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Verein „Frauen helfen Frauen“ initiiert Ausstellung in Olper Geschäften
Gewalt hat viele Gesichter

Shahana Gitzen (l.) vom Frauenhaus und Monika Leuenberg von der Frauenberatungsstelle bereiten hier in Geschäften des Olper Einzelhandels eine Ausstellung vor, die zu einem „sehr speziellen Stadtrundgang“ durch die Innenstadt einladen soll.
  • Shahana Gitzen (l.) vom Frauenhaus und Monika Leuenberg von der Frauenberatungsstelle bereiten hier in Geschäften des Olper Einzelhandels eine Ausstellung vor, die zu einem „sehr speziellen Stadtrundgang“ durch die Innenstadt einladen soll.
  • Foto: Yvonne Clemens
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

yve Olpe. Viele Bürger bleiben vor den Schaufenstern in Olpe stehen. Das ist nichts Außergewöhnliches, doch heute verweilen sie länger, richten ihren Blick auf Puppen, die so ganz anders erscheinen als üblich. Wie das Modell im Esprit-Store an der Kölner Straße, das in ein weißes Kleid gehüllt ist. „Gibt es hier jetzt auch Brautmode?“, fragt eine Kundin, die das Geschäft betritt. „Nein“, antwortet Shahana Gitzen freundlich. Sie rückt gerade die Perücke zurecht und informiert die Frau über die Hintergründe.
Die Schaufensterpuppe im Brautkleid sei Teil einer ungewöhnlichen Ausstellung, die gerade aufgebaut werde – initiiert vom Olper Verein „Frauen helfen Frauen“, der Träger der Frauenberatungsstelle und des Frauenhauses ist.

yve Olpe. Viele Bürger bleiben vor den Schaufenstern in Olpe stehen. Das ist nichts Außergewöhnliches, doch heute verweilen sie länger, richten ihren Blick auf Puppen, die so ganz anders erscheinen als üblich. Wie das Modell im Esprit-Store an der Kölner Straße, das in ein weißes Kleid gehüllt ist. „Gibt es hier jetzt auch Brautmode?“, fragt eine Kundin, die das Geschäft betritt. „Nein“, antwortet Shahana Gitzen freundlich. Sie rückt gerade die Perücke zurecht und informiert die Frau über die Hintergründe.
Die Schaufensterpuppe im Brautkleid sei Teil einer ungewöhnlichen Ausstellung, die gerade aufgebaut werde – initiiert vom Olper Verein „Frauen helfen Frauen“, der Träger der Frauenberatungsstelle und des Frauenhauses ist. Anlass ist der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“, der seit 1981 immer am 25. November stattfindet.

Schaufensterpuppen „erzählen“ Schicksale

Für Shahana Gitzen vom Frauenhaus und Dipl.-Psychologin Monika Leuenberg, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Prävention bei der Frauenberatungsstelle, gehört es zur täglichen Arbeit, Frauen und Mädchen in Notsituationen zu betreuen und beraten. Ihnen und ihren Kolleginnen ist es aber auch ein großes Anliegen, die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren und Betroffene zu erreichen, die körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt hilflos ausgesetzt sind.
„Die Idee zur Ausstellung hatten Shahana und ich fast gleichzeitig“, erzählt Monika Leuenberg. Das Esprit-Ladenlokal ist eines von 17 Geschäften, in denen eine Woche lang Schaufensterpuppen ausgestellt sind. Jede einzelne von ihnen „erzählt“ ein persönliches Schicksal, das in „Ich-Form“ auf Plakaten zu lesen ist. Verschiedene Gewaltsituationen werden dargestellt, die den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sowie der Frauenberatungsstelle im Vorfeld der Ausstellung geschildert worden sind. „Natürlich haben wir zum Schutz der Frauen die Geschichten so weit verfremdet, dass keine Rückschlüsse auf die Identitäten möglich sind“, hält Monika Leuenberg fest.

„Zwangsheirat“ ist nur eines der Themen

„Zu meinem 18. Geburtstag luden meine Eltern einen entfernten Cousin von mir ein. Sie sagten, dass wir auf meiner Geburtstagsfeier meine Verlobung feiern würden. Ich kannte diesen Menschen nicht, ich war völlig schockiert“, ist ein Auszug der Worte, die auf dem Plakat im Esprit-Store stehen. Sie enden mit dem Satz: „Nach einem missglückten Suizid gelang mir kurz darauf mithilfe einer Freundin die Flucht ins Frauenhaus.“ „Zwangsheirat“ lautet hier also das Thema, von weiteren 16 Berichten können Interessierte bei einem „sehr speziellen Stadtrundgang“ Kenntnis nehmen – so betiteln die Organisatorinnen ihre Ausstellung.
„Zwangsheirat – auch im Kreis Olpe gab es das schon einige Male“, so Monika Leuenberg. „Das ist Realität, das sind keine erfundenen Geschichten.“ Ebenso Gewalterlebnisse in der Ehe und in der Partnerschaft, Missbrauch, Vergewaltigung, Stalking oder Bedrohung. Die Ausstellung des Vereins „Frauen helfen Frauen“ soll ins Bewusstsein rücken, welche verschiedenen Formen der Gewalt Frauen in Deutschland erleiden müssen.

Für die meisten Menschen schwer vorstellbar

„Für die meisten Menschen, die ein friedvolles, wohltuendes Zuhause haben, ist es schwer vorstellbar, was anderen Frauen und Mädchen zumeist im eigenen Heim so alles Erschreckendes passieren kann“, meint Shahana Gitzen. Wieder anderen werde bewusst, „oh, das ist ja meine Geschichte“, ergänzt die Dipl.-Psychologin. Während der Öffnungszeiten der mitwirkenden Geschäfte liege daher auch Informationsmaterial aus, um sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen. Insbesondere während der Corona-Pandemie habe sich die Situation betroffener Frauen verstärkt, betont Shahana Gitzen.
An der Ausstellung beteiligen sich: Schwanen-Apotheke, Apotheke am Markt, Krämerei am Markt, „Xocolea“, „Tendenza“, „Stilsicher“, Esprit-Store, „Trag´s mit Fassung“, „Casa Pitti“, Maiworm Mode, Orthopädie Koch, Franziskus-Apotheke, Schuhhaus Koch, „Fashion Area“, Linden-Apotheke, „Bodyline“ und „Spontan“. Kraft Männermoden verleiht für den Ausstellungszeitraum sieben Torsos an die Geschäfte, die keine Schaufensterpuppen haben.
Monika Leuenberg und Shahana Gitzen sind sehr dankbar für die Mithilfe des Olper Einzelhandels. „Fast alle haben sofort ihre Unterstützung zugesagt“, freut sich die Dipl.-Psychologin – auch in der Hoffnung, dass sich viele Menschen Zeit für den „sehr speziellen Stadtrundgang“ nehmen.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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