Trüber Fleck auf der Mobilfunkkarte
Golddorf mit Blechempfang

Auf der Suche nach gutem Empfang: In Rehringhausen wird man den eher nicht finden.
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tile Rehringhausen. Bernd und Rüdiger Schnüttgen stehen in der Dorfmitte Rehringhausens, halten ihre Handys in die Höhe. Empfang ist in dem Olper Ortsteil eher Glückssache. Gefühlt wird nur bei günstigem Wind „ein Balken“ angezeigt, der Zugriff auf das Mobilfunknetz verheißt. Laut Übersichtskarte der Bundesnetzagentur sollte hier das schnelle 4-G-Netz (LTE) überall zur Verfügung stehen. Tatsächlich aber ist das Golddorf von 2007 ein trüber Fleck in der Geografie des mobilen Datenstroms – sehr zum Ärger der Dorfgemeinschaft. „Das ist unmöglich“, wettert Rüdiger Schnüttgen. Der Rehringhausener ist seit 20 Jahren treuer Telekom-Kunde, aber über die jüngste Meldung, der Magenta-Konzern habe in NRW 99,5-prozentige Netzabdeckung erreicht, kann er nur müde lächeln. Der Olper Stadtabgeordnete ist beruflich viel in Südwestfalen unterwegs, überall gebe es Probleme, so seine Erfahrung.

Wenn wenigstens ein Anbieter sicheren Empfang im Dorf böte, könnte man wechseln. Aber die öffentlichen Mobilfunknetzanbieter – Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) – präsentieren sich allesamt unzuverlässig. Die Netzstärke schwankt bei allen von jetzt auf gleich von mittelmäßig bis nicht vorhanden. Nun hat die Deutsche Funkturm GmbH im Auftrag der Telekom im Juli 2020 einen Sendemast am Kleusheimer Berg fertiggestellt. Doch „fehlt noch die Anbindung des Standorts mit einer Datenleitung“, erklärt ein Funkturm-Sprecher. Die Tiefbauarbeiten zögen sich unerwartet in die Länge.

Wegen Homeoffice und Homeschooling dringend gebraucht

Die Telekom werde den Mast „wahrscheinlich im April/Mai“ in Betrieb nehmen. Dabei werde das Mobilnetz gerade in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling dringend gebraucht, zumal das Festnetz-Internet im „Sackgassendorf“ nicht das leistungsstärkste sei und regelmäßig ausfalle, sagt Rüdiger Schnüttgen.

Die Telekom wird den Mobilfunkmast wahrscheinlich im April oder Mai in Betrieb nehmen.
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Monika Schulte-Brinker vermietet einige Wohnungen in Rehringhausen. Das Interesse potenzieller Mieter schwinde häufig, sobald die Frage nach dem Handyempfang aufkomme. „Gerade Selbstständige wollen immer und überall mobil erreichbar sein.“ Viele wollten keinen Festanschluss. Zuletzt vermietete sie eine Wohnung nur wegen des neuen Funkmastes, der zum Jahresende hätte senden sollen. Tut er aber nicht. „Man muss aufs Dach steigen, um eine SMS zu erhalten.“

Kein Austausch über Whatsapp, Facebook und Instagram

Ortsvorsteher Bernd Schnüttgen sieht buchstäblich den Dorffunk unterbrochen. „Eine kurze Nachricht senden, um einen schnellen Arbeitseinsatz zu organisieren, geht nicht.“ Jugendliche könnten sich nicht über Whatsapp, Facebook und Instagram austauschen. Für den Hotelbetreiber ist das Funkloch zudem ein Standortnachteil. „Es gibt Gäste, die gezielt kommen, weil wir ,handyfrei’ sind, aber die meisten finden es eher bescheiden.“ Gästen, die mobil telefonieren wollen, empfiehlt er eines der seltenen Fleckchen mit stabilem Empfang: den „Telefon-Gully“ vorm Hotel. Wandertouristen, die sich auf Navigations-Apps verließen, kämen in Bredouille: Die Routenplanung setze aus, Anrufe aus der „Wildnis“ seien nicht möglich.

Die Stellen, an denen das Handy tatsächlich Empfang hat, sind in Rehringhausen rar gesät.
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Tatsächlich markieren die wenigen ganz weißen Flecken auf der Übersicht der Bundesnetzagentur vor allem Bereiche außerhalb von Siedlungen. Das Problem: Als versorgt gilt ein Gebiet bereits, wenn nur einer der drei Anbieter einen Netzzugang ermöglicht. Aber: O2-Kunden etwa haben in einer reinen Vodafone-Zone keinen Empfang. Zwar weisen die Netzbetreiber jeweils eine 4-G-Abdeckung von fast 100 Prozent aus, doch gibt es je nach Anbieter auch in Wohngebieten noch Lücken. Demnach warten etwa Telekom-Kunden in Teilen von Wilnsdorf, Osthelden, Grund, Vormwald, Glashütte, Volkholz, Benfe, Oechelhausen, Ruckersfeld, Netphen-Sohlbach, Werthenbach, Hillmicke, Neuenkleusheim und einigen anderen Dörfern immer noch auf ein schnelles Handynetz.

In Rehringhausen mit 4-G-Standard zufrieden

In der Regel böten die Karten der Bundesnetzagentur und der Mobilfunkanbieter ein „sehr zuverlässiges und realistisches Bild der tatsächlichen Verhältnisse“, beschreibt Sprecher Torsten Manges die Erfahrung der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein. Im Einzelfall gebe es aber mit Sicherheit Abweichungen. Ein „Fall Rehringhausen“ sei für den Kreis Siegen-Wittgenstein nicht bekannt. 2020 habe es einige Ausbaumaßnahmen gegeben, auch beim Hochgeschwindigkeitsnetz 5 G.

In Rehringhausen wäre man mit dem aktuellen 4-G-Standard bereits zufrieden. Doch bis der neue Sendemast wenigstens Telekom-Kunden aus der mobilen Diaspora führt, wird man im Golddorf für eine SMS wohl noch so manches Mal aufs Dach steigen müssen.

G 3-Netz wird ab Sommer abgeschaltet Wer kein 4 G-fähiges Handy besitzt, wird sich demnächst in die digitale Steinzeit zurück versetzt fühlen. Telekom und Vodafone schalten zum 31. Juni das Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) ab, Telefónica-Deutschland (O2) hat das Aus für Ende 2021 angekündigt. 2003 eingeführt war der Mobilfunkstandard der dritten Generation – daher vor allem als 3 G bekannt – die technische Basis für das mobile Internet. Mit einer Übertragungsrate von 42 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ist es nicht mehr zeitgemäß. Die frei werdende 3 G-Frequenzen werden benötigt, um zusätzliche Kapazitäten/Bandbreite für das 4 G-Netz (LTE / bis zu 300 Mbit/s) zu schaffen. Tariflich ändere sich nichts, heißt es. Nach der Umstellung surften alle 3 G-Kunden automatisch ohne Aufpreis im schnelleren Netz – sofern ihr Handy 4 G-fähig ist. Falls nicht, ist das Internet im Mobilfunknetz nicht mehr uneingeschränkt nutzbar. Telefonieren und SMS-Versand werden kein Problem sein, aber Daten werden dann nur noch im Schneckentempo über das G 2-Netz übertragen.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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