und anlegen“, so Melanie Heinrich, „ein paar Boote später wurde der Hafen geschlossen.“ Später eintreffende Segler ankern draußen, werden per Boot vom Festland aus mit dem Notdürftigsten versorgt. Im Vergleich dazu hat das Ehepaar Heinrich es regelrecht komfortabel: Sie haben fließendes Wasser, Internet und sie können einkaufen – allerdings nicht zusammen. In Panama gelten strenge Ausgangsregeln: Die letzte Ziffer im Pass regelt, dass Melanie Heinrich von 14 bis 15 Uhr unterwegs sein darf, Jan Heinrich hat eine 4 statt einer 2, seine Zeit ist zwischen 16 und 17 Uhr.

Ohnehin sind Männer und Frauen stets getrennt auf der Straße: Frauen montags, mittwochs und freitags, Männer dienstags, donnerstags und samstags. An Sonntagen bleiben alle zu Hause bzw. auf dem Boot. Und vermutlich wird es bald noch strenger: „Angeblich soll künftig nur noch einmal pro Woche eingekauft werden“, so Melanie Heinrich, „einfach um das Infektionsrisiko zu senken.“ Erstaunt sind die Heinrichs beim Blick in die Läden: Die Regale mit alkoholischen Getränken sind übervoll – <hardspace>aber gesperrt. Der Verkauf alkoholischer Getränke wurde vorerst verboten. Die Regierung will damit verhindern, dass Menschen sich in fröhlicher Runde treffen und so das Virus verbreiten könnten.</hardspace>

Da die Behörden geschlossen haben, erhalten die Heinrichs keinen Ausreisestempel in ihren Pass – und ohne den können sie nirgends anlegen, selbst wenn das jeweilige Land sie einlassen würde. „Wir wollten zu den Galapagos-Inseln weiter nach Französisch-Polynesien, um im Oktober Australien zu erreichen. Aber das wetterbedingte Zeitfenster wird immer enger“, so Melanie Heinrich.

Das Ehepaar vertreibt sich die Zeit, so gut es geht. „Unser Boot war noch nie so sauber und aufgeräumt“, berichtet die Erzieherin. Ihr Mann, im normalen Leben Chemie-Ingenieur, fängt Fische und wartet die Technik. Melanie Heinrich ist froh über die gute Internet-Versorgung im Hafen: Sie hat vor Reiseantritt ein Fernstudium begonnen und nutzt die Gelegenheit, dies voranzutreiben. Im Hafen herrscht guter Kontakt zu den Bootsnachbarn, auch wenn es hauptsächlich ältere Amerikaner sind, die aus Angst vor einer Infektion auf Abstand achten. Doch die im Hafen Gefangenen treffen sich auf andere Weise: Allmorgendlich findet am Funkgerät ein virtuelles Zusammensein statt, und auch eine eigene Whatsapp-Gruppe wurde gebildet, um sich mit Informationen zu versorgen. Und auch mit den Familien in Deutschland ist dank Video-Telefonie guter Kontakt möglich.

Sollten die Behörden wieder öffnen und die Ausreise möglich machen, wissen die Heinrichs noch nicht, wie sie vorgehen sollen. „Einen Plan B haben wir bisher nicht“, berichtet Melanie Heinrich. „Wir haben noch zwei bis drei Wochen, um loszusegeln, ansonsten müssen wir ein Jahr warten.“ Doch müsste dann das Boot irgendwo untergebracht werden, eventuell ein Zwischen-Job gefunden werden. „Wir sind im stetigen Kontakt mit dem Auswärtigen Amt. Vor ein paar Wochen wurden Deutsche ausgeflogen, aber inzwischen sind die Flughäfen gesperrt. Das soll noch bis Mai so bleiben.“ Erstmals gehört haben die beiden vom Corona-Virus übrigens aus Olpe, und zwar während eines Stopps in Kolumbien. „Ich hatte einer Freundin ein Foto geschickt, auf dem wir ein Corona-Bier trinken, und den von ihr folgenden Witz habe ich nicht kapiert, weil wir von Corona noch nichts wussten.“ Das hat sich inzwischen nachhaltig geändert…

• Sowohl auf Facebook als auch bei Instagram hat das Ehepaar Heinrich unter dem Stichwort „Sailing-Tore“ Seiten eingerichtet, auf denen der Fortgang der Reise verfolgt werden kann.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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